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Holzpellets sind als Brennstoff für Heizungen billiger als Gas oder Öl – die Umrüstung der Heizung kostet allerdings. Archivfoto: Guido Schieck
DARMSTADT.
Vor sechs Jahren hat Wolfgang Galsheimer seine alte Gas-Heizung rausgeworfen und durch eine Pelletheizung ersetzt. Diese Entscheidung hat der 60 Jahre alte Darmstädter nie bereut, sagt er. „Ich habe es einfach nicht mehr eingesehen, fossile Brennstoffe aus meinem Schornstein zu jagen“, erinnert er sich. Der Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen. Galsheimer ist keine Ausnahme: 12 600 Haushalte in Hessen heizen ihr Heim inzwischen mit Pellets. Deutschlandweit sind es sogar 140 000.
Den Erfolg der gepressten Holzspäne erklärt sich Anna Katharina Sievers, Sprecherin des Deutschen Energieholz- und Pelletverbands (DEPV) in Berlin, vor allem mit dem Preis. „In den vergangenen Jahren waren Pellets zwischen 25 und 40 Prozent günstiger als Öl und Gas.“
Außerdem bliebe der Pelletpreis in der Regel einigermaßen stabil. „Der Ölpreis ist vom Weltmarkt und von Spekulanten abhängig.“ Der Preis für Pellets hingegen richte sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage.
Hintergrund: Günstige Preise
„Zwischen Mai und Juni ist der Pelletpreis am günstigsten“, sagt Anna Katharina Sievers vom Energieholzverband. In dieser Zeit sei die Holz verarbeitende Industrie besonders aktiv, in den Sägewerken fielen besonders viele Sägespäne an. „Aber die Nachfrage der Verbraucher ist noch gering und deshalb der Preis niedrig“ Infos zu staatlichen Förderung der Pellet-Heizungen gibt es unter www.bafa.de und www.kfw.de. jab
„Und da es in der Branche immer mehr Konkurrenz gibt, bleibt der Preis in der Regel konstant.“ Etwa 600 Händler gebe es derzeit in Deutschland. „Da kann der Verbraucher sich sicher sein, dass er einen in seiner Nähe findet.“Pelletheizungen seien ideal für umweltbewusste Menschen. „Pellets werden ausschließlich aus Holzresten in Sägewerken hergestellt. Außerdem werden sie im Kessel CO
2-neutral verbrannt. Das heißt, dass beim Heizen nur so viel Schadstoffe entweichen, wie der Baum zu seinen Lebzeiten aufgenommen hat.“
Das kann auch Rashid Bouhmara von der Energieberatung der Verbraucherzentrale in Frankfurt bestätigen. „Derzeit werden noch keine Wälder gerodet, um daraus Pellets herzustellen. Aber wenn die Nachfrage steigt, wird man künftig wohl extra Bäume fällen müssen“, sagt der Berater.
Trotz aller Liebe zur Umwelt solle man sich bewusst machen, dass die Anschaffung einer Pellet-Heizung keine günstige Angelegenheit sei. „Unter 20 000 Euro läuft da nichts. Einen defekten Ölkessel durch einen neuen zu ersetzten ist nur halb so teuer.“ Nicht zu unterschätzen sei vor allem der finanzielle Aufwand, ein geeignetes Lager für die Pellets zu errichten.
„Es gibt dafür drei verschiedene Möglichkeiten“, sagt Anna Katharina Sievers vom DEPV. Entweder man baue den Kellerraum aus, in dem früher die Öltanks gestanden hätten, oder man errichte einen Silo unter der Garage beziehungsweise dem Carport. Die dritte und zugleich teuerste Variante sei ein Erdtank aus Metall oder Beton, der im Garten vergraben würde.
„Für einen durchschnittlichen Winter benötigt man etwa sechs bis acht Tonnen Pellets“, schätzt Sievers. Der Leistung eines Liters Heizöl entsprächen zwei Kilo des Holzproduktes. „Grob gesagt benötigt man doppelt so viel Lagerfläche wie bei einer Ölheizung.“ Da die meisten jedoch diesen Platz nicht hätten, müssten die Pellets zwei- bis dreimal pro Jahr angeliefert werden.
Nach Ansicht von Sievers lohne sich der Umstieg von Öl beziehungsweise Gas auf Pellets auch bei alten – unsanierten – Häusern. „Natürlich sind die Anschaffungskosten zunächst höher, aber die niedrigen Brennstoffkosten sorgen dafür, dass sich die Investition bei Einfamilienhäusern nach acht bis zehn und bei Mehrfamilienhäusern nach zwei bis fünf Jahren gerechnet haben.“
So optimistisch sieht das Rashid Bouhmara von der Energieberatung nicht. In seinen Augen lohne sich der Umstieg auf Pellets nur, wenn das betreffende Haus bereits saniert sei oder aber in den nächsten Jahren instandgesetzt werden soll. „Wichtig ist eine Dämmung der Außenwände, des Dachs und der Fenster, damit nicht unnötig viel Energie beim Heizen verloren geht.“ Aber selbst nach einer Sanierung rechne sich eine Pelletheizung in älteren Häusern erst nach 15 bis 20 Jahren.
Bei der Finanzierung helfen aber staatliche Zuschüsse. Das Kreditinstitut für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise unterstützt Haushalte, die auf Pelletheizungen umsteigen wollen, mit zinsgünstigen Darlehen ab einem Prozent.
Über das sogenannte Marktanreizprogramm steuert auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Geld bei. „Bis zu 2500 Euro sind da drin“, sagt Sievers. Mitte 2010 hatte der Bund zunächst die Förderung von Pelletheizungen auf Eis gelegt. Seit Anfang 2011 fließen die Zuschüsse nun wieder. „Dieses Hin und Her hat die Verbraucher etwas verunsichert. Aktuell stagniert der Verkauf von Pelletheizungen. Anfang des Jahres haben wir noch damit gerechnet, dass 2011 deutschlandweit 25 000 neue Anlagen dazukommen. Jetzt mussten wir diese Zahl auf 15 000 herunterkorrigieren“, sagt Sievers vom Pelletverband.
Wolfgang Galsheimer aus Darmstadt wundert es, dass nicht mehr Leute, wie er auf Pellets umsteigen. „2005 war ich in der Nachbarschaft der erste, der eine solche Heizung hatte. In den vergangenen Jahren dürften noch einige wenige dazugekommen sein.“ Er jedenfalls würde alles genauso wieder machen.
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