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22. Februar 2012  | ben

„Viel Papier, aber nichts dahinter“

Energiegipfel – Wohnungswirtschaft kritisiert Landespolitik ungewöhnlich harsch

WIESBADEN. 


Häuserfassaden dämmen, moderne Fenster einbauen und Heizungsanlagen auf Vordermann bringen: Die Sanierung von Wohnungen ist wichtig, um Energie zu sparen und die Energiewende voranzutreiben. Der hessische Energiegipfel hatte Ende 2011 im breiten Konsens beschlossen, dass künftig drei Prozent der Wohnungen jährlich energetisch saniert werden sollen.
Die hessische Wohnungswirtschaft hat das avisierte Ziel nun als illusorisch bezeichnet, sollten nicht neue Mittel bereitgestellt werden. Zur Erreichung einer Sanierungsquote von drei Prozent müssten jährlich 500 Millionen Euro Fördermittel bereitstehen, sagte Rudolf Ridinger vom Verband der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) gestern. Das Land plane hingegen 2012 nur mit 80 Millionen Euro für alle Maßnahmen der Energiewende, sagte der Direktor des Verbandes, der für 400 000 Wohnungen steht. Ridinger monierte, dass auch die Bundesmittel reduziert würden und eine Einigung über Steuererleichterungen für Immobilienbesitzer im Bundesrat blockiert werde.
Zu den Ergebnissen des Energiegipfels sagte Ridinger weiter: „Wir haben viel Papier, aber praktisch nichts dahinter.“ Es sei enttäuschend, dass die geplanten Umsetzungsschritte „nicht neu oder nicht zielführend“ seien. Als Beispiel führte er die von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) vorgestellte Förderung von modernen Heizungs-Umwälzpumpen an. Damit würde nur etwas Strom eingespart, betonte Ridinger. Viel sinnvoller sei hingegen, Heizungsanlagen exakt einzustellen; damit ließe sich der Wärmeverbrauch um 20 bis 30 Prozent verringern.
Der VdW-Direktor forderte ein eigenes Landesförderprogramm zur energetischen Sanierung. Dies sei wichtig, um mit Blick auf die Ziele des Energiegipfels „glaubwürdig“ zu sein. Ridinger sagte, dass es in Hessen rund 2,9 Millionen Wohnungen gebe. Derzeit würden aber nur 0,75 Prozent der Wohnungen pro Jahr modernisiert, nicht wie angepeilt drei Prozent. Zudem sei der Statistik zufolge die Zahl der Sanierungen in Hessen von 2010 auf 2011 um 65 Prozent zurückgegangen.

 
 


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