Dazu entwickelten die Experten um Professor Dirk Höfer zwei Testmethoden, mit denen sich die Schweiß-Moleküle, die in Textilien gebunden sind, quantitativ erfassen lassen. Neben Sport- und Businesskleidung sieht Höfer insbesondere bei Polstertextilien für öffentliche Verkehrsmittel sowie in der Automobil- und Luftfahrtindustrie Optimierungsbedarf. Aber auch die Hersteller von Waschmitteln und –maschinen können mit Hilfe der Erkenntnisse künftig sicherstellen, dass ihre Produkte für zuverlässige Geruchsreduzierung sorgen.
Dass die Verhinderung von unangenehmem Schweißgeruch in Textilien und dessen Entfernung keine triviale Aufgabe ist, hängt mit dessen komplexer Zusammensetzung aus verschiedensten chemischen Substanzen zusammen. Verantwortlich für den typischen, unangenehmen Schweißgeruch sind dabei unter anderem Carbonsäuren.
Bei ihren Untersuchungen „impfen“ die Hohenstein-Wissenschaftler verschiedene Textil-Materialien mit einer definierten Menge vonCarbonsäure, die zuvor radioaktiv markiert wurde. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, werden gleiche textile Konstruktionen und Flächengewichte ausgetestet – lediglich die zugrunde liegenden Faserarten unterscheiden sich. Nach 24 Stunden Einwirkung wird die Anzahl der radioaktiv markierten Carbonsäuren ermittelt und verglichen.
Im zweiten Prüfszenario verwenden die Hohenstein-Experten eine künstliche Schweißlösung (Schweißgeruchssimulat), die mehrere Leitsubstanzen des Schweißgeruchs in definierten Verhältnissen enthält und damit exakt reproduzierbar ist. Die textilen Muster werden mit einer festgelegten Menge des Kunstschweißes versehen und unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen aufbewahrt.
Nach einer definierten Inkubationszeit wird die Geruchsintensität der Textilien von geschulten Testriechern in „Pannelist-Untersuchungen“ beurteilt. Die Kombination von instrumentellen und Pannelist-Untersuchungen ist laut Darstellung des Instituts weltweit einzigartig. Wie stark ein Textil nach Schweiß riecht, hängt davon ab, wie viele Schweißgeruchsmoleküle das Textil aufnimmt – und zum anderen, wie viele dieser Moleküle wie rasch wieder freigegeben werden und damit als (unangenehmer) Geruch wahrnehmbar sind.
Die quantitative Erfassung der Geruchsmoleküle hat bestätigt, dass Baumwolle die Schweißmoleküle stärker und länger an sich bindet als etwa Polyester. Von diesem können sich die Moleküle, die für den Geruch verantwortlich sind, offenbar leichter lösen. Das messtechnische Ergebnis wurde von den Testriechern bestätigt. Sie gaben an, bei T-Shirts aus Baumwolle im Vergleich zu Polyester weniger Geruch wahrgenommen zu haben.
Polyester müffelt stärker als reine Baumwolle
Textiltechnik – Wissenschaftler erforschen Geruchsbindung mit Hilfe von Kunstschweiß
BÖNNIGHEIM.
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