Die Passanten hätten in dieser Notsituation mehr tun können, meinen Mitarbeiter der Rettungsdienste. „Trauen Sie sich,“ sagt Günther Weber, Ausbildungsleiter beim DRK Darmstadt-Dieburg. Denn oft entscheidet die Erste Hilfe durch medizinische Laien zwischen Leben und Tod.
Weber empfiehlt die Eselsbrücke „BAP“. Gemeint ist die Kontrolle der Lebenszeichen: Bewusstsein, Atmung, Puls. Sie setzten erst nacheinander aus: Ein Mensch bei Bewusstsein amet, sein Herz schlägt. Ist andererseits kein Puls vorhanden, so ist der Betroffene zwangsläufig bereits bewusstlos und atmet nicht – es handelt sich um Kreislaufstillstand. Ursachen können ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, Blutungen, Elektrounfälle oder Vergiftungen sein. Dann ist Herz-Lungen-Wiederbelebung angesagt – und zwar schnell.
Der Bewusstlose ist nicht ansprechbar, die Muskulatur erschlafft. Ist der Atem noch zu hören, der Puls zu tasten, muss der Erkrankte in die stabile Seitenlage gebracht werden. „Bewusstlosigkeit bedeutet Erstickungsgefahr,“ erläutert Weber. „Also Arm gestreckt unter den Körper schieben, ein Bein strecken, den anderen Fuß ans Gesäß ziehen.
Den Bewusstlosen an der gegenüberliegenden Schulter und Hüfte vorsichtig zu sich ziehen.“ Der Arm soll dabei unter dem Körper etwas nach hinten gezogen werden. Der Kopf muss bei geöffnetem Mund nackenwärts gebeugt sein, damit Erbrochenes oder Blut abfließen können.
Beim Atemstillstand braucht der Kollabierte ohne Verzögerung Luft. Er wird am Kinn und an der Stirn gefasst, der Hals etwas überstreckt. Dann setzt man ihm den Mund auf die Nase und bläst die ausgeatmete Luft in die Atemwege, erläutert Weber. Man lässt den Bewusstlosen ausatmen, holt Luft und wiederholt die Beatmung alle vier Sekunden.
Bei Kreislaufstillstand – keine Atmung, kein Puls an der Halsschlagader zu tasten – ist Herz-Lungen-Wiederbelebung nötig. Das heißt: zusätzlich zur Atemspende eine Herzdruckmassage. „Dem Betroffenen dafür unbedingt das Hemd ausziehen,“ empfiehlt Weber. Den Druckpunkt finden (zwei Fingerbreit vom Brustbeinende). Den Handballen darauf platzieren, mit ausgestreckten Armen etwa vier Zentimeter tief rund 80-mal pro Minute drücken. „Der richtige Punkt ist wichtig, sonst können Rippen gebrochen, der Magen verletzt werden,“ warnt Weber. Ist der Helfer allein, soll er Atemspende mit Herzmassage abwechseln. Zu zweit teilt man sich die Aufgaben auf.
Ein Anruf beim Rettungsdienst (112) ist, wie in allen Notsituationen, ein Muss. Am besten gibt der Helfer den Anruf in Auftrag – und bleibt selbst beim Erkrankten. Rechtzeitige Herz-Lungen-Wiederbelebung könnte nach Expertenmeinung etwa vier Prozent der Infarkt-Opfer retten – also zum Beispiel zwölf der dreihundert, die im jährlichen Schnitt im Kreis Dieburg zu beklagen sind.
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