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10. Juni 2010  | dpa/ale/mam/pelo/wig/e

Unwetternacht über Hessen

Unwetter: Darmstadt weitgehend verschont, Schwerpunkt in Frankfurt und Kreis Bergstraße

 
| Vergrößern | Unwetter zogen in der Nacht zum Donnerstag über Hessen. Vor allem in Frankfurt kam es zu größeren Schäden. Aber auch die Feuerwehren in Südhessen mussten ausrücken. Foto: dpa-Zentralbild
RHEIN-MAIN/SÜDHESSEN. 
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Unwetter zogen in der Nacht zum Donnerstag über Hessen. Vor allem in Frankfurt kam es zu größeren Schäden. Aber auch die Feuerwehren in Südhessen mussten ausrücken. Foto: dpa-Zentralbild

Heftige Unwetter haben in der Nacht zum Donnerstag in Hessen Straßen und Keller überflutet. Besonders betroffen war Frankfurt. Dort rückte die Feuerwehr im Laufe der Nacht knapp 100 Mal aus. Wie ein Sprecher berichtete, stand in Unterführungen und Kellern das Wasser teilweise einen halben Meter hoch. In Nordhessen setzten Blitze zwei Dachstühle in Brand.

In den Frankfurter Stadtteilen Nied, Bockenheim und Sachsenhausen kam der Verkehr auf den Straßen teilweise zum Erliegen. In Bockenheim wurden Hauseinfahrten in der Nähe einer überlaufenen S-Bahn- Unterführung mit Sandsäcken gegen das Wasser abgesichert. In der Voltastraße stürzte ein Baum auf die Oberleitung der Straßenbahn. Mit Motorsägen wurde er zerkleinert und abtransportiert. Menschen wurden nicht verletzt.

Am Frankfurter Flughafen mussten nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport 15 Flüge nach Stuttgart, Köln und Düsseldorf umgeleitet werden. Das Unwetter verhinderte auch, dass das Gepäck verladen werden konnte. ,,Wäre das Unwetter tagsüber gekommen, hätten wir ein Riesen-Chaos gehabt", sagte ein Fraport-Sprecher. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach hatte schon am Nachmittag vor Unwettern gewarnt.

Darmstadt und Umgebung blieben weitgehend verschont, dort rückten die Wehren nur zu kleineren Einsätzen aus. ,,Insgesamt hatten wir 25 Einsätze", erklärt Jens Rönnfeldt, stellvertretender Amtsleiter der Feuerwehr Darmstadt. Bei den meisten Einsätzen handelte es sich um vollgelaufene Keller, fünf Einsätze wegen Brandmeldeanlangen wiesen sich als Störungen aus. ,,Blitze können durchaus eine Rolle gespielt haben", so Rönnfeldt. ,,Das kann man aber nicht mehr genau sagen." Die Eschollbrückerstraße musste kurzfristig gesperrt werden. Wegen eines verstopften Abflusses war die Fahrbahn überflutet. Schwerpunkt in Darmstadt sei die Heimstättensiedlung gewesen. ,,Auch hier handelte es sich im Wesentlichen um vollgelaufene Keller", sagt Jens Rönnfeldt. ,,Wir hatten im Vergleich zum Umland Glück."

Heftiger war das Gewitter an der Bergstraße. Wie das Dezernat Gefahrenabwehr des Kreises mitteilt, gingen zwischen 21.50 Uhr und 1 Uhr in der Leitstelle Bergstraße etwa 130 Anrufe von Bürgern ein, bei denen Wasser in den Keller gelaufen oder Bäume auf die Straße gefallen waren. In Zwingenberg wurde das Dach einer Scheune abgedeckt und landete zum Teil auf der Straße und der angrenzenden Bahnstrecke. In Bürstadt stand ein 5000 Quadratmeter großes Flachdach einer Lagerhalle voll Wasser. Laut Berichten des Hessischen Rundfunks wurden Fahrer auf den Autobahnen aufgefordert, den nächsten Parkplatz anzufahren. Bei Lorsch soll das Wasser 30 Zentimeter hoch auf der Fahrbahn der A 67 gestanden haben. Insgesamt waren 350 ehrenamtliche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) im Einsatz.

Die Einsatzschwerpunkte waren in Bensheim, Viernheim und Zwingenberg, wobei Viernheim besonders stark betroffen war. Alleine in Viernheim wurden die Wehren zu 72 Einsatzstellen gerufen. Meist ging es auch dort um voll gelaufene Keller und umgestürzte Bäume. Bei den Einsätzen bekam die Viernheimer Feuerwehr Unterstützung von den Kollegen aus Weinheim und Lorsch sowie dem THW Viernheim und Heppenheim.
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Wasser sprudelt am Donnerstag kurz nach Mitternacht im Ortsteil Bockenheim von Frankfurt am Main an einer Kreuzung und S-Bahn-Unterführung aus einem Kanal. Foto: dpa

Doch auch die Feuerwehren Heppenheim, Lorsch, Einhausen, Bürstadt, Lampertheim, Fürth, Winterkasten, Wald-Michelbach und Hirschhorn hatten die ganze Nacht zu tun.

Auch am Freitagmorgen waren Feuerwehren und Technisches Hilfswerk noch überall mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Höhe der Schäden ist noch nicht abschätzbar.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg musste die Feuerwehr rund 20 Mal ausrücken Vor allem an der Bergstraße seien die Kräfte zwischen 22.30 Uhr und 0.30 Uhr im Einsatz gewesen, sagte Reinhard Kerschel von der Einsatzleitstelle am Donnerstagmorgen. In Seeheim und Alsbach drang mehrmals Regenwasser und Schlamm durch Fenster in die Keller von Wohnhäusern. In Weiterstadt wurde die Unterführung in Richtung Braunshardt überflutet. Auch in Groß-Umstadt und Schaafheim rückten die örtlichen Feuerwehren aus.

Im Stadtgebiet Groß-Gerau waren die Feuerwehr elf Mal im Einsatz. Schwerpunkt war Dornheim, wo acht Keller unter anderem in der Großen Kreisgasse und in Reihenhäusern im Neckarring vollgelaufen waren. Der gegen 22.50 Uhr alarmierten Dornheimer Feuerwehr, die mit 20 Helfern und drei Fahrzeugen im Einsatz war, kamen dabei 14 Kollegen aus dem Stadtteil Berkach mit weiteren Pumpen und Wassersaugern zu Hilfe.

Den größten und längsten Einsatz allerdings hatte die Stadtwehr, die gegen 0.20 Uhr zu Procter & Gamble in die Siedlung gerufen wurde. Dort war Regen ins Hochregallager eingedrungen und bedeckte zwei Drittel des Lagerbodens ein bis zwei Zentimeter hoch. Bis kurz vor 5.30 Uhr benötigten die zehn Einsatzkräfte um die mehrere tausend Liter Wasser mit zwei Tauchpumpen und mehreren Permanentsaugern ins Freie zu befördern.

Neben dem Einsatz bei Procter & Gamble hatten die Groß-Gerauer noch zwei Keller trocken zu legen.
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Ein Feuerwehrmann beobachtet kurz nach Mitternacht im Ortsteil Bockenheim wie an einer Kreuzung und S-Bahn-Unterführung Wasser aus einem Kanal sprudelt. Foto: dpa

Kreisweit waren wegen des Unwetters 20 Feuerwehren mit rund 300 Helfern und etwa 60 Fahrzeugen rund hundert Mal im Einsatz. Im Wesentlichen waren Wasserschäden zu beheben, geht aus einer Mitteilung der Rettungsleitstelle des Kreises Groß-Gerau hervor. Dazu kamen durch Blitzschlag ausgelöste Brandmeldeanlagen.In Erfelden geriet ein Baum durch Blitzschlag in Brand.

Glück im Unglück hatten Bewohner eines Hauses in der Stettiner Straße in Biebesheim. Bei dem schweren Unwetter schlug hier gegen 21:25 Uhr ein Blitz in das Dach des Gebäudes ein. Glücklicherweise entzündete sich kein Feuer, allerdings wurden Teile des Kamins und des Daches abgedeckt. Verletzt wurde niemand. auch in Immenhausen in Nordhessen schlug während des Unwetters ein Blitz in ein Zweifamilienhaus ein. Acht Menschen konnten sich vor den Flammen in Sicherheit bringen, wie die Polizei in Kassel berichtete. In Bad Emstal-Sand brannte ein Einfamilienhaus, auch dort verließen die Bewohner das Gebäude unbeschadet. Den Schaden schätzt die Polizei auf insgesamt 100.000 Euro.


 
 


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