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In Fingern und Zehen fängt es an

Entzündung durch Antikörper-Tests nachweisbar

Urplötzlich sind die Beschwerden da: Am Morgen schmerzen Finger oder Zehen, die Gelenke sind heiß und geschwollen, Bewegungen fallen schwer. In den meisten Fällen tritt der Schmerz symmetrisch auf: „Es schmerzt an beiden Händen oder Füßen an den gleichen Stellen“, beschreibt die Rheumatologin Erica Gromnica-Ihle, die als Professorin in Berlin lehrt, die typischen Anzeichen der rheumatoiden Arthritis.
Hinter morgendlichen Gelenkschmerzen kann eine rheumatoide Entzündung stecken. Foto: Kai Remmers
Urplötzlich sind die Beschwerden da: Am Morgen schmerzen Finger oder Zehen, die Gelenke sind heiß und geschwollen, Bewegungen fallen schwer. Müdigkeit und Abgeschlagenheit kommen häufig noch hinzu.

In den meisten Fällen tritt der Schmerz symmetrisch auf: „Es schmerzt an beiden Händen oder Füßen an den gleichen Stellen“, beschreibt die Rheumatologin Erica Gromnica-Ihle, die als Professorin in Berlin lehrt, die typischen Anzeichen der rheumatoiden Arthritis.

Die früher Polyarthritis genannte Krankheit ist chronisch und unheilbar, lässt sich aber bei frühzeitiger Behandlung gut eindämmen. „Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste und schlimmste entzündliche Erkrankung der Gelenke“, erläutert der Rheumatologe Gerd-Rüdiger Burmester, der als Professor an der Charité Universitätsmedizin Berlin arbeitet.

Rund ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, davon 70 bis 80 Prozent Frauen. Viele Patienten seien zwar bei Ausbruch der Krankheit 50 Jahre alt, treffen kann es aber jeden: „Ob Kind, Jugendlicher oder Rentner, die Erkrankung ist keine Frage des Alters.“

Unbehandelt hat sie schwerwiegende Folgen: „Die Gelenksentzündungen wandern weiter, befallen zum Beispiel Ellenbogen, Knie, Kiefer und auch die Halswirbelsäule“, erklärt Gromnica-Ihle, die auch Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga ist.

Auch die inneren Organe können schließlich in Mitleidenschaft gezogen werden: Es bilden sich Rheumaknoten in der Lunge oder im Herzen. Auf lange Sicht werden die Gelenke zerstört.

Früher konnten sich die Patienten irgendwann nicht mehr bewegen und wurden zum Pflegefall. „Das können wir heute in der Regel komplett verhindern“, beruhigt Burmester. Dabei gilt: Je früher Betroffene zum Arzt gehen und je früher dabei die richtige Diagnose gestellt wird, desto besser ist die Chance, die Krankheit zu stoppen.

„Bestehen die beschriebenen Symptome länger als sechs Wochen, lassen Sie sich am besten gleich zum Rheumatologen überweisen.“ Die Diagnose ist allerdings nicht leicht: „Es gibt zahlreiche andere Erkrankungen, die der Polyarthritis in der Symptomatik ähneln“, sagt Ulf Müller-Ladner von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Berlin.

Meist hilft ein Bluttest: Er zeigt Rheumafaktoren. Neue Tests auf spezielle Antikörper bringen noch genauere Ergebnisse.

Der frühzeitige Einsatz von Medikamenten kann den Patienten fast symptomfrei machen und den Verlauf der Krankheit stoppen. „Wir haben auch schon einige Patienten gehabt, bei denen wir aufgrund der frühen Behandlung die Medikamente wieder absetzen konnten“, sagt Burmester.

Allerdings gebe es diesbezüglich noch keine Langzeitstudien. „Die Erkrankung ist chronisch und nach derzeitigem Wissenstand nicht heilbar, sie kann also jederzeit wieder ausbrechen.“

Als Basistherapeutikum wird überwiegend Methotrexat (MTX) eingesetzt. „Das Antirheumatikum wirkt entzündungshemmend und reguliert das Immunsystem“, erklärt Burmester.

Denn Ursache der Gelenkentzündungen sind fehlgesteuerte Zellen, die sich an den Gelenken ansiedeln und dort entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren. „Warum wissen wir nicht“, sagt Müller-Ladner. Genetische Ursachen spielten aber oft eine Rolle.

Jedenfalls greift die Krankheit aggressiv die Gelenke an: „Dieser Prozess ähnelt der zerstörerischen Kraft von Krebszellen.“ Da MTX ungefähr sechs Wochen braucht, um im Körper die volle Wirkung zu entfalten, wird die Anfangstherapie häufig mit Kortison ergänzt: „Wir setzen Kortison als Brückenmedizin ein, um dem Patienten die Schmerzen zu nehmen.“

Alternativ kann die rheumatoide Arthritis auch mit Biologika, natürlichen Antikörpern, behandelt werden. „Sie bekämpfen die Botenstoffe, die das Rheuma im Körper weitertragen“, erklärt Gromnica-Ihle. Allerdings sei die Behandlung sehr teuer und häufig von Nebenwirkungen begleitet.

Neben der medikamentösen Therapie, die in der Regel ambulant erfolgt, sind Bewegung und physikalische Therapien wichtig. „Um die Versteifung der Gelenke zu vermeiden, rät Müller-Ladner zu Krankengymnastik. Schwellungen lassen sich mit Kühlung und leichten Massagen reduzieren.

„Wer bereits Gelenkschäden hat, sollte eine Ergotherapie nutzen, um entlastende Strategien für den Alltag zu erlernen“, empfiehlt Gromnica-Ihle.

Volkskrankheit:

Mindestens 50 Prozent der Erwachsenen leiden an rheumatischen Beschwerden, vier Prozent sind wegen dieser Erkrankungen in ständiger ärztlicher Behandlung.

Dabei steht der Begriff „Rheuma“ für mehr als 100 verschiedene Krankheiten, die alle mit Schmerzen oder eingeschränkter Bewegungsfähigkeit einhergehen – rheumatoide Arthritis ist eine davon.

 

Artikel Text Laenge: 4841

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  • 13. Oktober 2009
  • Von Bettina Levecke
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