Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, die bei der Explosion massereicher Sterne – einer Supernova – entstehen. Sie ziehen sich dabei stark zusammen, beschleunigen so ihre Umdrehung sehr stark – wie eine Eiskunstläuferin, die bei der Pirouette die Arme anlegt. Millisekunden-Pulsare, von denen etwa 200 bekannt sind, brauchen pro Umdrehung nur wenige Tausendstel Sekunden. Doch manchmal werden diese hochrasant rotierenden Turbo-Sterne wieder langsamer – wie von einer unsichtbaren Macht abgebremst.
Der dänische Astrophysiker Thomas Tauris, der am Argelander-Institut für Astronomie der Uni Bonn und am benachbarten Max-Planck-Institut für Radioastronomie arbeitet, hat dafür eine Erklärung: „Millisekunden-Pulsare rotieren so schnell, weil ein Partnerstern Masse auf sie überträgt.“ Da der Millisekunden-Pulsar in dem Doppelsternsystem dem Partner Masse absauge, verhalte er sich wie ein Vampir, versucht Tauris seine Theorie zu veranschaulichen (wissenschaftliche Publikation: Thomas M. Tauris: Spin-Down of Radio Millisecond Pulsars at Genesis, Science Bd. 335, S. 561.)
Während der Millisekunden-Pulsar außerdem Signale sende, daher von der Erde aus zu erkennen sei, bleibe sein Nachbarstern im Verborgenen. Irgendwann könne der Partnerstern keine Masse mehr liefern: Dann dehne sich die Magnetosphäre des Millisekunden-Pulsars aus, und der Neutronenstern reduziere seine Umdrehungsgeschwindigkeit. Unter Zuhilfenahme von Sternentwicklungsmodellen hat der Forscher berechnet, dass Millisekunden-Pulsare in der Schlussphase ungefähr die Hälfte ihrer Rotationsenergie verlieren. Solange Materie vom Nachbarstern übertragen und der Pulsar auf diese Weise beschleunigt wird, sendet er extrem kurzwellige Röntgenstrahlung aus. Mit Eintritt der Verlangsamung werden deutlich längerwellige Radiostrahlen emittiert.
Am 27. Februar treffen sich in Bonn Astronomen aus verschiedenen Ländern, um über Pulsare zu diskutieren.
Rasende Masse-Vampire
Astrophysik – Strahlen-Emission macht rotierende Neutronensterne gut erkennbar
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