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24. Januar 2012 dpa

Insolvenz soll Zukunft sichern

Schlecker – Drogeriekette strebt Sanierung in Eigenregie an – Auslandstöchter und „Ihr Platz“ nicht betroffen

| Vergrößern | Die Kasse von Schlecker ist tatsächlich leer. Insofern haben die zum Schutz gegen Überfälle gedachten Aufkleber an den Eingängen der Filialen aktuell eine ganz andere Bedeutung. Foto: dpa
ULM/EHINGEN. 

Die insolvente Drogeriekette Schlecker will sich in Eigenregie sanieren. Nun muss das Unternehmen vor allem mit seinen Gläubigern schnell klären, ob sie an eine Schlecker-Zukunft glauben und diese auch finanziell mittragen. Der Insolvenzantrag wurde am Montag beim Amtsgericht Ulm eingereicht. Der weitere Zeitplan ist noch unklar, Schlecker hält sich mit Details zum weiteren Vorgehen zurück. Zehntausende Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.
Mehrere tausend Beschäftigte außerhalb Deutschlands können allerdings zunächst aufatmen: Die Drogeriekette aus Ehingen teilte mit, dass das Auslandsgeschäft genauso wie die Osnabrücker Tochter „Ihr Platz“ nicht von der Insolvenz betroffen sind. Der Antrag auf Planinsolvenz gilt für die Anton Schlecker e.K. sowie die Schlecker XL GmbH und die Schlecker Home Shopping GmbH.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (42) von der Neu-Ulmer Kanzlei Schneider, Geiwitz und Partner hat noch am Montagmittag seine Arbeit aufgenommen und begonnen, die Bücher der Kette zu sichten. Das Amtsgericht muss feststellen, ob die Voraussetzungen gegeben sind, das Insolvenzverfahren überhaupt zu eröffnen.
Der zuständige Insolvenzrichter Benjamin Webel prüfte laut Gericht den Antrag und muss dann auch entscheiden, in welcher Form das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Bei der Planinsolvenz würde ein Verwalter eher zum Berater, während er bei einer regulären die Zügel in den Händen hält.
Entscheidend für die angestrebte Planinsolvenz ist vor allem die Frage, ob die Gläubiger davon überzeugt werden können, dass Firmengründer Anton Schlecker und seine Familie den Turnaround schaffen – und das aus dem operativen Geschäft oder privaten Rücklagen finanzieren können. Ein Unternehmenssprecher sagte nicht, wie stark Schlecker persönlich haften muss. Die Familie Schlecker, die das Unternehmen leitet, führt derzeit Gespräche mit den Gläubigern.
Der Drogerieriese hatte zuletzt weit mehr als 1000 Filialen geschlossen und mit sinkenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen – am Freitag kam denn die Entscheidung, in die Insolvenz zu gehen.
Vor allem eine geplatzte Zwischenfinanzierung für die in der Schweiz sitzende Einkaufsgemeinschaft Markant hatte zu dem Schritt geführt. Diese beliefert nicht nur Schlecker, sondern auch alle großen Konkurrenten: dm, Rossmann und Müller. Markant habe bei Gericht mit Blick auf eine Planinsolvenz Bedenken angemeldet, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Der Gerichtssprecher konnte das nicht bestätigen. Allerdings habe es eine Anfrage vom Deutschen Paket-Dienst (DPD) gegeben, ob weiter geliefert werden könne.
Europaweit arbeiten rund 47 000 Menschen bei Schlecker, etwa 30 000 davon in Deutschland. Das Unternehmen wird als eingetragener Kaufmann, Anton Schlecker e.K., geführt und hält nach Angaben des Gerichts Anteile an etlichen Tochtergesellschaften. Schlecker hafte somit mit seinem Privatvermögen.
Im aktuellsten Eintrag des Bundesanzeigers werden allein 25 Gesellschaften aufgeführt, an denen Schlecker 100 Prozent besitzt – darunter sind neben den Auslandstöchtern etwa die Kette „Ihr Platz“.
Wichtige Lieferanten wie der Düsseldorfer Henkel-Konzern wollten am Montag keinen Kommentar abgeben. Doch finanzielle Auswirkungen habe ein Insolvenzantrag nicht. „Etwaige Forderungen sind abgesichert“, erläuterte Henkel.
Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, hat Schlecker weitreichende Möglichkeiten, etwa auf Mietminderungen und den Abbau von Stellen hinzuwirken. Allerdings gibt es aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi offene rechtliche Fragen. Eigentlich gilt bis zum Sommer ein Beschäftigungssicherungsvertrag.

 
 


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