Im Jahre 2005 hatte der Physiker Jorge E. Hirsch in den USA den sogenannten h-Index vorgestellt, der die Anzahl (h) der Publikationen eines Autors angibt, die jeweils mindestens h mal zitiert worden sind. Ein hoher h-Index spricht dem zur Folge für eine starke Durchdringung der betreffenden Artikel in der Wissenschaftswelt, er wird also als hohe Reputation eines Wissenschaftlers interpretiert.
In den vergangenen Jahren hat sich der h-Index nach Hirsch als Standardmaßstab zur Beurteilung wissenschaftlichen Erfolgs eingeführt.
Ein großes Problem dieses weithin etablierten Index besteht jedoch darin, dass der h-Index mit fortschreitendem Forschungsalter selbst dann weiter anwachsen kann, wenn ein Wissenschaftler kaum oder gar nicht mehr publiziert – Carbon hat nachgewiesen, dass der h-Index sogar bei bereits gestorbenen Wissenschaftlern während der ersten Jahre nach deren Ableben weiterhin nahezu linear ansteigt.
Bei der Beurteilung wissenschaftlicher Reputation von forschungsälteren Wissenschaftlern entsteht dadurch eine systematische Verzerrung, die sie gegenüber jüngeren Kolleginnen und Kollegen bevorteilt.
Dies ist vor allem dann problematisch, wenn junge Wissenschaftskarrieren evaluiert werden sollen, etwa im Fall von Neubesetzungen oder Berufungen. An diesem kritischen Punkt hat Claus-Christian Carbon angesetzt.
Um die bisherige Überbewertung des Zeitverlaufs zu korrigieren, hat der Bamberger Methodiker die Evaluierungsberechnung um die wichtige Dimension des Forschungsalters erweitert, wie er in seinem Bericht ausführt. Im Carbon_h-factor wird der h-Index nunmehr an der Anzahl der forschungsaktiven Jahre (Zeitraum zwischen aktueller Messung und erster zitationserfassbaren Publikation) relativiert. Es resultiert ein Steigungsfaktor für den h-Index, der angibt, mit welcher Geschwindigkeit sich der h-Index entwickelt. Erste Forschungsergebnisse zu der neuen Evaluierungsmethode wurden am 14. Dezember in Form eines Forschungsartikels in der Public Library of Science (PLoS ONE) veröffentlicht. Wie Carbon ausführt, hat er unter Anwendung seines Algorithmus 120 Karrieren untersucht und dabei eine nahezu lineare Entwicklungskurve gefunden – für vier verschiedene Fachbereiche, für die er bereits unterschiedliche Performanz-Niveaus berechnet hat.
Auf Basis dieser Daten ist es nun möglich, innerhalb der Interpretationsmöglichkeiten des h-Index Vergleiche auch zwischen Wissenschaftlern in unterschiedlichen Karriereabschnitten und über unterschiedliche Wissenschaftsgebiete systematisch durchzuführen. Dies soll dazu beitragen, dass auch Karrieren im jungen Forschungsalter adäquat eingeschätzt und entsprechend gefördert werden können.
Was Wissenschaftstexte wertvoll macht
Methodik – Bisherige Evaluierung hat Nachwuchsforscher deutlich benachteiligt
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