DARMSTADT.
Kellnern statt Schwimmen - viele Studenten verbringen Freizeit mit wenig Vergnüglichem. Der Darmstädter Berater und IT-Dienstleister Univativ hat untersucht, ob, wo, wie viel und warum Studenten nebenher arbeiten und wie sie ihre Pers
pektive einschätzen. Drei von vier arbeiten demnach in der vorlesungsfreien Zeit und beinahe zwei Drittel auch während des Semesters. Sieben Prozent schaffen es, ihr Studium komplett selbst zu finanzieren, ist ein Ergebnis der Befragung ,,Unicensus 10". Die Grundlage bilden Interviews mit über 1000 Studenten an 55 deutschen Hochschulen. 58,3 Prozent aller Befragten äußern, dass sie Uni und Job nur schlecht unter einen Hut bekommen. In der Rhein-Main-Region, wo 34 Prozent nicht nebenher arbeiten, sind es 60 Prozent. Jeweils etwa zehn Prozentpunkte mehr als bei der ersten Befragung vor zwei Jahren. ,,Das scheint der Preis des bildungspolitischen Willens zu sein, die Studienzeit durch Bachelor und Master zu verkürzen. Verschulte Lehrpläne lassen weniger Freiräume", sagt Olaf Kempin, Geschäftsführer von Univativ. Bei den Diplom-Studenten ist der Anteil derer, die regelmäßig jobben mit 81,5 Prozent weit größer als bei den neuen Studiengängen. Immerhin 63,4 Prozent aller Befragten arbeiten mindestens fünf Stunden pro Woche. 35 Prozent geben sogar mehr als 20 Stunden an. Die Chancen, nur am Wochenende zu arbeiten, sind begrenzt. Also muss es vor, nach oder anstelle von Vorlesungen und Seminaren klappen. Kein Wunder, dass flexible Arbeitszeiten für 86 Prozent der Befragten ein wichtiges Kriterium sind. Nur Arbeitsklima und Vergütung werden noch höher bewertet. Als weniger wichtig gilt dagegen das Image des Arbeitgebers. Bei der Frage nach der Motivation erhält mit durchschnittlich 67,5 Prozent folgende Aussage die meiste Zustimmung: ,,Ich arbeite, um neben dem Studium Praxiserfahrung zu sammeln." Es waren Mehrfachnennungen möglich, aber es ist doch interessant, dass der Lebensunterhalt mit 61,4 Prozent dahinter zurückliegt. Der Studentenjob als Einstiegshilfe in ein Unternehmen spielt noch zu 50 Prozent eine Rolle.Dem entgegen stehen die am häufigsten gewählten Berufsfelder: Allgemeine Büroarbeit, Gastronomie, wissenschaftliche Mitarbeit, Nachhilfe und Einzelhandel belegen die ersten fünf Plätze. Alles Tätigkeiten, die keinen akademischen Abschluss erfordern und wenig mit der Perspektive nach dem Studium zu tun haben. Viele Jobs tragen Kempin zufolge überhaupt nicht dazu bei, die Persönlichkeit zu entwickeln oder an der Karriere zu feilen.Um im Arbeitsumfeld anerkannt zu werden, sind heute auch bestimmte soziale Kompetenzen unumgänglich. Für den Unicensus 10 sind gut 34 000 Stellenanzeigen ausgewertet und die zehn wichtigsten Anforderungen der Unternehmen herausgefiltert worden. Dem gegenüber sollte eine Gruppe von Studenten die Frage beantworten, welche ,,soft skills" ihre Kommilitonen wie gut beherrschen und eine andere einschätzen, wie wichtig den Unternehmen welche Kompetenzen ihrer Meinung nach sind. Bei der hohen Bedeutung von Teamfähigkeit und Engagement besteht Einigkeit, ansonsten zeigen sich aber erhebliche Diskrepanzen. Während die Studenten Kommunikationsbereitschaft als größte Stärke betrachten, gehört diese nicht zum primären Anforderungsprofil der Unternehmen. Sie wird vorausgesetzt. Flexibilität hingegen sehen Arbeitgeber als Hauptpriorität an, während sie von den Studenten als eher vernachlässigbar eingestuft wird. Noch weniger beachten sie den Aspekt der Kundenorientierung. Ein alarmierendes Signal laut Kempin, wo doch drei Viertel aller Beschäftigten in Deutschland im Dienstleistungsbereich tätig seien. ,,Aber das haben Studenten nicht auf dem Schirm und es schlägt sich offenbar auch nicht im Lehrplan nieder." Dass sie überhaupt studieren können, haben die meisten hauptsächlich Mama und Papa zu verdanken. Die Eltern sind mit durchschnittlich 45 Prozent anteilig Hauptfinanzierer. Allerdings bekommt auch fast jeder Vierte kein Geld von zu Hause. Bafög-Gelder schlagen mit 16,3 Prozent (12,8 Prozent für Rhein-Main) zu Buche. Es zeige sich, so die Univativ-Erkenntnis, dass diejenigen, die mehr Unterstützung von zu Hause bekommen, wegen des geringeren Drucks eher Jobs suchen und finden, die besser zu ihnen passen, sie weiterbringen und bei denen sie auch mehr verdienen können.Studium und Nebenjob passen schlecht zusammen
Umfrage: Darmstädter Unternehmen interviewt Hochschüler - Finanzspritze der Eltern wird zum Wettbewerbsvorteil
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