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06. Februar 2012  | dpa

Kreuzfahrtbranche vor einem schwierigen Jahr

Tourismus – Deutlich weniger Buchungen nach Unglück vor Italiens Küste – Deutsche Anbieter weniger stark betroffen

| Vergrößern | Schwarzer Tag für die Kreuzfahrtbranche: Am 13. Januar hat die „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste einen Felsen gerammt und kippte auf die Seite. ArchivFoto: dpa
MIAMI/BERLIN. 


Die Tragödie auf dem italienischen Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ schreckt viele Reisende ab. Nach Branchenprimus Carnival, dem Eigner der „Costa Concordia“, vermeldete jetzt auch das weltweit zweitgrößte Kreuzfahrtunternehmen Royal Caribbean einen regelrechten Einbruch. In Nordamerika seien die Buchungen im Vergleich zum Vorjahr um zehn bis 15 Prozent gesunken, in Europa sei der Rückgang noch höher ausgefallen, teilte der US-Konzern mit.
Es gebe derzeit eine große Unsicherheit, stellte Royal Caribbean fest. Firmenchef Richard Fain erklärte in Miami, jeder in der Branche sei am Boden zerstört. „Unsere Gedanken sind bei den Passagieren, Crewmitgliedern und Familien, die von der Tragödie heimgesucht wurden.“ Nach dem Unglück vom 13. Januar vor der italienischen Küste wurden bislang 17 Todesopfer geborgen.
Doch während die marktbeherrschenden US-Kreuzfahrtkonzerne düstere Wolken am Himmel sehen, berichten die deutschen Reedereien TUI Cruises und Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, es gebe keine Buchungsrückgänge. Beide Gesellschaften gehören zum Reisekonzern TUI. Bei TUI Cruises sitzt allerdings auch Royal Carribean zur Hälfte mit im Boot.
Die Einbrüche in Europa, von denen der US-Konzern berichtete, bestätigt TUI Cruises nicht. „Wenn wir uns die Zahlen für die aktuelle Buchungsperiode 2012 anschauen, können wir noch keine Auffälligkeiten feststellen“, sagt eine TUI-Cruises-Sprecherin in Hamburg. Allerdings würden gerade auf dem deutschen Markt viele Reisen oft Monate im Voraus gebucht. „Ob sich das Unglück für die neue Saison 2013 auswirkt, können wir jetzt noch nicht absehen.“
Viele Kunden hätten sich allerdings nach den Sicherheitsvorkehrungen und Übungen zur Seenotrettung erkundigt, räumt die Sprecherin ein. Die Übungen würden bei TUI Cruises ab sofort immer vor dem Auslaufen der Schiffe gemacht. Üblich ist, dass sie erst auf See stattfinden.
Vollkommen ruhig sieht die Lage nach eigenen Angaben bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten aus. Es gebe es weder mehr Anfragen im Buchungscenter noch rückläufige Buchungen, versichert eine Sprecherin in Hamburg. Hapag-Lloyd bediene mit kleineren Schiffen allerdings auch speziell den deutschen Markt und sei daher nicht mit Unternehmen wie Carnival oder Royal Caribbean vergleichbar. Der Anteil von Stammkunden sei weitaus höher.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) in Berlin verweist auf ein anhaltend gutes Branchenklima – soweit sich dies wenige Wochen nach dem Unglück überhaupt schon sagen lasse: „Die Stimmung hat sich nicht grundlegend geändert“, betont eine Sprecherin. Die Buchungen für 2012 seien überwiegend abgeschlossen. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass es eine größere Storno-Welle gibt.“
Angesichts der Verunsicherung vieler Reisender rechnet Royal Caribbean im ersten Quartal damit, dass der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um bis zu 76 Prozent einbricht. Die hohen Spritpreise erschweren die Lage für die erfolgsverwöhnten Reedereien noch.

 
 


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