Die Broschüre „Klartext für Wiesbaden“ gibt es hier.
Komplizierte Abkürzungen oder ellenlange Schachtelsätze in Behördenschreiben geben Bürgern immer wieder Rätsel auf. Viele hessische Städte und Gemeinden haben unverständlichem Amtsdeutsch deshalb den Kampf angesagt. In Wiesbaden wollen die zuständigen Dezernenten in den kommenden Tagen eine Zwischenbilanz des Projekts „Klartext in Wiesbaden“ ziehen. Auch im nordhessischen Kassel wird der sperrigen Behördensprache der Kampf angesagt.
Im November 2010 hatten Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Leitlinien erstellt, mit denen die Behördenmitarbeiter ihr Amtsdeutsch entschlacken und beispielsweise Bußgeldbescheide, Informationen und Mahnungen einfacher und verständlich werden sollen. „Verwaltungstexte führen oftmals zu Missverständnissen und Irritationen“, schreibt Müller in seinem Vorwort zu den Leitlinie. Insgesamt sollten die Texte deshalb höflicher, verständlicher, geschlechtsneutral und einfacher zu lesen sein.
Wörter wie „Billigkeitsmaßnahme“, „vorgenannt“ und „Feedback“ sollen in Zukunft tabu sein – besser sei „Ratenzahlung“, „oben genannt“ und „Rückmeldung“. Andere Wörter wie „Unterhaltsvorschussleistung“ oder „Kindertagesstättenmindestgebühr“ können nach Einschätzung der Verfasser leichter als „Unterhaltsvorschuss“ und „Mindestgebühr für die Kindertagesstätte“ verstanden werden. Der Bürger dürfe außerdem nicht mit komplizierten Abkürzungen wie etwa OWiG für Ordnungswidrigkeitsgesetz alleingelassen werden. Sie müssten ausgeschrieben und erklärt werden.
Neben sprachlichen Anregungen geben die Experten im Wiesbadener Leitfaden auch Anregungen für einen besseren Textaufbau. Demnach sollen Beamte Blockabsätze vermeiden und Spiegelstriche, Markierungen und Kästen zur besseren Gliederung verwenden. Auch knappere Einleitungen mit konkreten Handlungsanweisungen seien langen Voraberklärungen vorzuziehen.
Leitsätze für die Behördensprache gibt es neben Wiesbaden auch in anderen hessischen Städten wie etwa in Kassel. Sie sind einem Stadtsprecher zufolge ähnlich formuliert wie in der Landeshauptstadt und enthalten unter anderem Tipps zum Erstellen von Briefbogen. In Kassel werden Mitarbeiter und Auszubildende darüber hinaus regelmäßig geschult.
Vorkämpfer für das vereinfachte Behördendeutsch waren allerdings die Bochumer Stadtverwaltung und Sprachwissenschaftler der Ruhr-Universität. Seit mehr als zehn Jahren gehen sie gegen den Amtsschimmel vor. Auch in ihrem gemeinsamen Leitfaden gilt die Maxime: Einfache Wörter und persönliche, höfliche Ansprache statt veralteter Begriffe und autoritärem Befehlston.
Merken
|













