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06. Februar 2010  |  ap/bsc/dpa

Die Angst kehrt an die Börse zurück

Finanzmärkte: Europas Schuldenkrise belastet Aktien und Euro - Sorgen um Portugal, Italien, Griechenland und Spanien

FRANKFURT. 
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Schlechte Stimmung an der Börse in Madrid: Spanien wird von der Immobilienkrise gebeutelt, das Haushaltsdefizit lag zuletzt bei 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ähnlich wie Griechenland muss Spanien nun höhere Zinsen bieten, wenn es Anleihen mit Erfolg platzieren will. Foto: dpa

Die Angst vor einer Ausweitung der griechischen Schuldenkrise auf andere europäische Länder mit Haushaltsproblemen hat die Aktienkurse am Freitag unter Druck gesetzt. Vor allem in Griechenland, Portugal und Spanien zeigten die Kurse steil nach unten. Die wichtigsten Indizes dieser Länder verloren in der Spitze 3,5 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax gab bis zum Abend 1,8 Prozent ab und ging mit 5434 Zählern ins Wochenende. Der Euro rutschte weiter ab und fiel erstmals seit Mai 2009 unter die Marke von 1,37 Dollar. Damit hat die Gemeinschaftswährung binnen drei Tagen rund drei Cent eingebüßt.

Der Wertverlust des Euro weckt inzwischen ernste Befürchtungen. ,,Ähnlich wie kürzlich die Finanzmarktkrise könnte sich auch diese Krise zu einem Flächenbrand entwickeln - mit Auswirkungen auf andere Länder, auf Bankensysteme und letztendlich erneut auf die Konjunktur", warnten die Devisenmarktanalysten der Commerzbank. ,,Doch im Gegensatz zur Bankenrettung letztes Mal gibt es jetzt unter Umständen keine Institution, die stark genug wäre, einzuspringen."

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger trat Befürchtungen entgegen, dass der Euro zumindest von Griechenlands Schuldenkrise stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. ,,Der Euro-Raum steht im Vergleich zu anderen Währungsräumen wesentlich besser da, als viele behaupten", sagte der Ökonom. Die Staatsschulden und vor allem die Neuverschuldung seien niedriger als in den USA. ,,Selbst eine griechische Staatspleite kann der Euro zur Not verkraften", so Bofingers Einschätzung. Das Land erwirtschafte gerade mal 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Währungsunion. In den USA dagegen stehe Kalifornien seit Monaten am Rande der Pleite, ,,und sein Anteil am US-Bruttoinlandsprodukt macht rund 13 Prozent aus". So betrachtet halte sich seine Angst vor einem Domino-Crash in Europa in Grenzen, fügte Bofinger hinzu.

Griechenland hat ein Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent des Sozialprodukts, der EU-Stabilitätspakt sieht eine Obergrenze von drei Prozent vor. Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Landes wegen der immensen Verschuldung herabgestuft, was den Schuldendienst noch verteuert. Am Mittwoch beschloss die EU-Kommission eine strikte Überwachung der griechischen Staatsfinanzen. Aber auch die Haushaltslage anderer europäischer Staaten gilt als sehr angespannt. Aus der ,,griechischen Tragödie" ist inzwischen die ,,Pigs-Krise" geworden, spotten Börsianer. Das Kürzel Pigs (,,Schweine") steht inzwischen für die Problemstaaten Portugal, Italien, Griechenland und Spanien.

Zum Beispiel Portugal: Trotz seiner geringen Größe hält das ärmste Land Westeuropas aufgrund der zunehmenden Verschuldung Investoren und Politiker zunehmend in Atem. Schon in den ersten Stunden des Freitagshandels verlor der Börsenindex PSI-20 um die drei Prozent, nachdem er bereits am Vortag um fünf Prozent abgesackt war. Händler sprachen von Panik. Pro Minute würden der Börse drei Millionen Euro entzogen. ,,Wir sind die neue Jagdbeute der Märkte", räumte Finanzminister Fernando Teixeira Dos Santos ein.

Ähnlich sieht das der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou. ,,Ich fühle mich bestätigt. Griechenland ist nicht ein Einzelfall. Spekulanten suchen nach unserem Land andere Schwachstellen, um dem Euro zu schaden."

Neben Griechenland und Portugal treibt vor allem Spanien Sorgenfalten auf die Stirn der Analysten. Zwar konnte Spanien am Donnerstag eine Anleihe am Kapitalmarkt platzieren - dies aber zu höheren Zinsen als bisher: Für die Anleihe von drei Jahren Laufzeit mussten die Spanier nun 2,6 Prozent Zinsen bieten, während es Anfang Dezember noch 2,1 Prozent gewesen waren.

Die Regierung Spaniens hat angesichts der Unruhe auf den Finanzmärkten um Vertrauen in die Fähigkeit des Landes geworben, die hohe Staatsverschuldung zu überwinden. ,,Wir haben einen Plan und geben das Ruder nicht aus der Hand", sagte Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega am Freitag in Madrid mit Blick auf das vergangene Woche beschlossene 50-Milliarden-Euro-Sparprogramm.

Sie wies zudem die Aussage des EU-Währungskommissars Joaquín Almunia zurück, die Situation Spaniens sei mit der Griechenlands vergleichbar. Auch der Präsident von Spaniens größter Bank, Emilio Botín, hatte solche Parallelen als unzutreffend bezeichnet. ,,Spanien mit Griechenland zu vergleichen ist so, als würde man Real Madrid mit dem (Fußball-Drittligisten) CD Alcoyano vergleichen", sagte der Chef der Santander-Bank. Spanien mache zwar schwierige Zeiten durch, sei aber stark und solide. An der Madrider Börse sah man das etwas anders, die Aktien fielen am Freitag zeitweise um 2,5 Prozent. Am Donnerstag hatte es einen Kurssturz von rund 5,9 Prozent gegeben - das war der stärkste Rückgang seit November 2008.

Namhafte Experten gehen davon aus, dass von der Krise der spanischen Wirtschaft eine viel größere Gefahr für die Stabilität der Euro-Zone ausgehe als von Griechenland. ,,Der eigentliche Brandherd ist nicht Griechenland, sondern Spanien", betonte der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman. Zwar hat die spanische Staatsverschuldung - anders als die griechische - noch nicht ein solches Ausmaß erreicht, dass die Madrider Finanzen unter EU-Aufsicht unterstellt werden müssten. Aber die potenziellen Gefahren sind größer, weil die spanische Wirtschaft viereinhalbmal so groß ist wie die griechische. Spanien wird nach den Prognosen des Weltwährungsfonds (IWF) als einziges größeres Land in der EU 2010 kein Wachstum erzielen. Die Arbeitslosenzahl stieg auf eine historische Rekordhöhe von über vier Millionen.


 
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