Ivan Glasenberg sieht sich am Ziel. Die vereinbarte Mega-Fusion mit dem Bergbaukonzern Xstrata lässt den sonst so diskreten Chef des Rohstoffhändlers Glencore jubeln: „Wir haben die fantastische Möglichkeit, ein neues Kraftwerk in der globalen Rohstoffindustrie zu schaffen.“ Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Riese, der nicht nur so ziemlich alles aus der Erde holt, was die Welt benötigt, sondern damit auch handelt. Ein in dieser Größe bislang nicht gekanntes Geschäftsmodell, das die gesamte Branche nach Einschätzung von Experten verändern könnte.
Das neue Unternehmen verspricht sich durch den Zusammenschluss mehr finanzielle Möglichkeiten. Die Ratingagentur Moody’s deutete bereits an, dass sich die Fusion positiv auf die Einschätzung der Kreditwürdigkeit auswirken werde. Die Wettbewerbsfähigkeit werde sich verbessern. Beide Konzerne kommen zusammen auf rund 210 Milliarden Dollar Umsatz, 130 000 Beschäftigte, Repräsentanzen in 40 Ländern und 101 Minen in 33 Staaten. Hinzu kommen rund 200 Hochseeschiffe und einige Häfen.
Die Aktionäre von Xstrata sollen für jeden Anteilschein 2,8 Anteile von Glencore bekommen. Sie würden damit einen Anteil von 45 Prozent am künftigen gemeinsamen Unternehmen halten. Die Aktionäre sollen auf den Hauptversammlungen im Mai über den Zusammenschluss abstimmen. Ob das Geschäft aber tatsächlich wie geplant kommt, hängt vor allem vom Votum der Wettbewerbsbehörden ab. Von Australien über China und Südafrika bis hin nach Deutschland und in die USA dürfen die Kartellämter mitsprechen.
Zuletzt machten die Aufseher etwa einer engeren Kooperation der Erzkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto einen Strich durch die Rechnung. Bei Glencore und Xstrata sieht es dagegen nach Einschätzung von Experten besser aus, da beide Unternehmen zusammen bei keinem Rohstoff auf mehr als 25 Prozent Marktanteil kommen.
Auf eine Belebung auf dem Eisenerzmarkt hofft etwa die Stahlbranche seit Langem. Dort machen die großen Drei – BHP Billiton, Rio Tinto und Vale – rund zwei Drittel des Geschäfts und können nach Ansicht ihrer Kunden die Spielregeln bestimmen. Glencore-Xstrata könnte hier eindringen, wird in der Branche bereits gemutmaßt.
Investoren von anderen Bergbaufirmen hoffen zudem, dass Glencore-Xstrata weitere Zukäufe angeht. Als mögliches Ziel gilt etwa immer wieder der britisch-südafrikanische Rohstoffförderer Anglo American, der vor allem als Großaktionär des Diamantenunternehmens De Beers bekannt ist. Xstrata hatte bereits 2009 versucht, Anglo zu übernehmen und war damit gescheitert.
Aber auch viele kleine Bergbauunternehmen hoffen, dass der neue zahlungskräftige Konzern ein Auge auf sie wirft. Die Rohstoffförderung gilt zwar angesichts des immer größeren Rohstoffhungers in China und anderen Schwellenländern als sehr lukrativ, doch sie wird auch immer teurer. Denn viele einfach zu erschließende Minen sind längst ausgebeutet. Das Erschließen einer neuen Abbaustätte ist daher für viele kleinere Firmen einfach nicht mehr bezahlbar.
Mit dem Geschäftemachen in entlegenen Regionen und politisch heiklen Staaten kennt sich Glencore bestens aus. Das Unternehmen wurde 1974 vom US-Amerikaner Marc Rich gegründet. Er hatte keine Skrupel vor Geschäften im Iran, in Kuba oder mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime. In seinem Heimatland drohten ihm einst mehr als 300 Jahre Gefängnis wegen
Steuerschulden und schmutziger Geschäfte. Er fand Unterschlupf in der Schweiz.
Auch nachdem Rich 1994 aus dem Unternehmen gedrängt wurde, blieb der Konzern eine Schattenmacht, die im Verborgenen mächtig wurde. Umwelt- und Menschrechtsorganisationen kritisierten immer wieder die Geschäftspraktiken. Erst mit dem Börsengang im vergangenen Jahr versuchte sich Glen-core, transparenter zu geben. Der Zusammenschluss bietet für das neue Unternehmen die Chance zu beweisen, dass es mit sauberen Methoden Geld verdient.
Neuer Rohstoffriese hebt sein Haupt
Fusionsplan – Glencore und Xstrata wollen gemeinsam die Branche aufmischen – Kartellbehörden sind am Zug
LONDON/ZUG.
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