Trotz gelegentlichem Schmunzeln: „Der größte Fehler ist, einfach nichts zu machen.“ Von hohem Wert ist die Betreuung des Verletzten: „Gut zureden, beruhigen.“ Ein Verband ist nötig, wenn Gefäße verletzt werden, das Blut pulsierend fließt. Verliert ein Erwachsener ein Fünftel seiner Blutmenge (etwa ein Liter), kann es zum lebensgefährlichen Schock kommen (wir berichteten). Die Blutung lässt sich mit einem Druckverband stillen: Dazu zwei sterile Verbandpäckchen benutzen, eines davon als Druckpolster oberhalb der Wunde.
Ein Schock droht auch bei Amputationsverletzungen. Der Helfer muss sich auch um das abgetrennte Körperteil kümmern, erinnert Rettungssanitäter Obry: „Dazu das Amputat in ein steriles Tuch wickeln, in einen Plastikbeutel tun, diesen in einem weiteren, mit Eis gefühlten Beutel unterbringen.“
Bei Knochenbrüchen (Frakturen) steht Behutsamkeit an erster Stelle. „Der Verletzte nimmt automatisch die Schonhaltung ein“, erläutert Daniel Obry. Daher gilt: Einen Liegenden auf keinen Fall hochzerren, ein entstelltes Bein nicht selbst richten. Sondern alles tun, um die Schmerzen des Verletzten zu lindern. „Der Schmerz entsteht, wenn die Bruchenden sich gegeneinander reiben“, weiß Obry. Ruhestellung bringe daher Erleichterung.
Ein Arm etwa lasse sich auf einer Schiene mit Hilfe eines Dreieckstuchs fixieren. Als Schiene tauge auch eine Holzplatte, eine gerollte Zeitung oder ein zusammengelegtes Warndreieck. Arm oder Bein lassen sich mit einer Mullbinde darauf fixieren. „Beim Umwickeln die Bruchstelle aussparen“, mahnt Obry. Sie ist dort, wo der Schmerz sitzt.
Aktionismus ist zu vermeiden, wenn der Bruch offen ist, im Bruchbereich also eine Wunde – womöglich mit Knochenstücken – zu sehen ist. Wegen hoher Infektionsgefahr muss die Stelle vorsichtig steril abgedeckt werden. „Fremdkörper nie selbst entfernen“, warnen die Rettungs-Profis. Bei offenen Brüchen, auch bei Verletzungen großer Röhrenknochen des Oberschenkels und des Oberarmes, bei Verdacht auf Rippen- oder Wirbelsäulenbruch muss der Rettungsdienst (112) sofort alarmiert werden.
Dieser kann den Verletzten ins Krankenhaus transportieren, ohne noch mehr Schaden anzurichten. Dies gilt auch für Oberschenkelhalsbrüche, die ältere Menschen besonders häufig erleiden – auch ohne einen Sturz. Dabei haben die Verletzten ein Bein auffällig nach außen gedreht, es wirkt zudem verkürzt „Den Kranken bloß liegen lassen“, mahnt Obry.
Kritisch sind Verletzungen am Brustkorb, etwa Rippenbrüche. Gefährlich dabei ist, dass die Lunge verletzt werden könnte. Der Laie kann bis zum Eintreffen des Rettungswagens wenig tun: Höchstens den Verletzten sitzend lagern, ihm Möglichkeit zum Anlehnen geben. Die Wunde steril bedecken, auf Atmung achten, jedoch den Brustkorb nicht umfassen. Solche Verletzungen sind häufig Folge von Verkehrsunfällen – etwa wenn das Lenkrad an den Körper gedrückt wird.
Allerdings: „Die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich“, sagen die Rettungshelfer. Daher muss auch die Hausapotheke ausgerüstet sein. Weder hier noch im Auto sollten die Einmalhandschuhe fehlen: als Schutz vor Infektionen beim Versorgen einer blutenden Wunde. Nicht minder wichtig sei ein Erste-Hilfe-Kurs, werben die Rettungshelfer: „Unbedingt regelmäßig auffrischen!“
Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den schmerzhaftesten äußeren Verletzungen. Sie können Haut und Gewebe schwer schädigen.
Der Helfer muss sofort handeln: Die Kleidung des Verletzten entfernen, an eingebrannten Stücken aber nicht zerren, sondern sie ausschneiden. Die Stellen schnellstmöglich mit kaltem Wasser, eventuell in der Badewanne kühlen – das lindert Schmerzen.
Brandwunden wegen Infektionsgefahr mit einem sterilen Tuch bedecken. Den Verletzten bis zum Eintreten des Rettungsdienstes betreuen, Atmung und Kreislauf kontrollieren. Mitarbeiter der Johanniterunfallhilfe warnen dringend davor, zu Öl, Mehl oder Puder zu greifen.
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