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11. Februar 2010  | Von Stephan Görisch

Gesundheit: Krebszellen kann man aushungern

Tumorforschung: Bahnbrechende Erkenntnisse des Biologen Johannes Coy durch internationale Studien bestätigt

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Gegrilltes Bio-Steak und Salat ohne Kohlehydrat-Beilage als Anti-Krebs-Diät. Foto: Fotolia


Bei Forschungsarbeiten am menschlichen Genom stieß der Biologe Johannes Coy aus dem südhessischen Habitzheim 1995 auf das Gen TKTL-1. Coy arbeitete damals am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg an seiner Doktorarbeit. Er erkannte, dass das Gen Zellen ermöglicht, Zucker ohne Sauerstoff zur Energiegewinnung heranzuziehen.

Damit bestätigte Coy eine These von Otto Heinrich Warburg (1883-1970), der in Heidelberg und Berlin als Professor für Physiologie lehrte. Aus der Beobachtung dass bei Krebskranken der Spiegel von Laktat (Milchsäure) steigt, einem Abbauprodukt der Zucker-Verstoffwechslung (Glucolyse), hatte der Biochemiker 1930 gefolgert, dass aggressive, also Metastasen bildende Krebszellen Zucker ohne Sauerstoff (anaerob) direkt als Energiequelle für ihre Verbreitung gewinnen. Was den Kranken auszehrt.

Coys Beweis für die Warburg-Theorie stieß auf Ablehnung: Forscherkollegen taten TKTL-1 als ,,defektes Gen" ab. ,,Am DKFZ wurde die Forschung an TKTL-1 eingestellt," konstatiert der Biologe mit nur einem Anflug von Bitterkeit. Doch er blieb unbeirrt. Er wies 2005 nach, dass TKTL-1 ein funktionierendes Gen ist, entwickelte den EDIM-Test, der den TKTL-1-Spiegel im Blut ermittelt - und damit frühzeitige Aussagen über das Vorhandensein aggressiver Tumorzellen zulässt. Außerdem entwickelte er Diätvorschläge, um aggressiven Krebs aus dem ,,Turbogang" abzubremsen.

Mit der Aussage, man könne Krebs ,,aushungern" ist Coy selbst trotz positiver Rückmeldungen von Krebspatienten, die seine Vorschläge zur Ernährungsumstellung mit Erfolg umgesetzt hatten, stets sehr zurückhaltend. Hingegen betont er, dass durch die Ernährungsumstellung der Tumor wieder angreifbar durch konventionelle Therapiemaßnahmen wird. Dieses gilt aber auch für das körpereigene Immunsystem, das mit entarteten Zellen normaler weise fertig wird. Doch die Tumorzellen werden nach Umstellung auf den Turbogang übermächtig.

Warburgs Versuche schlugen fehl, diese wieder zur aufwendigeren Sauerstoffatmung zu zwingen und auszubremsen. Die promovierte Chemikerin und Physikerin Johanna Budwig (1908 - 2003) kam bei der Erklärung des Krebszell-Stoffwechsels einen Schritt weiter. Mit Hilfe der Papierchromatografie ergründete sie 1952 den Fett-Stoffwechsel, erkannte die vitale Bedeutung der ungesättigten Fettsäuren.

Coy hat zwar in seinen Diätvorschlägen ebenfalls Fett als ,,wahres Gesundheitselixier" bezeichnet, die Bedeutung lebenswichtiger Fettsäuren und die richtige Auswahl und Behandlung der Öle erläutert. Primär hat er aber den Zucker und die Kohlenhydrate als Turbo-Nahrung für aggressive Tumorzellen im Visier. Der von ihm durch das TKTL-1 erklärte Mechanismus wird auch sichtbar durch die Zunahme von Stoffwechselkrankheiten und Krebs in Ländern, die erst in jüngerer Zeit auf ,,westliche" Nahrungsmittel nach dem Vorbild der Industrienationen eingestiegen sind, und wo die Bevölkerung jetzt, wie etwa in Indien, westliches Konsumverhalten wo immer möglich nachahmt.

Dies belegt unter anderem eine Studie amerikanischer und chinesischer Ärzte an Menschen in Singapur. Wer häufig gesüßte Säfte und Limonaden trinkt, trägt danach offenbar ein erhöhtes Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken (Dezember 2009).

Eine eindeutige, dabei völlig unabhängige Bestätigung erhielt die Coy-Theorie vergangene Woche durch eine Veröffentlichung der Johns Hopkins Universität (Baltimore, Maryland). Danach wurde TKTL-1 ausgeprägt nachgewiesen in Plattenepithelkarzinomen (HNSCC), das Tumorzellenwachstum fanden die Forscher sowohl in Kulturen wie auch in Organbefunden durch TKTL-1 deutlich beschleunigt (in: Clinical Cancer Research, Feb. 1, 2010).

Noch 2009 hat der Moderator eines Krebs-Fachkongresses auf unsere Frage, was man denn von der Coy-Diät halten könne, geantwortet, er habe nie davon gehört und er könne sich auch nicht um jede wirre Theorie kümmern. Was die Haltung der Schulmedizin eindeutig darstellt. Bislang haben Mediziner, welche die Heilungserfolge diagnostisch bestätigten, meist allenfalls wie ein Frankfurter Schulmediziner kommentiert: ,,Machen Sie das weiter, was sie da noch machen." Am Dienstag verlautbarte Gustav Dobos, der als Professor die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen leitet, es sei eine Annäherung von Schulmedizin und ,,Alternativen" zu beobachten.

Einige fortschrittliche Ärzte wie der Darmstädter Urologe Wilhelm Jungmann haben sich bereits mit Coys Theorie auseinandergesetzt, und die Möglichkeiten der Ernährungsumstellung erkannt. Zwar ist die Vorstellung, ohne Zucker und Kohlenhydrate zu leben sicherlich selbst Kranken nicht leicht eingängig - doch wenn sie das Überleben ermöglicht, doch noch angenehmer als die Prognose des baldigen Endes.

 
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