„In unseren Kursen weisen wir ständig auf diese Gefahr hin“, sagt Tim Wittwer, Ausbildungsleiter beim Darmstädter Roten Kreuz. Vor allem Eltern sollten wissen: Ein Schluck aus der Dose, ein Biss in den Pflaumenkuchen kann gefährlich sein. Wenn die Lebensmittel im Sommer im Freien stehen, riskiert der Esser, mehr als Eis, Kuchen oder Cola zu sich zu nehmen. Sondern auch eine Wespe, eine Biene oder eine Hornisse – Insektenstiche haben Konjunktur.
Reagiert der Gestochene nicht gerade allergisch, sind die kleinen Dosen Insektengift zumeist harmlos. Gefährlich wird es, wenn das Insekt den Mundraum oder gar den Rachen zum Einstich ausgesucht hat. Da können Schleimhäute oder die Zunge rasch anschwellen und die Atemwege verlegen: Erstickungsgefahr. „Es ist ja nicht schwer, den Doseninhalt in ein Glas zu kippen, einen Strohhalm zu nehmen und darauf zu achten, was man in den Mund nimmt“, kritisiert Wittwer den häufigen Leichtsinn.
Zwar seien, räumt er ein, lebensgefährliche Situationen ausgesprochen selten. Doch man soll es nicht darauf ankommen lassen. Ist es passiert, bringen ein paar Handgriffe Erleichterung und beugen Komplikationen vor. Die Faustregel: Kälte lässt abschwellen. „Von außen und innen kühlen“, empfiehlt Wittwer. Kalte Umschläge um den Hals legen, Eiswürfel lutschen lassen. „Eis gibt es in jedem Kiosk, einfach fragen.“
Gibt es keine Erleichterung, sollte ein Notruf nicht gescheut werden. „Lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig“, mahnt Tim Wittwer. Kommt es wirklich ernst, muss der Notarzt intubieren: Einen Schlauch in die Luftröhre einführen, um die Luft in die Lungen zu lassen. Das funktioniert am besten, wenn die Schwellung nicht zu sehr fortgeschritten ist. Kommt es zum Atemstillstand, bevor der Rettungswagen da ist, rät das Deutsche Rote Kreuz (DRK) dringend zu einer Atemspende.
Alarmglocken müssen auch dann läuten, wenn das Stich-Opfer auffällig erblasst, sein Puls rast und die Haut sich kalt anfühlt. „Dann handelt es sich um einen anaphylaktischen Schock“, sagt Tim Wittwer. Der Mensch hat das Gift nicht vertragen – Allergie. Der Betroffene muss warm eingepackt werden. „Den Notarzt rufen“, rät Wittwer.
Allergische Reaktionen seien auch die häufigsten Komplikationen, die bei Bissen heimischer Schlangen drohen. In Europa sind die Kreuzotter, die Aspisviper und die Sandviper für den Menschen gefährlich. Unübersichtlicher ist es bei giftigen Exoten: „Da kann man nur hoffen, dass es ein Antiserum dagegen gibt.“
Auf keinen Fall zu früher üblichen Methoden wie Ausbrennen, Ausschneiden, Aussaugen der Wunde greifen, warnt Dagmar Eckart von der Mainzer Giftnotruf-Zentrale. „Auch das Abbinden der betroffenen Gliedmaßen ist nicht mehr empfehlenswert.“ Nur bei wenigen Schlangen wie Kobras rät die Giftexpertin zu einem Kompressionsverband. Auf jeden Fall aber „den Betroffenen beruhigen, die Extremität ruhig stellen, die Wunde sauber machen“. Und zum Telefon greifen: Der Giftnotruf in Mainz lautet 06131/19240.
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