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02. Oktober 2010  | Von Anne-Katrin Einfeldt

Streit um ein Zentrum für Islamische Studien

Hochschulen: Universitäten in Mittelhessen sollen den Vorzug erhalten - Frankfurt dagegen darf sich nicht bewerben

MARBURG/GIESSEN. 


Islamische Religionslehrer in Hessen auszubilden, ist überfällig. Doch nun gibt es Streit: Das Land hat sich für ein Zentrum für Islamische Studien an den Unis in Marburg und Gießen ausgesprochen. Islamische Organisationen kritisieren dies.

Für Ünal Kaymakci ist es klar: »Islamische Organisationen wurden einfach übergangen.« Scharf kritisiert der Rechtsanwalt, der zur Hazrat-Fatima-Moschee in Frankfurt gehört, die Entscheidung der Landesregierung, sich für ein Zentrum für Islamische Studien an den Universitäten in Marburg und Gießen einzusetzen. Die Goethe-Universität in Frankfurt hat das Nachsehen, obwohl sie zum Wintersemester den hessenweit ersten Bachelor-Studiengang Islamische Studien einrichtet. Angemeldet haben sich dafür rund 100 Studenten.

»Wir sind in einer Konfliktsituation, die wir nie wollten«, sagt der Sprecher der Frankfurter Universität, Olaf Kaltenborn. Die Uni verweist darauf, dass sie seit sieben Jahren zum Themenfeld Islam arbeitet und über große Erfahrung verfügt. Doch eine Bewerbung um eine Zentrum für Islamische Studien gab es nicht.

Den Aufbau von drei bis vier dieser Zentren will das Bundesforschungsministerium bundesweit unterstützen. Dass Frankfurt nicht dabei ist, liegt am hessischen Wissenschaftsministerium. Warum, wird nicht ganz klar. Das Ministerium habe die Frankfurter gebeten, von einem Antrag abzusehen, »um einen hessischen Vorschlag im Rahmen dieses Verfahrens nicht zu gefährden«, teilte die Hochschule lediglich mit. Die Universitäten Marburg und Gießen schweigen zu dem Vorgang.

Die Mitglieder des Runden Tischs »Islamischer Religionsunterricht« beim Integrationsministerium sind »irritiert«. Sie betonen, dass Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) vor kurzem noch die Uni Frankfurt favorisiert hatte. Der Runde Tisch fühlt sich ausgeschlossen, da er dem Wissenschaftsministerium erklärt habe, »unsere Haltung zur Standortfrage in einem Gespräch vermitteln« zu wollen, heißt es. Ein solches Gespräch habe es aber nicht gegeben, bedauert Kaymakci.

Das Bundesforschungsministerium will im Oktober entscheiden, an welchen Standorten Zentren für Islamische Studien gefördert werden. Wann die mittelhessischen Universitäten mit einem solchen Projekt starten könnten, ist ungewiss. Die Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) strebt jedenfalls ein Institut mit sechs Professuren an.

Kaymakci sagt, die muslimischen Organisationen vermissten eine »klare Linie, inwieweit mit uns kooperiert wird, oder ob die Landesregierung ihr eigenes Ding durchziehen will«. Er vermutet Differenzen zwischen dem CDU-geführten Wissenschaftsministerium und dem FDP-geführten Integrationsministerium. Diesem Eindruck versuchten beide Häuser entgegenzutreten: In einer gemeinsamen Pressemitteilung betonten die Minister, sie seien sich einig, ein Zentrum Islamische Studien »für Hessen gewinnen zu wollen«.


 
 


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