Die Brühe läuft. Sie rinnt uns übers Gesicht und den Rücken. Schweißflecken auf Hemd und Bluse künden von einem Kampf unseres Körpers, der uns rasch peinlich wird. Warum nehmen wir ihn nicht als günstiges Lebenszeichen? ,,Das Werk eines Meisters riecht nicht nach Schweiß, verrät keine Anstrengung und ist von Anfang an fertig", hat der amerikanische Maler James McNeill Whistler (1834 - 1903) befunden. Wollen wir Einsatz und Mühe, aber bitteschön ohne das kleinste Tröpfchen Transpiration?
Die deodorierte Gesellschaft von heute hat die Natur nicht nur von ihren Arbeitsplätzen verbannt, sondern auch aus ihren Achselhöhlen Nicht nach Schweiß zu müffeln, ist den Menschen einigen Aufwand wert - zumindest in vielen Industriestaaten und zumal dann, wenn die Füße stark zum Schwitzen neigen: Nach einer 2001 veröffentlichten Umfrage unter 3500 europäischen Männern waren Schweißfüße nach Impotenz und etwa gleichauf mit Blasenschwäche jener Makel, über den mit ihrem Arzt zu sprechen die Befragten sich am stärksten scheuten.Dennoch setzt die Werbung immer wieder auf stark schwitzende Leiber - etwa wenn sie ein Erfrischungsgetränk für ausgepowerte Jogger anpreist oder wenn sich muskelbepackte Schönlinge in schweißnassen T-Shirts bei einer Autopanne mitten in der Wüste nichts sehnlicher wünschen, als eine Cola.Offensichtlich gibt es guten und bösen Schweiß: Wenn Schamanen zu Schwitzhütten-Ritualen einladen oder wenn, nach Angaben des Deutschen Saunabundes, jede Woche acht Millionen Deutsche auch noch Geld zahlen, um bei Affenhitze aus allen Poren zu triefen, dann ist das willkommen. Wer nach dem Jogging nicht schwitzt, von dem heißt es, er hat sich nicht angestrengt. Dass der nassgeschwitzte Adonis aus der Sportdrink-Reklame hinterher nach Schweiß riecht, wird indes gerne verdrängt. Nicht umsonst ließen sich die Bundesbürger den Kampf gegen üble Achselgerüche im Jahr 2009 nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW) rund 689 Millionen Euro kosten.Selbst mit Hightech wird dem Schwitzen quasi der Hahn zugedreht: In der Hamburger Klinik Pöseldorf zum Beispiel entfernt Klinikdirektor Holger Fuchs, ein Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, übermäßig aktive Schweißdrüsen zum Beispiel in den Achselhöhlen mit einem Laserlipolyse-Gerät, das ansonsten im Kampf gegen Fettzellen eingesetzt wird. ,,Die Schweißdrüsen schmelzen unter der Energie des Lasers einfach dahin", heißt es in einer Klinik-Information. Eingesetzt werde die Methode bei Menschen mit überdurchschnittlich ausgeprägter Achselnässe - für die Betroffenen ein ,,ernstes Problem, das nicht nur die Psyche angreift, sondern auch den beruflichen und privaten Alltag bestimmt".
Eine Gesellschaft, deren Mitglieder selbst in brenzligen Situationen cool bleiben möchten, muss das ungewollte Schwitzen verfemen - und begeht dabei Fehler. ,,Dicke schwitzen wie die Schweine", sang Marius Müller-Westernhagen einst, für ihn ein guter Grund, froh über seine Schlankheit zu sein. Doch der Barde irrte gleich doppelt.
Denn erstens können Schweine mangels Schweißdrüsen gar nicht schwitzen. Und mehr als Dünne schwitzen Dicke ,,nicht unbedingt", sagt der Hautarzt Professor Gerhard Kolde vom Dermatologischen Zentrum Berlin. Es kommt sehr auf die körperliche Fitness an - ansonsten kursieren viele widersprüchliche Informationen zu dieser Frage.Grundsätzlich aber gilt laut Kolde: ,,Für einen Dicken ist schon wenig Bewegung vergleichsweise anstrengend und deshalb mit Schwitzen verbunden." Und zweitens: Sportmuffel schwitzen - nur scheinbar paradoxerweise - später als sportliche Menschen. Leistungssportler schwitzen in der Regel sogar deutlich früher als Untrainierte und müssen dies auch, wobei ihr Schweiß pro Milliliter weniger Elektrolyte als bei Untrainierten enthält. Er ist mithin ,,weniger konzentriert", wie Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln hinzufügt. So hält der Vorrat an den wichtigen Körpersalzen länger an, obwohl die Brühe läuft. Untrainierte haben also schneller ,,kein Salz mehr".Man schwitzt demnach nicht nur umso mehr, je mehr man sich körperlich fordert, sondern auch umso eher, je trainierter man ist. Denn die Schweißdrüsen des Körpers haben quasi gelernt, rascher und ergiebiger auf überschüssige Körperwärme zu reagieren. Ab etwa 29 Grad Lufttemperatur muss jeder Körper transpirieren, selbst ein ruhender. Eine dicke Fettschicht über den gut durchbluteten, bei Anstrengung erhitzten Muskeln erschwert die Abgabe der vermehrten Körperwärme an die Umgebung, so dass sich bei dicken Mensch


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