Bezugshinweis
Thomas Metzinger: »Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst«, 11/2010 erschienen im Berliner Taschenbuchverlag. Für 11,95 Euro im Buchhandel. Die gebundene Ausgabe ist 2009 im Berlin-Verlag erschienen, für 26 Euro im Buchhandel.
Metzinger liefert viele Beobachtungen aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften, um seine These zu untermauern. So zeigt er das Phänomen auf, dass manche Menschen, denen von Geburt an ein Arm oder ein Bein fehlt, auch diese nicht vorhandenen Gliedmaßen empfinden. Mit moderner Technik sei es sogar möglich, das elementare Ichgefühl in ein computergeneriertes dreidimensionales Bild des eigenen Körpers im Cyberspace hineinzuversetzen und »out-of-body experiences« (vom Körper losgelöste, fachlich: extrakorporale Erfahrungen) zu erleben. Wenn sich die subjektive Wirklichkeit scheinbar so einfach und schnell manipulieren lässt, wirft das verschiedenste ethische, kulturelle und technologische Fragen auf wie: Gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele und einen freien Willen? Werden auch Roboter künftig Selbstbewusstsein besitzen? In seinem Buch beschäftigt sich der Mainzer Philosoph insbesondere mit den ethischen Folgen des Bewusstseinsproblems, die sich aus der Erkenntnis ergeben, dass die in der Literatur viel beschriebene Seele des Menschen rein wissenschaftlich - neuromedizinisch und psychologisch - erklärt werden kann. »Unser ,Selbst' existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn erzeugt, und das, was wir wahrnehmen, ist nichts als ,ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität'«, so Metzinger. »Es ist wichtig, dass wir alle zusammen über die möglichen Veränderungen und Konsequenzen dieser naturalistischen Wende im Menschenbild nachdenken.« Metzinger fordert, sich schon jetzt ganz intensiv mit den Folgen medizinischer Neuerungen und Errungenschaften im Feld der Bewusstseinsforschung zu beschäftigen und eine »Bewusstseinsethik« zu etablieren, die gute von schlechten Bewusstseinszuständen unterscheidet.
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