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19. August 2010  | von marius blume

Kein besonders neues Logo - für den halben Preis

Firmenauftritt: Der Darmstädter Energieversorger HSE zeigt sich annähernd so wie ein Stahlbauer gleichen Namens

| Vergrößern | Fast identisch sind die Logos des Darmstädter Energiekonzerns (links) und des Stahlbauers. Montage: dagmar klumb
DARMSTADT. 
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Fast identisch sind die Logos des Darmstädter Energiekonzerns (links) und des Stahlbauers. Montage: dagmar klumb


Der Darmstädter Energieversorger HSE wollte ein neues Logo. Dynamisch und exklusiv sollte es sein. Dafür braucht es besonders kreative Köpfe, dachte wohl die Konzernführung und engagierte Jung von Matt. Was die renommierte internationale Werbeagentur aus Hamburg, die mit 850 Mitarbeitern zuletzt knapp 600 Millionen Euro Umsatz erzielte, dann aber für 400.000 Euro lieferte, war quasi ein Doppelgänger. Wie konnte das passieren, und warum steht die HSE dennoch zu ihrem neuen Logo?

Der Schriftzug im angedeuteten roten Kreis, der die Zukunftsgewandtheit des Energiekonzerns verkörpern soll, wird in frappierender Ähnlichkeit schon seit 1990 von der unter dem gleichen Kürzel firmierenden ostdeutschen Hennigsdorfer Stahl Engineering GmbH verwendet. Wie Dieter Weirich, Leiter der Konzernkommunikation von HSE, auf ECHO-Anfrage sagt, flog das auf, als die Agentur den Fauxpas selbst bemerkte - nachdem Darmstadt schon abgenickt hatte.

,,Ein reiner Zufall, der niemandem so unangenehm ist wie der Agentur selbst", nimmt Weirich die vermeintlich kreativen Köpfe in Schutz. Die Agentur verteidigte sich laut Weirich damit, man habe Verwechslungsgefahren nicht branchenübergreifend im Auge gehabt.

Offensichtlich wurde nicht gründlich genug recherchiert. Deswegen, fügt Weirich hinzu, seien aus HSE-Sicht Konsequenzen für die Zukunft unumgänglich gewesen. ,,Wir werden die Zusammenarbeit mit der Agentur einstellen, sehen das schon als Schönheitsfehler", sagt Weirich. Jung von Matt war die Sache immerhin peinlich genug, um einen Kompromissvorschlag zu äußern. Die Agentur bot dem HSE-Sprecher zufolge an, auf die Hälfte des Honorars zu verzichten. So zahlt die HSE, mehrheitlich im Besitz der Stadt Darmstadt, letztendlich 200.000 Euro.

Das neue HSE-Logo, das die Firmenphilosophie und -ausrichtung gut zum Ausdruck bringe, werde ohne Einschränkung beibehalten. ,,Wir halten das Logo und die Konzeption auch für gelungen." Zudem habe eine gründliche Prüfung ergeben: ,,Wir sind rechtlich auf der sicheren Seite", so Weirich. Das dürfte ausschlaggebend sein. Der ostdeutsche Stahlbauer habe sein Logo nicht angemeldet und damit nicht geschützt.

Dass die Werbeagentur erst gar keine Anstrengungen unternommen und das schon vorhandene Logo einfach leicht modifiziert haben könnte, hält Weirich für ausgeschlossen. Es wäre ja damit zu rechnen gewesen, dass das entdeckt wird. Da Größenordnung, Tätigkeitsbereich und vor allem Branche der HSE AG und der HSE GmbH sich weit voneinander unterscheiden, habe ohnehin keine Gefahr von Rechtsstreitigkeiten bestanden, sagt Weirich. Aus dem Büro des Darmstädter Oberbürgermeisters und HSE-Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Hoffmann wurde lediglich auf Vorgehen und Stellungnahme des Konzerns verwiesen.

Auch bei Jung von Matt heißt es: ,,Wir sagen dazu nichts". Aber mit Anspruchsdenken wird auf der Internetseite des Unternehmens nicht gegeizt.

,,Wir lieben Ideen. Wir kämpfen für die beste Lösung. Wir bleiben unzufrieden." Glück für Jung von Matt, dass die HSE das zumindest in Bezug auf das Logo nicht ist. Auch wenn alle Beteiligten das neue Konzernmotto besser wörtlich genommen hätten: ,,Das Ganze sehen".


 
 


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