DARMSTADT. Es kann so einfach sein: Wer sich schon während seines Studiums selbstständig macht, kann eine unbeschwerte Gründung auf kleiner Flamme hinlegen: „Praxis sammeln und Einblicke in den Markt gewinnen bei gleichzeitiger, studentischer Absicherung – das ist doch eine tolle Sache“, findet Sebastian Everling. Er leitet das Career Center der Hochschule Darmstadt (HDA), das Studenten, Ehemalige und auch externe Gründer bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt.
Rund 220 Studenten haben sich im vergangenen Jahr beim Career Center über eine Existenzgründung informiert. Im ersten Quartal 2009 waren es 62. Als „Außenstelle“ des Career Centers steht allen Gründungswilligen am Campus Dieburg das Beratungs- und Qualifizierungszentrum für Unternehmensgründung und
-nachfolge (BQZ) als Anlaufstelle zur Verfügung.
Gute Aussichten auf eine erfolgreiche Gründung haben etwa Studenten, die schon zu einem frühen Zeitpunkt ihres Studiums die Möglichkeit einer Existenzgründung in Betracht ziehen: „Wer sich früh genug mit dem Gedanken auseinandersetzt, kann sich zum Beispiel schon im Studium die notwendigen kaufmännischen Grundlagen aneignen“, so Everling.
Andere Studenten schließen zunächst ihr Studium ab und befassen sich erst mit der Selbstständigkeit, wenn sie den Schritt auf den Arbeitsmarkt nicht schaffen. Die Existenzgründung als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit ist laut Everling zwar ein probates Mittel, erfordert jedoch die gleiche, sorgfältige Vorbereitung. „Welche Qualitäten habe ich anzubieten? Was braucht der Markt? Wie bringe ich mein Produkt an den Mann? Diese Fragen muss jeder Gründer aus dem Effeff beantworten können“, erklärt Everling.
Auf dem Weg dorthin helfen den Jung-Akademikern Beratungsstellen wie eben das Career Center der Hochschule Darmstadt. Die Betreuung der potenziellen Existenzgründer umfasst laut Everling fünf Schritte: Wer komplett unvorbereitet kommt, wird zunächst einmal mit Informationen versorgt und muss sich einlesen. Es folgen die Vermittlung in Vorträge sowie Gruppenveranstaltungen. In einer Einzelberatung werden Detailfragen besprochen, bevor schlussendlich die Prüfung der Unterlagen sowie gegebenenfalls eine vertiefte Vermittlung anstehen.
Auch die Technische Universität (TU) Darmstadt will ihre Studenten bei der Existenzgründung unterstützen und bietet im Sommersemester zum Beispiel ein Seminar und eine Ringvorlesung mit dem Titel „Wirtschaftliche und organisatorische Aspekte der Unternehmensführung an“. Die Veranstaltung und das Career Center der HDA stehen auch Gründern offen, die nicht mit den Hochschulen in Verbindung stehen.
Wer sich sein Studium selbst finanziert, hat oft nicht die Möglichkeit zur Rücklagenbildung. Aber gerade in Studiengängen, die für die Existenzgründung geradezu prädestiniert sind, ist die Gründung laut Everling meist sogar recht günstig. Das gilt zum Beispiel für den IT-Bereich oder auch für Medienberufe. „Ansonsten gibt es diverse Förderprogramme, die junge Gründer meist in Form von Darlehen unterstützen“, erklärt der Berater.
Doch alles Geld hilft nichts, wenn die persönlichen Eigenschaften des Gründers nicht stimmen: „Wer gerne bis elf Uhr schläft und seinen Arbeitstag um 16 Uhr beendet, wird es schwer haben“, lacht Everling. Stattdessen sei eine sehr starke Leistungsbereitschaft unbedingt nötig, zudem eine hohe Serviceorientierung und ein gutes Auftreten beziehungsweise eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit.