E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
08. Februar 2012 Von Michael Braun

Beweglich bleiben


Es war wohl Zufall: Aber just an dem Tag, an dem die IG Metall für 3,3 Millionen Beschäftigte 6,5 Prozent mehr Lohn forderte, kam die böse Überraschung. Die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe hat im Dezember nachgelassen. Sie ist mit minus 2,9 Prozent erstens stark und zweitens für viele Volkswirte auch überraschend gesunken. Manche Experten hatten wegen der erst kurz zuvor gemeldeten guten Auftragslage sogar mit steigender Produktion gerechnet.
Da fällt das Argument leicht, die Gewerkschaft werde mit ihrer Forderung den Aufschwung abwürgen. Die IG Metall kann freilich mit gleichem Recht auf den Tarifabschluss des Jahres 2010 verweisen. Der war noch ganz im Zeichen des Krisenjahres 2009 zustande gekommen. Deshalb hatte sich die Gewerkschaft mit moderaten Abschlüssen und langer Laufzeit zufriedengegeben. Und als der Aufschwung kam, hatten alle das Gefühl, die Arbeitnehmer bekämen nichts davon ab. Was nicht richtig ist. Denn als die Wirtschaft wuchs, ging die Arbeitslosenzahl runter. Und manche Arbeitgeber ließen sich bewegen, außerhalb des Tarifs höhere Löhne zu zahlen. Der Aufschwung zog also an vielen Beschäftigten nicht vorbei.
Daraus zu lernen fällt offenbar schwer. Denn die IG Metall klagt zwar, die Finanzkrise sorge für viel Unsicherheit, die Konjunkturzyklen seien „kürzer und unberechenbarer“ geworden, Tarifpolitik könne deshalb nicht mehr langfristig angelegt sein. Doch fordert sie munter, den Tariflohn um bis zu 6,5 Prozent anzuheben. Höhere Löhne können die Arbeitgeber angesichts ordentlicher Ertragslage und guter Wettbewerbsfähigkeit wohl zahlen. Aber es sollten gewinnabhängige Zulagen sein, nicht dauerhaft erhöhte Lohnsockel. Denn die zerstören in schlechten Zeiten die Wettbewerbsfähigkeit. Und in guten Zeiten spalten sie die Arbeitnehmerschaft in besser verdienende Stammbelegschaft und unterbezahlte Leiharbeit. Die IG Metall sollte also ihrer eigenen Analyse von den Konjunkturzyklen folgen. Beweglichkeit ist Trumpf – das gilt auch für die Lohnpolitik.

 
 


BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
wolkig, 28°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
ANZEIGE

bild DES TAGES
 
Start

Start der größten Fußwallfahrt Deutschlands. Die Gläubigen wollen bei der 183. Regensburger Diözesanwallfahrt in drei Tagen zum oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting gehen. Foto: Armin Weigel

Archiv |

ANZEIGE
Wie man seine Finanzen trotz Finanzkrise zinsbringend anlegen kann, lesen Sie auf finanzfrage.net.
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE