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26. Januar 2011 von Yvonne Mielatz

Madagaskar: Darmstädter Wissenschaftler beschreibt 26 neue Arten

 
| Vergrößern | Calumma tarzan: Der Name, den seine Entdecker dem farbenfrohen Chamäleon gegeben haben, scheint gut zu passen. Es lebt in kleinen Regenwaldresten der dem afrikanischen Kontinent vorgelagerten Insel Madagaskar. Foto: Jörn Köhler /Hessisches Landesmuseum Darmstadt


Dem Mikrokontinent Madagaskar kommt aus Sicht der Biologen eine zentrale Rolle zu: Zum einen ist er sehr artenreich und weist einen äußerst hohen Endemismusgrad bei Flora und Fauna auf. Das heißt: viele der madegassischen Pflanzen und Tiere gibt es ausschließlich auf der Insel. Und zum anderen sind ihre artenreichen und einzigartigen Lebensräume wie kaum andernorts durch Zerstörung bedroht.

Diese Bedrohung hat sich nochmals verschärft, seit Madagaskar Anfang 2009 in eine politische Krise stürzte, in deren Folge der effektive Schutz bestehender Reservate und Nationalparks durch eine allgemeine gesellschaftliche Unordnung und gezielten Raubbau mittlerweile kaum noch existent ist.

Dennoch - oder gerade deswegen - ist Madagaskar derzeit ein Brennpunkt der biologischen Forschung. An der Erforschung der Insel im Indischen Ozean ist das Hessische Landesmuseum Darmstadt seit 2006 maßgeblich beteiligt. In Zusammenarbeit mit Kollegen konnte der promovierte Darmstädter Zoologe Jörn Köhler, der sich auf Amphibien und Reptilien spezialisiert hat, belegen, dass es mindestens doppelt so viele Froscharten auf Madagaskar gibt, wie bislang offiziell erfasst sind. Dies bedeutet, mehrere hundert neue Arten sind bereits identifiziert, müssen aber noch wissenschaftlich beschrieben und benannt werden.

Das Jahr 2010 war bezüglich der Neubeschreibungen und -entdeckungen von Madagaskar-Arten besonders produktiv. Zusammen mit Frank Glaw (Zoologische Staatssammlung München) und Miguel Vences (der als Professor an der Technischen Universität Braunschweig lehrt) hat Jörn Köhler allein im vergangenen Jahr 23 neue Froscharten sowie drei neue Reptilienarten publiziert. Darunter sind freilich teilweise recht unscheinbare Vertreter, die nur Spezialisten als „neu“ erkennen können, aber auch einige bemerkenswert bunte und bizarre Arten, die offenbar noch kein anderer Wissenschaftler zuvor in den Händen gehalten hat. Zu letzteren Vertretern zählt beispielsweise ein buntes Chamäleon, das nur noch in den Regenwaldresten der madagassischen Ostküste vorkommt und Calumma tarzan getauft wurde.
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Rhombophryne matavy kommt nur zur Fortpflanzung aus seinem Erdversteck. Foto: jörn köhler

Unter den von Köhler beschriebenen Fröschen ist ein dicker, kurzbeiniger Frosch namens Rhombophryne matavy (das madegassische Wort „matavy“ bedeutet „fett“) bemerkenswert, welcher die meiste Zeit seines Lebens eingegraben im Boden verbringt und nur bei starkem Regen zur Fortpflanzung an die Oberfläche kommt. Für Nicht-Zoologen könnten auch die Baumfrösche der Gattung Boophis besonders attraktiv erscheinen.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (das derzeit wegen Umbaus für das Publikum unzugänglich ist) unterstützt mit seinen Studien die Erfassung und Erforschung der Artenvielfalt und möchte zum Schutz der einzigartigen Lebensräume der tropischen Insel beitragen.




 
 


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