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20. Dezember 2011 Von Richard E. Schneider

Schnelltests können in Speichel-Proben verbotene Substanzen nachweisen

| Vergrößern | Handliches Test-Set: Im Gegensatz zu anderen Tests, die aufgrund weitaus größerer Aufwände kaum direkt bei Verkehrskontrollen am Straßenrand durchgeführt werden können, überprüft RapidStat Speichelproben binnen weniger Minuten darauf, ob ein Fahrer unter Drogen steht. Der Test reagiert inzwischen auf bis zu sechs Substanzgruppen. Foto: mavand

Seit vielen Jahren fallen bei Verkehrskontrollen den Beamten mit zunehmender Häufigkeit auch Autofahrer auf, die offenbar unter Drogeneinfluss stehen.
Für den schnellen Drogen-Nachweis hat ein schwäbisches Biotech-Unternehmen hat Tests auf Basis von Antikörpern entwickelt, in Zusammenarbeit mit deutschen Rechtsmedizinern und gefördert durch das Bundesforschungsministerium. Per Speicheltest können derzeit neun Substanz-Familien nachgewiesen werden. Der Hersteller kann bis zu sieben verschiedene Nachweise in einem einzigen Testset vereinen, ab einem gewissen Umfang kann der Beizieher die Kombination frei wählen.
Amphetamine, Kokain, Ecstasy, Opiate (wie Heroin) oder der Wirkstoff THC (in Haschisch) nachweisen können.

Für deutsche Polizeibehörden hat Mavand ein Testset hergestellt, das die sechs in der Polizeipraxis am häufigsten angetroffenen Drogen anzeigt. Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Rheinland-Pfalz setzen es bei Kontrollen ein. Seit RapidStat verfügbar ist, sei dort die Zahl derer gestiegen, die wegen Fahrens unter dem Einfluss verbotener Substanzen ihren Führerschein abgeben mussten (was freilich auch auf gestiegenen Drogenkonsum zurückzuführen sein könnte).
Sofern der Proband mit dem Schnelltest einverstanden ist, wird ihm ein Wattestäbchen in den Mund geschoben, das Speichel aufnimmt. Die Probe wird in einem Plastikröhrchen mit einer Chemikalienlösung versetzt, das Gemisch dann auf einen Papierstreifen getropft, der mit Antikörpern beschichtet ist.

Nach sieben bis maximal zwölf Minuten kann darauf zweifelsfrei abgelesen werden, ob in der Speichelprobe Rauschmittelspuren vorhanden waren. Eine rote Linie im Ablesefeld sagt „kein Drogenkonsum“. Ein optional einsetzbares Lesegerät dokumentiert die Konzentration gefundener Rauschmittel, kann das Ergebnis auch fernübermitteln.
Die Nachweis-Schwelle ist bei verschiedenen Drogen unterschiedlich – teils bedingt durch die Empfindlichkeit der Reaktion, teils auch nach Vorgabe der Auftraggeber: bei Phenylcyclidin ab 2,5 Nanogramm pro Milliliter Speichel, bei Kokain ab 12 ng/ml, Methadon und THC ab 15 ng/ml, Amphetaminen (auch Meth-Amphetamin), Benzodiazepinen und Opiaten ab 25 ng/ml, bei Ecstasy ab 50 ng/ml.
Seit August verfügt das Innenministerium von NRW über Testsets. Allein in Duisburg wurden mithilfe der Tests bei Verkehrskontrollen von Anfang Januar bis Ende August dieses Jahres 137 Personen des Drogenkonsums hinter dem Steuer überführt. Wie die Pressestelle der Duisburger Polizei hierzu mitteilte, wurden zwar bei den Kontrollen doppelt so viele Alkoholsünder ermittelt, doch der Abstand zwischen der Häufigkeit von Drogen- und Alkohol-Missbrauch verringere sich zusehends. In Duisburg waren im Jahr 2010 (vor der Test-Einführung) nur 93 Autofahrer wegen Drogenkonsums aus dem Verkehr gezogen worden.
Auch im Ausland werden die Speichel-Schnelltests aus Mössingen genutzt. Die französische Polizei etwa teilte mit, ihre Aufklärungsquote sei dank RapidStat deutlich gestiegen. 2010 testete die französische Polizei bei Verkehrskontrollen an 41 000 Autofahrern rund 35 Prozent positiv (davon 80 Prozent nach Cannabis-Konsum, 15 Prozent unter Kokain).

Mavand hat RapidStat auch an Freiwilligen getestet. 2009 hatten sich bei der Anfahrt zur Raver-Party „Nature One“ nahe Trier 213 Probanden dem Test gestellt, im Dezember 2010 rund 80 Freiwillige in einem „Coffeeshop“ in Amsterdam. Um festzustellen, wie akkurat die Speicheltests sind, wurden die Ergebnisse mit den entsprechenden Resultaten von Gas-Chromatografie-Massenspektroskopien (GC-MS) der Uni Mainz verglichen. Danach bewertete der Mainzer Rechtsmediziner Jörg Röhrich die Spezifität und Sensitivität von RapidStat auf Amphetamine (totale Bestätigungsrate von 92 Prozent) sowie bei THC (im Speichel bei 87 Prozent, Bericht im Journal of Analytical Toxicology, April 2010).

Der Hersteller gab an, dass ein Test rund 13 Euro kostet, bei Großabnahme um 10 Euro.

 
 


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