FRANKFURT/DARMSTADT.
Der Tourismus in Südhessen kann sich sehen lassen: Mehr als sieben Millionen Gäste sorgten 2009 für einen Bruttoumsatz von rund 9,5 Milliarden Euro. Mit dieser Zahl liegt die Region auf Augenhöhe mit Metropolen wie Hamburg und Berlin. Das belegt eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF). Weiter hat das Institut untersucht, wie sich der Tourismus in den Jahren 2000 bis 2009 in Südhessen und angrenzenden Städten entwickelt hat. Auftraggeber der Studie war der Arbeitskreis Tourismus der Regionalkonferenz Frankfurt Rhein-Main.Das positive Ergebnis: In den wichtigsten Kategorien liegt Darmstadt auf Platz zwei (Übernachtungszahl) beziehungsweise drei (Bettenzahl) in Südhessen. Die Zahl der Übernachtungen stieg zwischen den Jahren 2000 und 2009 um 18,6 Prozent auf nun 552 550, die der Betten um 16,9 Prozent auf 4048. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der 17 beobachteten Städte nahmen die Übernachtungen im selben Zeitraum nur um 4,4 Prozent zu auf 16,8 Millionen, die Zahl der Betten stieg um 3,5 Prozent auf 103 319 Betten. Verlierer ist dagegen Rüsselsheim: 41,2 Prozent Rückgang bei den Übernachtungen zwischen 2000 und 2009 auf knapp 98 000 sind negativer Rekord in der Region. Bei der Zahl der gewerblichen Betten gibt es mit 8,8 Prozent ein deutliches Minus, die 2009 überdies nur zu 25 Prozent ausgelastet waren - Darmstadt kommt hier auf 37 Prozent.Aber auch die Darmstädter Hotellerie ist in Sorge. Grund ist die jüngst vom Stadtparlament beschlossene Bettensteuer. Diese soll je nach Zimmerpreis pro Nacht zwischen einem und drei Euro liegen. »Das kann den jetzigen Anstieg innerhalb eines Jahres auffressen oder sogar ins Minus führen«, befürchtet Heinz Huthmann, Vorsitzender des Kreisverbands Darmstadt im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Über den Anstieg freut sich Huthmann natürlich sehr - überrascht ist er nicht. Hauptgrund des Zuwachses bei den Übernachtungen sei wohl das Darmstadtium mit seinen Tagungsgästen. Neue Unterkünfte wie das Welcome-Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft hätten ebenfalls ihren Anteil: »Je mehr Hotels es gibt, desto mehr Kunden zieht man rein.« Darmstadts zentrale Lage in der Mitte Deutschlands hält Huthmann für entscheidender als Jugendstilbad oder Mathildenhöhe. »Wenn ich auf Tagungen bin, habe ich fast keine Zeit, um Kultur oder Wellness zu genießen«, ist seine Erfahrung. Zu verbessern wäre das gastronomische Angebot. Immerhin geben Gäste während ihres Aufenthalts rund ein Drittel für Essen aus. »Wir haben viele ethnische Gaststätten, aber es fehlt noch einiges. Mit Frankfurt sind wir nicht vergleichbar«, stellt der Kreisvorsitzende fest.Für den Absturz in Rüsselsheim sei vermutlich die Wirtschaftskrise verantwortlich, sagt Silke Fey, die Pressesprecherin der Stadt. »Unser Übernachtungsgeschäft ist von Geschäftsreisenden geprägt«, erklärt sie. Allein von 2008 auf 2009 sank die Zahl der gebuchten Hotelnächte um 26 Prozent. »Jetzt spüren wir aber den Aufschwung: Bis einschließlich August dieses Jahres gibt es 23,8 Prozent mehr Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum«, sagt Fey.Das Geschenk der Gäste an die besuchten Kommunen: rund 206 Millionen Euro zusätzliches Steuereinkommen. Für Darmstadt ist der Wirtschaftseffekt nur in der Teildisziplin »Tagungen« bekannt. Eine Studie ermittelte diese Werte für das vergangene Jahr: Übernachtende Konferenzteilnehmer gaben im Durchschnitt pro Tag jeweils 270,26 Euro aus, darin eingerechnet aber auch die Anreisekosten. Bei den Tagesgästen beträgt die Summe 146,71 Euro. Der Bruttoumsatz aller Veranstaltungen belief sich auf 126,4 Millionen, davon blieben 61 Prozent (77,1 Millionen Euro) in der Stadt. Deren Haushalt profitierte vom Tagungsgeschäft durch Steuern und Abgaben in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Der Geschäftsführer des Arbeitskreises Thomas Neda hat neben Übernachtungsgästen auch Tagestouristen und Besucher in Privatunterkünften im Blick. Diese sorgten schließlich ebenso für Umsatz beim Einzelhandel, Freizeit- und Kultureinrichtungen und Verkehrsbetrieben. »Damit ist der Tourismus eine klassische Querschnittsbranche, die viel mehr Menschen betrifft als allgemein angenommen«, urteilt Neda.

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