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18. September 2007 Lisa Sandratski

Sauerstoffmangel bei rasendem Puls

Schock durch Schreck oder Blutverlust

Was hat ein Autounfall mit einem Boygroup-Konzert gemeinsam? Bei beiden können Beteiligte gesundheitlichen Schaden nehmen – auch wenn sie bloß Zuschauer sind. „Oft wird übersehen, wenn diese Menschen Hilfe brauchen“, sagt Tim Wittwer, Ausbildungsleiter beim Darmstädter Roten Kreuz. Seelische Erschütterungen können den Körper durcheinander bringen: Es kommt zum Schock.

Der Zustand ist genau definiert: Als Missverhältnis zwischen der erforderlichen und der tatsächlichen Sauerstoffversorgung. Dann senkt sich der Blutdruck, die Zellen bleiben unterversorgt, der Stoffwechsel gestört. Unbehandelt kann der Sauerstoffmangel zum Tod führen. Organe wie Nieren oder Lunge, die darauf empfindlich reagieren, können auf Dauer geschädigt werden.

Die Ursachen für den Schock sind vielfältig. Psychisches wie Schreck oder Angst kann zum Beispiel die Steuerung der Gefäßweiten durcheinander bringen. Die Adern weiten sich: Das Blut „versackt in die Beine, fehlt anderswo“. Gerade beim psychisch bedingten Schock bleiben die Menschen „oft unbeachtet, weil sie auf den ersten Blick keinen körperlichen Schaden haben“, berichtet Wittwer.

Doch auch starke Blutungen, bei denen die Blutmenge abnimmt, können einen Schock auslösen. „Innere Blutungen sind nicht einfach zu erkennen“, mahnt Wittwer. Es muss kein Autounfall sein: „Der berüchtigte Pferdetritt auf dem Reiterhof reicht.“ Auch Flüssigkeitsverlust bei Verbrennungen oder eine Verminderung der Herzleistung durch Herzinfarkt können zum Schock führen.

„Anaphylaktisch“ wird der Kreislauf-Zusammenbruch genannt, wenn er durch allergische Reaktionen bedingt ist. Auch gibt es viele, individuell verschiedene Ursachen – vom Insektenstich bis zur Medikamentenunverträglichkeit. „Der Betroffene wird blass“, beschreibt Tim Wittwer.

Der Puls wird schwächer und schneller (meist über hundert mal pro Minute). Die Haut fühlt sich kalt an. Der Verletzte friert, manchmal hat er Schweiß auf der Stirn. Erst ist der Kranke unruhig und hat Angst. Dies geht meist in die Teilnahmslosigkeit bis zur Bewusstlosigkeit über.

„Sprechen Sie, beruhigen Sie ihn“, empfiehlt Tim Wittwer. Wichtig: Den Betroffenen gut zudecken, um weiteren Wärmeverlust zu vermeiden. Von einer Wärmflasche rät das Rote Kreuz allerdings dringend ab.

Der Betroffene muss in die sogenannte Schocklage gebettet werden: Oberkörper flach, die Beine schräg hochgelagert. Den Rettungswagen rufen (112) und beim Verletzten immer wieder Bewusstsein, Atmung, Puls kontrollieren. Zugleich die Ursachen beseitigen: Eine eventuelle Blutung stillen. Brandwunden mit kaltem Wasser kühlen.

Tim Wittwer paukt es in seinen Erste-Hilfe-Kursen ein: Die Schocklage ist nur erlaubt, wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist. Ein Bewusstloser wird, sofern er selbstständig atmet, in die stabile Seitenlage gebracht.

Auch bei Knochenbrüchen an Bein, Becken und Wirbelsäule, Schädelverletzungen und Bauchschmerzen ist Vorsicht angebracht. Dann wird höchstens ein vorsichtiges Hochlagern der Beine empfohlen.

Leidet der Verletzte unter Atemnot oder hat er eine Herzschwächung durch Infarkt, muss er dagegen mit erhöhtem Oberkörper liegen. Auf diese Weise wird das Herz entlastet.

 
 


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