Bereits bei Medikamenten könne nicht einmal der Notarzt den Überblick behalten, berichtet Dieter Stockinger, Ausbilder beim Darmstädter Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die Grundregel bei Vergiftungen lautet: Alles aufbewahren, was auf die Giftquelle hindeuten kann – die Packung des Pflanzenschutzmittels, den Beipackzettel der Arznei oder die Ragout-Reste.
Je nach Art, Menge, Einwirkungsdauer und der persönlichen Verfassung schädigen Gifte Organe, können lebensgefährlich sein. Wenngleich das Rote Kreuz in seiner aktuellen Broschüre von einer „ständig steigenden Tendenz bei Vergiftungsnotfällen“ spricht, warnt ASB-Rettungsassistent Uwe Maul vor Panik: „Bei uns gibt es solche Notfälle sehr selten.“ Den größten Teil machten Selbstmord-Versuche aus. Auch in der Pilzzeit stellen die ASB-Männer keine Häufung der Vergiftungsnotfälle fest – wohl dank der Prävention und „der natürlichen Vorsicht des Menschen“. Auf die ist aber nicht immer Verlass. In Europa werden rund 90 giftige Pilze gezählt, davon sind lediglich ein knappes Dutzend lebensgefährlich.
Dazu kommen rund 50 Arten, die roh, nicht genügend erhitzt oder in Verbindung mit Alkohol die Gesundheit schädigen. Auch Arten, die früher als unbedenklich galten, werden heute als giftig eingestuft: zum Beispiel der Kahle Krempling. Wer beim Pilze-Sammeln vorsichtig ist, muss dennoch kein erhöhtes Vergiftungs-Risiko haben. Anders ist es bei Kleinkindern: Ihre ungebremste Neugier macht sie besonders anfällig. „Eine verspeiste Zigarette ist für den Säugling tödlich“, warnt Dieter Stockinger.
So unterschiedlich die Gifte, so ähnlich die Maßnahmen der Helfer. An erster Stelle steht die Kontrolle der Lebenszeichen Bewusstsein, Atmung, Puls (wir berichteten darüber). Dabei auf Selbstschutz achten, warnen ASB-Ausbilder. Manche Schädlingsbekämpfungsmittel, etwa die Insektizide Parathion (E605) oder DDT, sind Kontaktgifte. Der Helfer muss direkten Kontakt vermeiden, Handschuhe anziehen – um sich durch Berührung nicht selbst zu vergiften. Bei Giftkontakt mit der Haut gilt: Die betroffenen Stellen schnell mit viel Wasser abwaschen.
Ein Notruf (Telefon: 112) ist in in solch einem Fall ein Muss. Viel gewonnen ist, wenn bereits klar ist, um welches Gift es sich handelt. Dann können die Rettungshelfer eventuell ein Gegenmittel verabreichen: „Gegen die häufigsten Gifte haben wir was an Bord“, betont Stockinger. Doch oft müsse sich auch der Notarzt erst über die Notgiftzentrale in Mainz (Telefon: 06131/19240) informieren.
Hilfreich dabei: die so genannte UBA-Nummer, mit der Chemikalien-Flaschen (meist) gekennzeichnet sind. Althergebrachte Weisheiten gelten inzwischen als überholt. „Auf keinen Fall Milch geben“, warnt Dieter Stockinger. „Und kein Erbrechen auslösen.“
Grund: Bei Wasch- oder Spülmitteln, Pflegeprodukten, Säuren oder Laugen kann die Verätzung der Speiseröhre mehr Schaden zufügen als das Gift im Kreislauf. Beim Hochwürgen des ätzenden Mageninhalts wären die Schleimhäute erneut gereizt. Ist das Bewusstsein getrübt, droht beim Erbrechen zuder Patient zu ersticken. Die Magenspülung muss deshalb der Besatzung des Rettungswagens überlassen werden.
ASB-Ausbilder Stockinger empfiehlt, dem Verletzten Wasser zu geben, um das Gift zu verdünnen. Das Giftinfo der Uni Mainz (im Internet: www.giftinfo.uni-mainz.de) rät Eltern, den Entschäumer „Sab Simplex“ (rezeptfrei in der Apotheke) stets daheim zu haben. Hat ein Kind nämlich einen Schluck aus der Spülmittel-Flasche genommen, kann das Mittel im Magen aufschäumen. Atemnot durch das Verkleben der Lungenbläschen droht. Auch Kohletabletten gehören in die Haus-Apotheke: Sie binden Giftsubstanzen.
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