Nein, das ist kein Audi. Auch wenn die Ingolstädter die Spitzenposition bei schönen Kombis für sich reklamieren. Ähnlich attraktiv ist der 508 SW jedoch allemal, mit stimmigen Proportionen, klaren und ausdrucksstarken Linien. Schon beim „Vorgänger“ lag der Anteil der SW genannten Kombis bei 60 Prozent – und dürfte nun eher steigen. Zumal es sicher manchem gefallen dürfte, dass der arg aggressiv wirkende Grill, gern als Haifischmaul bezeichnet, einem dezenten Kussmund mit viel Charme gewichen ist. Die reanimierte Lust auf einen eleganten Auftritt zeigt sich dem Betrachter aus jeder Perspektive. Besonders gelungen ist die Heckpartie. Und so kommt der Wagen wie aus einem Guss daher. Zehn Zentimeter mehr Länge, neun Zentimeter mehr Radstand, fünf Zentimeter mehr Beinfreiheit und doch 45 Kilo leichter: Das passt. Eine Motorhaube aus Aluminium und eine leichtere Vorderachse haben beim Abspecken geholfen.
Geborgen und gut umsorgt fühlt man sich im Innenraum. Die Rundinstrumente informieren den Fahrer bestens, das Volant liegt gut in der Hand, die Bedienung ist trotz der Vielzahl an Knöpfen einfach. Dass man in französischen Autos gut sitzt, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit. Vorne bequemer als hinten. Denn in Reihe zwei ist die Sitzhöhe etwas zu gering. Über den Köpfen unter dem riesigen Glasdach ist zwar noch Luft – aber von draußen kann diese selbst im schönsten Frühling nicht hereingelassen werden: Das Dach ist nicht zu öffnen, was viele schade finden dürften; nur mit einer Jalousie zu verdecken ist das Glas. Wenn es an etwas mangelt, dann an Ablagen für dies und das, für Handy oder Schlüssel. Offenbar haben die Entwickler auch ignoriert, dass große Wasserflaschen aus Frankreich kommen. Zum anderen fällt rasch ins Auge, dass der Wagen ausgesprochen unübersichtlich ist. Hin und wieder hat man schon mal Angst um das Blechkleid im engen Cityparkhaus.
Das Ladeabteil mit seiner niedrigen und damit rückenfreundlichen Ladekante stellte uns voll zufrieden. Nach Öffnen der Heckklappe, was auch über die Fernbedienung möglich ist, schwingt diese sanft hoch genug auf, dass es keine Kopfnüsse gibt. Das akkurat mit wertigem Teppich ausgekleidete und mit Haken und Spannnetz versehene Cargoabteil fasst dabei im Normalzustand absolut familientaugliche 560 Liter. Oder im Ex-tremfall bei 1,90 Meter Länge und 1,11 Meter Breite 1598 Liter. Dazu kann man die asymetrisch geteilten Lehnen der Rückbank vom Gepäckabteil aus entriegeln. Sie klappen dann eilfertig nach vorne und geben eine leicht ansteigende Fläche frei.
Peugeot 508 SW 2.0 HDi 140 FAP
Verbrauch: 6,4 Liter
Co2-Emission: 130 g/km (bei Werksangabe 5,0 Liter Diesel)
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung, 1997 ccm Hubraum, 140 PS (103 kW) bei 4000/min., max. Drehmoment 320 Nm/2000, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, Euro 5
Fahrleistungen: 0 auf 100 km/h in 10,1 Sekunden, Spitze 210 km/h
Verbrauch: 6,4 Liter Diesel, 72-Liter-Tank
Maße und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 4,81/2,07/1,48 Meter, Radstand 2,82 Meter, Leergewicht 1681 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2140 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst 750/1790 kg, Gepäckraumvolumen 560-1581 Liter
Preis: 32 750 Euro
Eine Seltenheit heutzutage: Unter dem Laderaumboden wartet ein vollwertiges Ersatzrad darauf, nicht gebraucht zu werden. Wenn es dennoch einen Minuspunkt gibt, dann ist es die etwas spärliche Zuladung von weniger als 500 Kilo.
Die Diesel-Kompetenz von Peugeot zeigt sich bei dem von uns gewählten Zweiliter-Selbstzünder, einer von Vieren im Programm. Mit 140 PS und einem maximalen Drehmoment von 320 Nm liegt er genau in der Mitte des Marktes bei gängigen Leistungsdaten. Die Laufkultur aber scheint etwas besser als bei manch anderem. Und munter ist er allemal. Zehn Sekunden für den Standardsprint und 210 km/h Spitze sind für ein solches Familienauto bestens. Wichtiger noch dürften die Verbrauchswerte sein. Wir lagen zwar deutlich über der Werksangabe (fünf Liter), waren aber mit 6,4 Litern durchaus zufrieden. Da braucht mancher Kleinwagen mehr.
Das manuelle Sechsgang-Getriebe bietet gute Anschlüsse – lässt es aber kaum zu, die beiden höchsten Übersetzungen relativ früh einzusetzen. Weil es wegen dieser nur für die Autobahn optimalen langen Gänge unangenehme Geräusche gibt, schaltet man lieber zurück. Und verbraucht dadurch sicher etwas mehr, als nötig wäre. Insgesamt ist das Innenraumgeräusch niedrig. Die Lenkung arbeitet mit ordentlicher Rückmeldung von der Straße, zerrt bei diesem Fronttriebler aber nicht unangenehm am Lenkrad. Und die Bremsen verzögern gut dosierbar sowie zuverlässig.


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