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09. Februar 2010  | ap/dpa

Warnung vor Internet-Abzocke

Tückische Kostenfallen, teure Online-Auktionen - In China boomt der Markt für Spionageprogramme

FRANKFURT/PEKING. 
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Viren, Trojaner und Spam machen Computer-Nutzern in aller Welt ebenso zu schaffen wie raffiniert getarnte Kostenfallen. Archivfoto: dpa

Vor dem sogenannten Safer Internet Day am heutigen Dienstag haben Verbraucherschützer vor zunehmender Abzocke im Internet gewarnt. Besonders boome das Geschäft mit scheinbar kostenlosen Online-Angeboten, sagte Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am Montag. Aber auch andere Maschen - von Täuschung bis Datendiebstahl - haben Konjunktur.

Der Trick sei bei Kostenfallen fast immer der gleiche: Der Kunde müsse für Informationen oder ein Download seine persönlichen Daten eingeben. Im Kleingedruckten auf der Seite und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht demnach aber, dass der Verbraucher sich zu einer Zahlung oder zu einem kostenpflichtigen Abonnement verpflichtet. Nach einiger Zeit bekommt der Nutzer dann eine Rechnung. Steinhöfel warnte davor, die Rechnung aus der Abzock-Falle zu bezahlen. Die Verträge seien unwirksam. Von Mahnungen, Inkasso-Schreiben, Forderungen von Rechtsanwälten oder Drohungen mit Schufa-Einträgen sollten sich Verbraucher nicht verunsichern lassen. Internetnutzer sollten Widerspruch gegen die Forderungen einlegen.

Um Internetsurfer besser vor der Abzocke zu schützen, forderte Steinhöfel Gesetzesänderungen. So solle es verpflichtend werden, vor dem Abschluss eines Vertrages noch einmal ausdrücklich auf die Kosten hinzuweisen. Dies sei zum Beispiel in Frankreich der Fall, wo es fast keine Probleme mit versteckten Gebühren gebe.

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnte derweil vor Datensammlern, die mit Adressen und Telefonnummern Geld verdienten. ,,Daten werden nicht gesammelt, um sie in Alben zu kleben oder einzurahmen. Daten werden benutzt, um Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen", sagte Geschäftsführer Günter Hörmann. Sogenannte Erlebnisauktionen nahm die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ins Visier. Dabei handele es sich um eine Art Glücksspiel mit hohem Verlustrisiko. Bei dieser Art von Auktion kostet es die Nutzer demnach meist zwischen zehn und 50 Cent, um auf einen Artikel zu bieten, etwa ein Handy oder einen Computer. Allerdings bekommt nur derjenige das Gerät, der als einziger das niedrigste Angebot abgibt. Auf diese Weise verdienten die Anbieter oft ein Vielfaches des eigentlichen Warenwertes, während das Angebot besonders für Spielsüchtige eine zu große Verlockung darstelle.

Eine weitere Gefahr insbesondere für Onlinespieler geht von Fernost aus. Hacker finden im chinesischen Internet alle möglichen Trojaner-Programme und andere Hilfen, um Computer auszuspionieren. Die Größe des chinesischen Marktes für solche Cyberwerkzeuge wird offiziell auf eine Milliarde Euro geschätzt. Hauptziel sind Online-Spiele.

Der Hacker stiehlt über solche heimlich eingeschleusten Programme die Benutzerdaten eines Spielekontos, klinkt sich ein und verkauft die mühsam erspielten, virtuellen Güter auf Online-Börsen. Andere Spieler greifen hier tief in die Tasche, um die Nase vorn zu haben. 95 Prozent der Einnahmen von Hackern durch Trojaner-Attacken sollen aus den Online-Spielen stammen, schätzen Experten. Andere Webseiten bieten unbehelligt ähnliche Dienste an und werben etwa mit der Unterweisung ,,Wie breche ich ins Netzwerk der Schule ein".

Es gibt große ,,Grauzonen", wie selbst die amtlichen Medien zugeben. Hacker-Training ist in China fast eine Industrie geworden. Die Verantwortlichen geben sich unschuldig. Das Training wird mit Fahrschulen oder Kungfu-Unterricht verglichen. Fahrlehrer brächten Studenten ja auch nur das Fahren bei. Ob sie später sicher das Auto steuerten oder jemanden durch einen Unfall töteten, könnten sie nicht sicherstellen. Oder eben Kungfu: Diese Künste könnten ja sowohl zur Selbstverteidigung als auch zum Angriff genutzt werden, heißt es.

Neben Hackern, die Online-Spieler abzocken, gibt es noch jene, die Bank- und Kreditkarten-Daten ausspionieren oder einfach ihr Können beweisen wollen. Oft bieten sie Unternehmen ihre Kunstfertigkeit an.

Die USA sind zudem überzeugt, dass Hacker auch im Dienste staatlicher Stellen und des chinesischen Militärs stehen. So hat die Kontroverse um die ausgeklügelten Angriffe auf den amerikanischen Internetkonzern Google bereits ein Schlaglicht auf die Hacker-Industrie in China geworfen. Die Experten von Google vermuten die Urheber der Attacke in China, was die Regierung in Peking aber als unbewiesen zurückweist.

Der Streit ist stark politisiert, weil Google als Konsequenz sein China-Geschäft auf den Prüfstand gestellt hat und sich in Zukunft in China nicht mehr wie bisher selbst zensieren will - selbst wenn das die Schließung seiner chinesischen Suchmaschine bedeuten sollte.

Chinas Propaganda lässt daher nichts unversucht, um zu demonstrieren, wie hart gegen Cyberverbrechen durchgegriffen wird. Dazu zählte jetzt die Nachricht von der Schließung der angeblich ,,größten Trainingswebseite für Hacker". Die Enthüllung des ,,Black Hawk Safety Net" entpuppte sich aber als aufgeblasene, alte Nachricht vom Jahreswechsel, die noch einmal aufgewärmt wurde.


 
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