Wird Hessen zunehmend sicherer? Die Zahl der Straftaten geht nach der Kriminalstatistik zurück, die mutmaßlichen Täter werden häufiger gefasst. Allerdings: In dem für viele Menschen sensiblen Bereich der Wohnungseinbrüche gibt es mehr Delikte.
In hessische Wohnungen und Häuser wird immer häufiger eingebrochen. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte am Freitag in Wiesbaden, dass die Zahl der Einbrüche 2011 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 10 874 Fälle gestiegen sei. Da bereits im Jahr zuvor eine Steigerung in dem Bereich um 16 Prozent zu verzeichnen gewesen sei, so Rhein, seien die Einbrüche „unser Sorgenkind“. Er räumte ein, dass viele Menschen den Einbruch in die Privatsphäre der eigenen vier Wände als besonders belastend wahrnähmen.
Positiv ist Rhein zufolge aber die Entwicklung bei der Zahl der registrierten Straftaten insgesamt: Danach sei diese in Hessen um 1,3 Prozent auf 396 834 Delikte gesunken. Dies sei der niedrigste Wert seit 1984. Zudem haben die Polizisten die höchste Aufklärungsquote seit 1971 erreicht: In 58,5 Prozent der Fälle seien die mutmaßlichen Täter gefasst worden, sagte der Minister bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2011.
Bei Wohnungseinbrüchen werden nach Angaben von Rhein aber nur 17,2 Prozent der Taten aufgeklärt: Verbesserungen dort seien „unsere Hausaufgaben“, sagte er: Die Polizei werde verstärkt an den bekannten Zu- und Abfahrtsstraßen kontrollieren. Zudem wolle man in Brennpunkten Präsenz zeigen. Zudem will Rhein neue „Tatortgruppen“ in den Polizeipräsidien gründen, die anders als bisher auch nachts Spuren sichern. Eine entsprechende Einheit gebe es bereits in Frankfurt. Rhein erläutert, dass viele Einbrüche nicht aufgeklärt würden, weil die Polizei bei Fällen in der Nacht meist erst am Morgen an den Tatort komme. Spuren seien oft bereits von den Bewohnern weggewischt worden. Das Problem solle mit den Tatortgruppen ab März in verschiedenen Polizeipräsidien angegangen werden. Rhein betonte aber auch, dass die Bevölkerung stärker auf die Sicherheit in den eigenen vier Wänden achten müsse: „Es ist zum Teil erschreckend, wie wenig Fenster und Türen gesichert sind.“ Als Erfolg, auch der Aufklärungsarbeit der Polizei, wertete er, dass 40 Prozent aller versuchten Einbrüche scheiterten.
Rhein sagte, dass auch im Bereich der Computerkriminalität (plus 10,3 Prozent) und der Wirtschaftskriminalität (plus 40 Prozent) die Deliktzahlen gestiegen seien. In anderen Bereichen – etwa Mord, Totschlag, Raub, Körperverletzung, Diebstahl und Vermögensbetrug – sind die Zahlen zurückgegangen.
Erfreulich sei auch, dass die Zahl der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden um rund 2900 auf etwa 32 400 gesunken sei. Den Rückgang bei den Acht- bis Zwanzigjährigen, die vorwiegend wegen Diebstahl oder Gewaltdelikten sowie Sachbeschädigung verdächtigt sind, führte er auf Präventionsarbeit zurück. Auch sei das Projekt „Gelbe Karte“ erfolgreich, das in Wiesbaden, Fulda und Gießen angewendet wird. Dabei würden mögliche Täter frühzeitig gewarnt – durch den drohenden Verlust des Führerscheins nach Gewaltstraftaten.
Die SPD erklärte, dass Hessen nicht sicherer geworden sei: Die Zahl der erfolgreichen und versuchten Wohnungseinbrüche sowie der Raubüberfälle auf Straßen sei spürbar angestiegen. Offenbar könne Rhein den Bürgern „kein echtes Mehr an Sicherheit bieten“. Grund seien Einsparungen der Regierung bei der Polizei.
Die Grünen werteten die „sinkende Kriminalität und steigende Aufklärungsquoten“ als erfreulich. Dennoch sei dies „kein Grund zu Jubelorgien“: Hessen liege im Ländervergleich bei der Aufklärungsquote auf dem siebten Platz und in drei Bundesländern gebe es – bezogen auf 100 000 Einwohner – weniger Delikte.
Kriminalität in Hessen rückläufig
Die Polizisten haben die höchste Aufklärungsquote seit 1971 erreicht
WIESBADEN.
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