E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
28. Dezember 2010  | Von Tamara Krappmann

Erste Hilfe: Der Retter ersetzt Herz und Lunge

Kurse in Erster Hilfe bietet nicht nur das Rote Kreuz an

| Vergrößern | In Sicherheit bringt Gabriela Krzyzaniak mit dem richtigen Rettungsgriff Kirsten Müller, die sich beim Erste- Hilfe-Kurs des Roten Kreuzes als „Unfallopfer“ zur Verfügung gestellt hat. Foto: Hans Dieter Erlenbach
DARMSTADT. 

 

 


„Wer musste schon einmal Erste Hilfe leisten“, fragt Kursleiterin Nena Holl in die Runde. Zwei Tage lang leitet sie einen Lehrgang in Erster Hilfe beim Roten Kreuz in der Mornewegstraße. Fünf der 15 Teilnehmer melden sich auf ihre Frage: Weil sie Kinder haben und regelmäßig kleine und größere Wunden verarzten müssen, oder weil ein Kollege auf der Arbeit sich verletzt hatte. Eine Verkäuferin erinnert sich daran, dass an ihrer Kasse schon einmal eine Epileptikerin zusammengebrochen ist.

 

Aber egal, ob erfahren oder nicht: Alle, die hier sind, wollen lernen, wie sie einem verunglückten Menschen helfen und vielleicht sogar sein Leben retten können. Zunächst geht es jedoch um den Komfort eines leicht Verletzten. Ein älterer Herr, so das Szenario, ist gestürzt und kann nicht mehr aufstehen. Bis der Arzt kommt, soll er es warm haben - und zwar auch von unten. Zunächst lernen die Kursteilnehmer daher, wie man einen Menschen in eine Decke wickelt, ohne ihn anheben zu müssen.
Erste-Hilfe-Kurse

Kurse in Erster Hilfe bietet nicht nur das Rote Kreuz an. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Johanniter-Unfallhilfe, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Malteser-Hilfsdienst bilden Ersthelfer aus. Wo und wann, steht im Internet: www.drk-darmstadt.de, www.asb-darmstadt-starkenburg.de, www.johanniter.de/aus-und-weiterbildung, http://bez-darmstadt-dieburg.dlrg.de, www.malteser-kurse.de.

 

 

Die metallisch glänzenden Rettungsdecken, die jeder Autofahrer aus dem Verbandskasten kennt, wärmen aber nicht nur überraschend gut, sondern sie rascheln auch ohrenbetäubend laut. „Warnen Sie ihren Verletzten vor“, mahnt die Kursleiterin. „Am Besten sagen Sie ihm immer, was Sie als nächstes machen werden.“

 

Reden steht ohnehin weit oben auf der Liste der Rettungsmaßnahmen: Besonders, wenn es darum geht, professionelle Hilfe anzufordern. Unter der Telefonnummer 112 kann ein Krankenwagen gerufen werden „Aber ist das nicht die Nummer der Feuerwehr?“, erkundigt sich eine Teilnehmerin. Das sei schon richtig, bestätigt Nena Holl: „Über die Rettungsleitstelle erreichen Sie beide Stellen.“ Wer ausrückt, entscheidet sich während des Telefonats.

 

Das sollte möglichst rasch geführt werden, wenn ein Arzt benötigt wird. Oder auch, wenn das nur vermutet wird: Etwa bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Deren Symptome erklärt Holl aber erst später. Zunächst zeigt sie den Rettungsgriff, mit dem eine bewusstlose Person aus einem gefährlichen Bereich gebracht wird. Und dann wird geübt: Gegenseitig bugsieren sich die Kursteilnehmer von einem Stuhl, der für die nächsten Minuten zum Fahrersitz eines verunglückten Kleinwagens erklärt wird.

 

Nachdem sich alle ohnmächtigen Autofahrer im Schutz der fiktiven Leitplanke befinden, müssen sie dort richtig versorgt werden. Denn ein bewusstloser Mensch kann leicht ersticken. Um das zu verhindern, lernen die Ersthelfer die berühmte stabile Seitenlage. Die wurde gegenüber früher stark vereinfacht: Mit sechs Handgriffen bringen alle Kursteilnehmer ihren Übungspartner in die sichere Position.

 

Einfacher geworden ist auch das Überprüfen der lebenswichtigen Funktionen. Kontrolliert wird nur noch, ob ein Verletzter ansprechbar und bei Bewusstsein ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird geprüft, ob er noch atmet. Den Puls fühlen die Ersthelfer dagegen nicht mehr. „Das war vielen zu kompliziert“, erklärt die Kursleiterin. „Die Leute hatten deshalb richtig Angst davor zu helfen.“

 

 

Atmet der Verunglückte nicht mehr, dann kommt die wohl berühmteste aller Rettungstechniken zum Einsatz: die Herz-Lungen-Massage. Durch sie ersetzt der Helfer die beiden wichtigen Organe vollständig. Geübt wird nicht am lebenden Menschen, sondern an speziellen Puppen. Denn während der Massage können ohne Weiteres Rippen brechen. „Gerade bei älteren Leuten ist das sogar sehr wahrscheinlich“, warnt Holl. „Aber das ist immer noch besser, als wenn das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommt.“ Denn dann trägt es in kürzester Zeit schwere Schäden davon.

 

Unter dem kritischen Blick der Kursleiterin darf jeder einmal üben. Und dann wird es richtig anstrengend: Volle zehn Minuten lang sollen die Kursteilnehmer ihre Puppe reanimieren. „So lange dauert es nämlich nach einem echten Notruf, bis der Rettungswagen da ist.“ Schnell rinnt bei den Übenden der Schweiß. Vor allem geben sie sich aber Tipps, um durchzuhalten: „Beug dich mal richtig weit über die Puppe. Dann geht es viel leichter.“

 

Nach den Sportlern sind die Verpackungskünstler gefragt, denn in den nächsten Übungsstunden kommen Verbände an die Reihe. Bevor gewickelt werden darf, spricht Nena Holl jedoch eine ernste Warnung aus: „Immer erst Handschuhe anziehen.“ Die schützen den Helfer nämlich vor Infektionskrankheiten. „Und außerdem sehen Sie auch gleich viel professioneller aus.“

 

Derart ausgerüstet, dürfen sich die Kursteilnehmer anschließend ausgiebig verbinden und mit Pflastern bekleben. Um das Ganze authentischer zu gestalten, erfinden die Bandagierten Geschichten darüber, wie sie zu ihren Wunden gekommen sind: „Ich hab mir ein bisschen ins Bein geflext“, erklärt ein grinsendes Unfallopfer und präsentiert den Druckverband an seinem Unterschenkel.

 

 

Nachdem die wichtigsten Themen abgehandelt sind, wird es schwieriger. Nun müssen die Helfer vor der Tür warten, während sich die restliche Gruppe auf einen fiktiven Unfall einigt. Einer mimt das Opfer. Die Helfer auf dem Flur erfahren jedoch nicht, was ihm fehlt, sondern nur, was passiert ist - ganz so, wie bei einem echten Unfall. Und wie im Ernstfall müssen sie selbstständig den Notruf wählen, das Opfer richtig lagern, Wunden verbinden und registrieren, wenn der Verletzte das Bewusstsein verliert. Sogar einen störenden Gaffer setzt Nena Holl auf ihre Retter an. „Ihr macht das alles falsch rum“, mäkelt er von der Seitenlinie. Beirren lassen sich die nun geübten Helfer von seinen Kommentaren nicht mehr.

 

Acht Doppelstunden dauert der komplette Kurs. Die meisten Teilnehmer werden dafür nicht nur von ihrem Betrieb freigestellt, sondern bekommen ihre Ausbildung als Ersthelfer sogar von der Berufsgenossenschaft bezahlt. Wer auf eigene Faust kommt, muss dagegen 40 Euro mitbringen. Eine lohnende Investition: „Die meisten Unfälle passieren immer noch im Haushalt“, erinnert Holl. „Also genau an dem Ort, an dem sich Eltern, Geschwister, die eigenen Kinder oder der Partner aufhalten“ - alles Menschen, denen man sicher helfen möchte.

 


 
 


BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
wolkig, 28°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
ANZEIGE
Veranstaltungskalender
 

Veranstaltungen in Südhessen zu Kultur und Kunst, Märkten und Börsen, Party und Disko.

Mehr |
 
ANZEIGE
Finden Sie mit Pointoo.de schnell und bequem einen vertrauenswürdigen Arzt.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können das Risiko, Krebs zu bekommen, vermindern.
Sie suchen einen Rat zu Ihrer Gesundheit? Schauen Sie in die beliebten Themen von gesundheitsfrage.net, da finden Sie umfangreiche Informationen.
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE