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27. Dezember 2011 e

Wie es zum Frieden kam

Geschichtsforschung – Diplomatie, die Europa für 150 Jahre nachhaltig stabilisierte

Vor dem Friedensschluss tagten Hunderte Gesandte der Kriegsparteien fünf Jahre lang in Münster und Osnabrück. „Einen solchen Kongress hatte es in der Neuzeit zuvor nicht gegeben“, sagt Guido Braun vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn. „Der Westfälische Kongress ist ein Lehrstück für Friedensverhandlungen.“ Seit 1957 werden die über ganz Europa verstreuten Dokumente zum Westfälischen Friedenskongress von der „Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V.“ in der Arbeitsstelle der Universität Bonn an der Argelanderstraße 59 gesammelt und aufbereitet. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste hat das Projekt zur „Acta Pacis Westphalicae“ ab Ende der 1970er Jahre gefördert, doch Ende 2011 läuft diese Förderung aus. „Dieses wichtige Langzeitprojekt zur Erschließung der Akten hat der Fachwelt den Zugang zu den Quellen ermöglicht“, sagt Maximilian Lanzinner, der Anfang 2003 die Leitung des Projekts übernahm. Man suche nach Wegen, es fortzuführen. In seinem Verlauf trugen 41 Historiker Material aus 157 Archiven in ganz Europa zusammen. 1962 erschien der erste Band der „Acta Pacis Westphalicae“, einer kritischen Edition. Inzwischen liegen 45 Bände mit fast 32 000 Seiten vor.
Diese Dokumente erklären, warum sich die Verhandlungen über fünf Jahre hinzogen. Man habe damals erst Verfahrensformen und diplomatische Instrumente für die Konferenzen erarbeiten müssen, so einer der Forscher. Auch waren die Kommunikationsmittel extrem langsam: Die Gesandten standen mittels berittener Boten mit ihren Herrschern in Kontakt. „Ein Brief zum spanischen König hin und zurück brauchte inklusive Beratungen zwei bis drei Monate“, so ein Historiker. Die Gesandten klagten über schlechte Unterkünfte und widrige Umstände in den Städten, die auf den Verhandlungsmarathon nicht vorbereitet waren – Münster hatte damals etwa 10 500 Einwohner, Osnabrück deutlich weniger.

Durch die Erschließung der Dokumente zum Westfälischen Frieden hat sich das Bild der Historiker vom Kongress gewandelt. „Im Gegensatz zu früheren Meinungen zeigte sich, dass die Delegierten trotz der Länge des Kongresses sehr rasch und zielgerichtet verhandelten“, berichtet Lanzinner. Auch die Mär von der Ohnmacht des Reiches bestätigte sich nach Durchsicht der Akten nicht – gleichberechtigte Partner verhandelten auf Augenhöhe. „Das jahrelange Ringen um Frieden lohnte sich: Das Ergebnis des Kongresses sorgte immerhin rund 150 Jahre für stabile politische Verhältnisse in Europa“, sagt der Historiker.
Bis Ende 2012 sollen die Akten der Edition mithilfe der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek vollständig digitalisiert werden. „Mit einem Mausklick kann man dann zum Beispiel sehen, welche Akten zu einem bestimmten Tag vorliegen – unser Geschichtsbild wird dadurch noch umfassender.“ Der Westfälische Friedenskongress biete auch gute Ansätze, um aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen.





 
 


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