Reilly: Über 8000 Jobs werden abgebaut
Opel: In der Produktion werden in den kommenden Jahren 7000 Arbeitsplätze abgebaut, in der Verwaltung 1300 - Fokus auf Elektroautos - Standort Rüsselsheim verliert Getriebeproduktion
Opel reduziert seine Kapazitäten um etwa 20 Prozent, investiert in den kommenden Jahren in Europa bis 2014 elf Milliarden Euro und will bis Ende 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben. Um das Unternehmen zu verschlanken, sollen in Europa 8300 Stellen gestrichen und das Werk Antwerpen geschlossen werden.
Darüber hinaus will Opel/Vauxhall in den kommenden Jahren 80 Prozent der Fahrzeuge durch neue Fahrzeuge ersetzen. Unter anderem soll es neben dem Ampera ein weiteres Elektrofahrzeug und mehrere kleinere Modelle mit besonders spritsparender Technik anbieten. Das sagte Opel-Chef Nick Reilly am Dienstagmittag in Frankfurt bei der Vorstellung des Sanierungskonzeptes für den angeschlagenen Rüsselsheimer Autobauer.Fertigungschef Reinald Hoben sagte, es gäbe keine Alternative zur Werksschließung in Antwerpen. Alle anderen europäischen Werke seien aber nicht gefährdet. Eisenach zum Beispiel, das bisher im Rahmen von Werksschließungen immer wieder genannt wurde, baut einen dreitürigen Corsa in drei Schichten. In Rüsselsheim werden alle Insignia gebaut und die Astra-5-Türer. Die Getriebeproduktion in Rüsselsheim wird in andere Werke ausgelagert.
Noch am Dienstag will Opel der Bundesregierung einen neuen Zukunftsplan übermitteln, der von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellt wurde. Er ist Voraussetzung für Staatshilfen und Bürgschaften.
Neben dem genannten Arbeitsplatzabbau sollen rund 2000 Mitarbeiter 2011 und 2012 in Altersteilzeit gehen. 500 davon seien bereits in der Zahl von 8300 Stellen enthalten, die restlichen 1400 würden zusätzlich zu den 8300 nach und nach ausscheiden, allerdings würden etwa 650 dieser dann frei werdenden Arbeitsplätze wieder neu besetzt.
Nick Reilly zeigte sich erfreut, dass die Wirtschaftsprüfer dem Unternehmen eine profitable Zukunft bescheinigen. Opel wolle jetzt ein europäischer Unternehmen formen, das auf eigenen Beinen stehe. Reilly geht bei seinem Sanierungsplan davon aus, dass die Belegschaft wie geplant ihren Sanierungsbeitrag, unter anderem durch Lohnverzicht, leistet. Er hoffe, dass die Mitarbeiter den Sanierungsplan unterstützen. Diese tagen ebenfalls am Dienstag in Bochum und wollen sich am Nachmittag zu den Plänen äußern.
Produktmanager Frank Weber betonte, Opel werde in den kommenden Jahren eine bisher nicht da gewesene Produktoffensive starten. Den bereits auf dem Markt erfolgreichen Modellen von Insignia und Astra sollen weitere erfolgreiche Fahrzeuge zur Seite gestellt werden, unter anderem auch ein Kleinwagen unterhalb des Corsa, nach dem Willen des Unternehmens am besten als Elektroauto. ,,Wir wollen in Europa zur führenden Größe im Angebot unweltfreundlicher Autos werden", sagte Weber.
Nick Reilly bekräftigte, es handele sich um den Beginn ener neuen Ära für Opel/Vauxhall und die größte Erneuerung in der jüngeren Geschichte des Unternehmens. Opel habe eine motivierte Belegschaft. Jetzt seien alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens geschaffen.Der von GM vorgesehene Eigenanteil bei der Sanierung des Autobauers Opel reicht nach Ansicht des hessischen Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nicht aus. ,,Nach unserer ersten Einschätzung wird es geboten sein, dass GM als Eigentümer seine Beteiligung an der Sanierung und Neuaufstellung deutlich erhöht", sagte Koch heute in einer Mitteilung der Staatskanzlei. GM hatte zuvor 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe aus Deutschland beantragt. ,,Bei der Prüfung des Antrages auf Staatshilfe werden der sorgfältige Umgang mit Steuergeldern und die Interessen der Arbeitnehmer im Mittelpunkt stehen", erklärte Koch.Auch Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hält Staatshilfen zur Opel-Sanierung derzeit nicht für machbar, weil der Eigenanteil von GM nicht ausreiche. Das vorgelegte Konzept sei nicht zukunftsfähig, sagte Schäfer-Gümbel am Dienstag in Wiesbaden. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) habe den Plan nicht mit den Beschäftigten und den Gewerkschaften abgestimmt.
Einen Kommentar und mehr zum Thema gibt es am Mittwoch (10.02.2010) im ECHO-Wirtschaftsteil.

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