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Abstehende Ohren lassen sich anlegen

Kosmetische Operationen – Manche Vorstellungen vermag auch ein erfahrener Chirurg nicht umzusetzen

Belustigte Blicke der Kollegen, gehässige Bemerkungen der Mitschüler: Menschen mit abstehenden Ohren haben manchmal unter den Reaktionen anderer zu leiden. Eine Operation kann ein Ausweg sein.
Zwar lässt sich messen, ob Ohren übermäßig abstehen – aus Sicht von Fachärzten geht es bei dem Wunsch nach einer Korrektur auch die subjektive Frage, ob jemand mit seinem angeborenen Aussehen leben kann. Foto: Andrea Warnecke

Bei manchen Menschen sind sie fast ein Markenzeichen: Englands Prinz Charles ist wohl der prominenteste Vertreter, auch der Schauspieler Dominik Horwitz hat abstehende Ohren. Doch nicht jeder mag damit leben. So offenbarte die Schauspielerin Jutta Speidel: Mit 18 habe sie sich die Ohren anlegen lassen, weil sie „Flatterohren“ hatte.
Der Eingriff zählt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zu den 15 häufigsten kosmetischen Operationen. Bei Kindern bis 14 Jahren übernimmt meist die Krankenkasse die Kosten.

Oft sei es die Furcht vor Hänseleien, die Eltern mit ihren Kindern kurz vor der Einschulung in seine Hamburger Praxis führten, sagt Ulrich Machate vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Die zweite große Patientengruppe seien junge Erwachsene, die endlich etwas an ihrem Aussehen verändern wollen und deren Eltern den Eingriff früher womöglich nicht erlaubt haben, ergänzt DGÄPC-Vorstandsmitglied Torsten Kantelhardt.
Ab wann lässt sich überhaupt von „Segelohren“ sprechen? Betrage der Abstand von der Knochenregion hinter dem Ohr bis zur Ohrkante mehr als 20 bis 25 Millimeter, „dann steht das Ohr deutlich ab“, sagt etwa Wolfgang Gubisch von der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. Ein Winkel von mehr als 35 bis 40 Grad zwischen Ohrmuschel und Schädelknochen gilt als „andersartig“.
Viel wichtiger als solche Maße ist nach Erfahrung der Fachärzte aber das subjektive Empfinden. Daher müsse immer genau abgeklärt werden, was hinter dem Wunsch der Ohrenkorrektur steckt, sagt der HNO-Arzt mit der Zusatzqualifikation Plastische Operationen. Denn um eine Krankheit handele es sich bei abstehenden Ohren grundsätzlich nicht. „Erwachsene muss man manchmal mehrmals einbestellen, um herauszufinden, ob nicht ein anderes psychologisches Problem dahinter steckt“, fügt Kantelhardt hinzu.

Zwar lässt sich messen, ob Ohren übermäßig abstehen – aus Sicht von Fachärzten geht es bei dem Wunsch nach einer Korrektur auch um die subjektive Frage, ob jemand mit seinem angeborenen Aussehen leben kann. Foto: Andrea Warnecke
„Wenn ein Kind sich nicht daran stört, sollten Eltern nicht sagen, wir lassen die Ohren trotzdem richten“, ergänzt Gubisch. Er sieht in abstehenden Ohren eine Fehlbildung, nicht nur einen kosmetischen Makel. „Wenn das Kind schon im Kindergarten gehänselt wird, sollte man die Ohren vor der Einschulung korrigieren“, rät er. Das ist ohnehin der frühestmögliche Zeitpunkt. Denn nach dem sechsten bis siebten Lebensjahr wachsen die Ohren nicht mehr besonders stark. „Dann besteht auch keine große Gefahr mehr, dass die Narbe sich aufweitet oder die Narbenbildung schlecht verläuft“, erläutert Kantelhardt.

Damit die Krankenkasse bei Kindern bis 14 Jahren die Kosten übernimmt, muss eine „psychische Beeinträchtigung“ vorliegen, wie Machate erläutert. Die Kassen behielten sich vor, das mit einem psychologischen Gutachten zu überprüfen. Erwachsene müssen die Korrektur selbst zahlen. Meist werden zwischen 1500 und 2500 Euro für beide Ohren fällig.
Nach dem Grund für das Abstehen richtet sich die Art des Eingriffs. Nach der Ursache richtet sich die Methodik des Eingriffs: „Entweder der innere Ohrknorpel ist sehr stark muschelförmig geformt, und das Ohr steht dadurch ab“, sagt Kantelhardt. Dann müsse etwas Knorpel entfernt werden. „Oder die Biegungsfalte im Knorpel hinter dem Ohr ist nicht richtig gebogen.“ In diesem Fall könne der Knorpel durch Einschnitte geschwächt werden. Da er aber sehr elastisch sei, werde seine neue Form mit Fäden fixiert. Sonst würde das Ohr bald wieder die alte Position einnehmen.
Operiert werden Kinder unter Vollnarkose, Erwachsene meist unter örtlicher Betäubung. Wer den OP-Verlauf mitbekommen möchte, könne sich in einen Dämmerschlaf versetzen lassen.
Nach der Operation muss der Patient für etwa eine Woche einen Kopfverband tragen. Danach können meist die Fäden gezogen und die Haare wieder gewaschen werden, wie Machate erläutert. „Sechs Wochen lang sollte man Verletzungen vermeiden, etwa, wenn das Ohr im Schlaf am Kissen abknickt.“ Um das zu verhindern, bekommt der Patient ein Stirnband, das die Ohren in der Nacht schützt. Gubisch empfiehlt, es für mindestens zwei bis drei Monate zu tragen. Tabu sind in den ersten drei bis vier Wochen wegen der Verletzungsgefahr nach der OP vor allem Kontaktsportarten.
Da die Ohren nach der OP enger am Kopf sitzen, muss sich der Patient darauf einstellen, dass sie sich zunächst steifer anfühlen. Manchmal könne sich die Haut am Ohr vorübergehend taub anfühlen. „Auch das ästhetische Ergebnis kann unbefriedigend sein: Ein ganz symmetrisches Erscheinungsbild wird nicht immer erreicht“, gibt Gubisch zu bedenken. Wie bei jeder Operation besteht darüber hinaus die Gefahr, dass sich die OP-Wunde infiziert und nicht richtig heilt. Bei Kindern bilden sich außerdem manchmal überschießende Narben.

 

Artikel Text Laenge: 4815

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  • 10. Oktober 2012
  • Von Nina C. Zimmermann
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