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01. Dezember 2010

Chronologie der Ereignisse und Entscheidungen

Museum Sander: Die Debatte über den Museumsbau begann, als die Entscheidung gefallen war - Eine Chronik


Als »Spielwiese« einer »behutsamen Nachverdichtung« ist das Grundstück des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses Christiansen im November 2006 bezeichnet worden. In den Berichten zum Forum »Entwicklung Mathildenhöhe Darmstadt« fordern Vertreter der Darmstädter Stadtverwaltung und ausgewählte Bürger einen »Neubau von höchster Qualität, um die räumliche Fassung des Ernst-Ludwig-Hauses symmetrisch zur Aufgangstreppe wieder erlebbar zu machen«. Vom gleichen Forum wird jedoch auch befürwortet, dass auf dem Osthang der Mathildenhöhe »ein neues kreatives Quartier mit Ausstellungsflächen entstehen« könnte.

Auf dem Grundstück des ehemaligen Hauses Christiansen soll nach dem Willen der Stadt Darmstadt und der Hans-Joachim-und-Gisa-Sander-Stiftung das private »Museum Sander« entstehen, wogegen Bürger, Politiker und Sachverständige protestieren. Der Streit wird ab heute in drei Fachforen öffentlich diskutiert werden. Dabei geht es nicht nur darum, ob an diesem Ort der geplante Neubau des Leipziger Architekturbüros Schulz und Schulz entstehen soll. Entscheidend wird auch sein, ob die städtische Politik, die manchem Bürger zu viel im Hintergrund beschlossen hat, Vertrauen zurückgewinnen kann.

Die Position der Museumsbefürworter wird meistens von Nikolaus Heiss vertreten. Der frühere städtische Denkmalpfleger hat sie in einer »Rahmenkonzeption Mathildenhöhe« niedergeschrieben, die im Juli 2009 veröffentlicht wurde. Heiss möchte, dass an der Stelle der Christiansen-Villa wieder ein Gebäude entsteht, das »die Idee Olbrichs mit der engen Beziehung von Künstlerhäusern und Ateliergebäude in einer städtebaulichen Komposition wieder erfahrbar macht.«

Als das Rahmenkonzept veröffentlicht wird, ist der Museumsgedanke längst geboren. Im Sommer 2008 stellt das Ehepaar Sander dem Darmstädter Magistrat seine Idee eines Museumsneubaus auf der Mathildenhöhe vor. Die Verwaltung schlägt dem Oberbürgermeister im Februar 2009 vor, das Christiansen-Grundstück an die Sanders in Erbpacht für 50 Jahre zu vergeben. Dort soll im Rahmen einer Stiftung ein Teil der Sander-Gemäldesammlung ausgestellt werden. Der Denkmalbeirat wird im März unterrichtet.

Im Frühjahr/Sommer 2009 präsentiert Heiss dem Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Gerd Weiß seine Konzeption; dieser vertritt den Standpunkt, dass die Neubebaung mit einem Museum Sander geeignet für den Ort ist. Am 22. Juli 2009 stimmt der Magistrat dem Projekt zu; am 23. Juli 2009 wird dieser Vertrag von Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann unterzeichnet. Die Öffentlichkeit erfährt tags darauf, am 24. Juli 2009 bei einer Pressekonferenz von dem bereits beschlossenen Vorhaben.

Der städtische Denkmalbeirat äußert sich am 30. Juli 2009 »hoch erfreut« über das Projekt. Es findet auch breite Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung, die mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP sowie Bündnis 90/Die Grünen am 3. September 2009 dafür votiert, am späten Abend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung.

Im März 2010 fordert der ehemalige Darmstädter Kulturreferent Bernd Krimmel die Bürger zum Widerstand gegen das neue Haus auf. Er plädiert für einen Neubau am Osthang, der auch die großen Platzprobleme des Instituts Mathildenhöhe lösen könne. Ralf Beil, der Direktor des Instituts Mathildenhöhe, bringt dann den Stein ins Rollen. Als am 28. Juni 2010 das Ergebnis des Architekturwettbewerbs vorgestellt wird, kritisiert er den Bau des Museums am Südhang. Die städtebaulichen Voraussetzungen von 1901 seien nicht wiederherstellbar, dafür verstelle eine Neubebauung die aktuellen Sichtachsen. Beil plädiert für den Osthang und eine öffentliche Diskussion über ein mögliches Sander-Museum an diesem Standort. Unterdessen fordert wie das Preisgericht auch der Denkmalbeirat Änderungen am Entwurf für das Museum.

Eine breite Diskussion entwickelt sich ab Juli 2010 vor allem in der Internet-Gemeinschaft Facebook. Aus dieser Bewegung gründet sich die Bürgerinitiative »SOS Mathildenhöhe Darmstadt«, die rasch viele Fürsprecher in der Bürgerschaft und unter Fachleuten findet. Im Juli, August und September 2010 führen die Bürgerproteste zu Podiumsdiskussionen und politischen Reaktionen: Neben Uffbasse und Alternative Darmstadt, die von Beginn an dagegen waren, kritisieren nun auch die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und CDU den politischen Entscheidungsprozess, dem es an Bürgerbeteiligung gefehlt habe. Die Bürgerinitiative bringt zudem den Begriff des »Bodendenkmals« ins Spiel; unter dem Rasen des zu bebauenden Grundstücks seien schützenswerte Überreste des Hauses Christiansen. Am 28. Oktober 2010 erklärt Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann sein Vorhaben, Joachim-Felix Leonhard, den früheren Staatssekretär im Hessischen Kunstministerium, als Vermittler im Museumsstreit einzusetzen.


 
 


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