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22. September 2011 Von Hans Dieter Erlenbach

Zahl der verletzten Radfahrer in Südhessen deutlich gestiegen

Lastwagenbauer entwickeln Schutzsysteme – Sensoren für eine Notbremsung

| Vergrößern | Besondere Gefahr droht Radlern durch abbiegende Lastwagen. Sensoren sollen mehr Sicherheit bringen. Foto: ADFC/Jens Lehmkühler


Radfahrer gehören neben Fußgängern zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern nimmt ständig zu, wie die Bilanz der Polizeidirektion Südhessen ausweist. In deren Zuständigkeitsbereich gab es 2010 von Januar bis Juni 412 Unfälle mit Radfahrern, im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es 441 Unfälle. Ein Plus von sieben Prozent. Im ersten Halbjahr 2011 wurden in Südhessen vier Radfahrer getötet.
Während es im Stadtverkehr Darmstadt einen Rückgang von 124 auf 112 Unfälle gab, stieg die Zahl der Unfälle mit Radfahrern im Landkreis Bergstraße um 20 Prozent von 89 auf 106 an. Eine Zunahme von 28 Prozent gab es im Landkreis Darmstadt-Dieburg (von 76 auf 97) und im Odenwaldkreis (von 18 auf 23). Im Kreis Groß-Gerau gingen die Radfahrerunfälle minimal zurück (von 105 auf 103).
Dass sich die Zahl der Unfälle im ersten Halbjahr häufte, führen die Statistiker der Polizei auf das sehr milde Frühjahr zurück. Die Radler seien 2011 deutlich früher als in den vergangenen Jahren in die Sommersaison gestartet.
Bundesweit kamen vergangenes Jahr nach Ermittlungen der Deutschen Verkehrswacht 381 Fahrradfahrer ums Leben. Insgesamt wurden 2010 mehr als 56 000 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung gezählt. In der Hälfte der Fälle war das Fehlverhalten von Radfahrern Unfallursache. 16 Prozent der Fälle waren Alleinunfälle der Radler, bei denen sie stürzten, ohne dass andere Verkehrsteilnehmer beteiligt waren.
Laut Statistik passieren die meisten Unfälle, weil Radfahrer auf dem Bürgersteig oder auf Radwegen entgegen der Fahrtrichtung fahren und dabei von Fahrzeugen erfasst werden, die aus Einfahrten kommen. Aber auch Alkoholgenuss ist oft die Unfallursache. Laut Verkehrswacht war 2010 jeder zehnte Radler, der verunglückte, erheblich alkoholisiert.
Eine der Hauptunfallursachen mit oft tödlichem Ausgang sind Abbiegeunfälle. Radfahrer werden von Auto- oder noch öfter von Lastwagenfahrern übersehen und überrollt.
Dagegen will der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) vorgehen. Er fordert für Lastwagen besondere Sicherheitseinrichtungen, die das Überrollen von Personen verhindern. Entsprechende Sensoren seitlich an den Lastwagen könnten ein Fahrzeug sofort elektronisch stoppen, wenn dort eine Berührung festgestellt wird. Nach Ansicht des ADFC ist das bereits in der Praxis erprobte System wirkungsvoll, weil die Fahrzeuge bei solchen Unfällen ohnehin nur eine geringe Geschwindigkeit haben. Das Überrollen von Personen könne dadurch verhindert werden.
Dass die derzeitigen Spiegel an den Lastwagen nicht ausreichen, weiß jeder, der einmal hinter dem Steuer eines so großen Fahrzeugs saß. Der Fahrer, so sagte auch der ADFC, könne sich nicht gleichzeitig auf ein halbes Dutzend Spiegel, auf die Straße und auf die Bedienung des Fahrzeugs konzentrieren. Da das Abbiegen in meist enge Straßen die volle Konzentration des Fahrers für die Straße erfordert, bemerkt er oft gar nicht, wenn er mit den Hinterrädern oder dem Anhänger einen Radfahrer überfährt.
Doch wie kommt es zu solchen Unfällen? Wenn sich Radfahrer auf einem Radweg und mit entsprechendem Abstand zu der Fahrbahn bewegen, sind sie im Rückspiegel leichter zu erkennen als wenn sie direkt auf der Fahrbahn und unmittelbar neben den Autos fahren, weil sie sich dann tatsächlich in einem toten Winkel befinden.
Hinzu kommt die Unart, an Ampel wartende Autoschlangen rechts zu überholen und bis nach vorne zu fahren. Ein Pkw-Fahrer kann den Radler dann zwar noch sehen, der hoch oben sitzende Lastwagenfahrer aber nicht mehr. Deshalb empfiehlt der ADFC Radfahrern dringend, sich nicht an Lastwagen rechts vorbeizudrängen, vor allem dann nicht, wenn diese durch ihren Blinker signalisieren, dass sie rechts abbiegen wollen.
Ingo Hodea, Sprecher des Bundesverbandes Spedition und Logistik, befürwortet grundsätzlich die Ausstattung aller neuen Lastwagen mit solch einem Sicherheitssystem Der Mehrpreis sei im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Lastwagens sicher kein Grund, auf zusätzliche Sicherungen zu verzichten. Auch Alwin Berti, Pressesprecher von MAN-Nutzfahrzeuge in München, hält viel von dem neuen System.
MAN arbeite seit zehn Jahren an einem verbesserten Radfahrer- und Fußgängerschutz. Wurde zunächst mit Laserscannern experimentiert, werde inzwischen mit kleinen Sensoren gearbeitet, wie sie auch beim PKW schon seit Jahren als Einparkhilfe verwendet würden.
Die Einführung dieser Sicherheitssensoren stehe kurz bevor, der Preis sei noch nicht kalkuliert, falle aber, wie auch der ADFC sagt, bei den Gesamtkosten für einen Lastwagen kaum ins Gewicht.

Mehr zum Thema gibt es auf einer Sonderseite im ECHO am Freitag (23.09.2011).

 
 


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