Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland wird zerschlagen. Dabei fallen rund 2200 Arbeitsplätze in Deutschland weg. Am härtesten trifft es den Standort Offenbach, wo nach Angaben von Insolvenzverwalter Werner Schneider rund 1000 Stellen gestrichen werden.
Zwei Monate nach der Pleite von Manroland verkündete Insolvenzverwalter Schneider am Mittwochabend ein Konzept für den Erhalt aller drei deutschen Standorte – allerdings mit nur noch 2500 statt bisher 4700 Beschäftigten: Der Gläubigerausschuss votierte einstimmig für die Zerrschlagung des Konzerns und den Verkauf des größten Werks Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe. Das Familienunternehmen sicherte zugleich langfristige Lieferbeziehungen mit dem Werk im sächsischen Plauen zu, das vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt wird. Diese Lösung stelle eine Auslastung sicher, und eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei in Aussicht, sagte Schneider. Einen Kaufpreis nannte er nicht.
Das Werk in Offenbach soll ebenfalls vom Management zusammen mit einem Investor und dem Insolvenzverwalter übernommen und saniert werden. Sobald ein anderer Investor gefunden ist – im Gespräch sind Chinesen – will Schneider aussteigen. Diese Lösung habe eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsaussichten, brauche zur Finanzierung aber eine Bürgschaft der hessischen Landesregierung, sagte Schneider: „Im Grunde genommen beginnt jetzt für Offenbach die zweite Runde.“
Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) hat vom Insolvenzverwalter einen konkreten Plan für das Offenbacher Werk angemahnt. Gleichzeitig sicherte Posch zu: „Die Landesregierung hilft, wo es geht – wenn es geht. Wir werden alles Notwendige und Machbare in die Wege leiten, um Arbeitsplätze in Offenbach zu halten.“
Im Werk Offenbach löste die geplante Aufspaltung große Besorgnis aus. „Die Beschäftigten bei Manroland in Offenbach sind enttäuscht, dass die Rettung von Manroland nicht ihren Standort umfasst“, erklärte die örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Marita Weber. Offenbach sei durch das spezielle Know-how ein zukunftsträchtiger Standort. „Wir fordern den Insolvenzverwalter dazu auf, sich weiterhin für Offenbach um eine Perspektive zu bemühen.“
In Offenbach sollen von 1760 noch 750 Stellen übrig bleiben, in Augsburg von rund 2200 nur noch 1500 Stellen und in Plauen von 680 noch 290. Die bisherigen Manroland-Eigentümer Allianz und MAN haben bereits 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt.
Die Gewerkschaft IG Metall trägt die Lösung im Kern mit. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef von Manroland, sagte: „Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden.“ Für jene, die keine Perspektive bei Manroland mehr hätten, müssten Brücken in eine neue Beschäftigung gebaut werden. Hier seien die Politik und die regionalen Unternehmen gefordert.
Manroland schreibt seit Jahren rote Zahlen und hatte nach einem weiteren Auftragseinbruch Ende November Insolvenz angemeldet. Manroland leidet – wie die gesamte Branche – unter dem Internetboom und dem zunehmenden Preiskampf.
Die Possehl-Gruppe setzte sich im Bieterkampf gegen den US-Investor Platinum Equity durch, der Manroland komplett kaufen wollte. Die IG Metall stand einer Übernahme durch den US-Finanzinvestor Platinum aber sehr skeptisch gegenüber, weil sie ein konkretes Konzept vermisste und keine langfristige Lösung sah. Bei Possehl setzen die Gewerkschafter auf ein langfristiges industrielles Interesse. Der Gläubigerausschuss mit den Vertretern der Banken, Lieferanten und Arbeitnehmern hatte gut drei Stunden lang beraten, dann gab er dem Mischkonzern Possehl – Jahresumsatz 2,5 Milliarden Euro – den Zuschlag.
Manroland wird zerschlagen – 2000 Jobs sollen wegfallen
Possehl kauft Standort Augsburg – Management übernimmt in Offenbach
OFFENBACH.
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