Die kräftige Farbe im Glas. Das Feeling im Mund. Der Abgang im Gaumen – all das wird an gutem Rotwein geschätzt. Zu den geschmacksprägenden Phenolen gehört auch eine Substanz, der neuerdings wundersame Wirkungen zugeschrieben werden und die inzwischen sogar in Kapselform vermarktet wird: Resveratrol. Die Besonderheit des pflanzlichen Gerbstoffs: Sie scheint ein gesundheitsfördernder Tausendsassa zu sein. „Resveratrol ist ’was Besonderes, schon fast Einmaliges“, urteilt etwa Huige Li, Professor für Pharmakologie an der Universität Mainz. Der Gerbstoff zählt zu den Phytoallexinen. Das sind Abwehrstoffe, die Pflanzen produzieren, wenn sie von Mikroorganismen befallen werden – natürliche Antibiotika gewissermaßen. Den höchsten Resveratrol-Gehalt hat man bisher in einem Knöterich gefunden, einiges davon steckt aber auch in den Schalen roter Weintrauben.
Anfangs galt Resveratrol lediglich als „Antioxidans“ – eine Art Zellpolizei, die aggressive Sauerstoffverbindungen unschädlich macht. „Jetzt aber weiß man, dass das Molekül viel, viel mehr tut“, sagt Li. Über Resveratrol wird derzeit intensiv geforscht. In Tierversuchen zeigte sich, dass es den Blutdruck senkt und das Verklumpen von Blutplättchen verhindert, was Herzinfarkten vorbeugt. In der Petrischale vermochte das Biomolekül Krebszellen abzutöten. Mehr noch: Laut Li „hat Resveratrol auch eine Wirkung gegenüber Diabetes“. Ja, es scheint sogar das Leben zu verlängern. Bei Experimenten mit Fadenwürmern, Fruchtfliegen und Hefepilzen war das jedenfalls so.
Diese Ergebnisse könne man aber nicht so ohne weiteres auf den Menschen übertragen, warnt der Pharmakologe. Zumal in den Versuchen „ziemlich hohe Dosen“ des Naturwirkstoffs verwendet worden seien. Es gebe zwar inzwischen eine ganze Reihe klinischer Studien, bei denen Probanden größere Mengen Resveratrol erhalten. Abgeschlossen sei aber noch keine von ihnen. Erst recht wisse man noch nichts über die Langzeitwirkungen einer solchen Supplementierung. Lis Empfehlung daher: „Am besten, wir bleiben geduldig und warten, was aus den Studien herauskommt.“
Bleibt die Frage, ob das wenige Resveratrol im Rotwein überhaupt einen Effekt hat. Der Pharmakologe Li kann sich das gut vorstellen: Von dem Molekül wisse man inzwischen, dass schon geringe Mengen zur verstärkten Abgabe von Stickstoffmonoxid ins Blut führen und so gefäßerweiternd wirken. Rotwein, moderat genossen, sollte demnach gesund fürs Herz sein. „Zwei Gläser könnten schon ausreichende Wirkung haben“, glaubt Li. Von stärkerem Konsum rät er ab: „Zu viel Alkohol schadet der Leber!“
Gesunder Stoff im Rotwein?
Wissenschaft: An der Universität Mainz wird eifrig an den Wirkungen des Gerbstoffs Resveratrol geforscht
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