Der Rang der Werke aus der Sammlung Kasser/Mochary Family Foundation wird schon im Titel der Schau „Linie und Skulptur im Dialog: Rodin, Giacometti, Modigliani. . .“. deutlich. Wir sprachen mit der Kuratorin Beate Kemfert über das Projekt.
ECHO: Frau Kemfert, welche Werke umfasst die Kasser/Mochary Foundation? Und wo werden die Arbeiten normalerweise ständig präsentiert?
Beate Kemfert: Der zeitliche Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der Spanne vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Ankaufsentscheidungen traf das Sammlerehepaar Kasser stets gemeinsam. In den siebziger Jahren reisten sie immer wieder nach Europa, nicht zuletzt um Kunstwerke europäischen Ursprungs zusammenzutragen. Ihr Hauptinteresse galt dabei der Skulptur, besonders dem Bildhauer Auguste Rodin. Die Familiensammlung wird heute in verschiedenen Depots in Wien, München und in den USA gelagert, außerdem sind ausgewählte Werke sowohl in europäischen als auch in amerikanischen Museen als Dauerleihgaben zu sehen.
ECHO: Welche Bedeutung messen Sie der Sammlung zu?
Kemfert: Alexander und Elisabeth Kasser sammelten enthusiastisch und kompetent. Es ist auffällig, dass kaum ein Klassiker der Moderne fehlt. Was dabei zunächst nach einer repräsentativen Auswahl wichtiger Namen aussieht, erscheint auf den zweiten Blick aber als Ergänzung zur herkömmlichen Geschichtsschreibung: Moderne scheint ja auf Begriffe wie Provokation, Kritik und Hässlichkeit festgelegt, Elisabeth und Alexander Kasser haben hier aber differenzierter gesehen. Sie haben Werke vereint, die zum Sehen anregen und Wohlgefallen auslösen. Ihre persönlich geprägte Auswahl erzählt von der individuellen Freiheit des Sammlers, lässt dem Betrachter aber auch seine Aufgabe.
ECHO: Wie entstanden die Kontakte zu den Leihgebern?
Kemfert: Vorangegangene Ausstellungen der Opelvillen, insbesondere unsere Henry-Moore-Ausstellung vor vier Jahren, wurden zu Weichenstellern.
ECHO: Welchen inhaltlichen „Leitlinien“ folgt diese Schau?
Kemfert: Bei der Überlegung, wie die Sammlung selektiv, aber signifikant vorgestellt werden kann, standen Fragen der Kunstentwicklung im Vordergrund. Nach einer Sichtung aller Kunstwerke entwickelte ich die Ausstellungskonzeption „Linie und Skulptur im Dialog“. Die Stiftung stimmte diesem Vorhaben und auch der Ausstellungslänge bis zum Februar des Jahres 2013 vertrauensvoll zu.
ECHO: In Deutschland wird es drei Präsentationsorte geben. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Kemfert: Ambitionierte Projekte können nur mit Hilfe von Partnern realisiert werden. Die Museen in Freiburg und Jena fragte ich nach Absprache mit den Leihgebern, ob sie die von mir entwickelte Ausstellung übernehmen möchten. Das Freiburger Museum für Neue Kunst schätzt die Opelvillen bereits aus vorangegangenen Kooperationen, die Kunstsammlung Jena konnte als neuer Partner gewonnen werden.
ECHO: Seit wann arbeiten Sie an der Vorbereitung für Ausstellung und Katalog?
Kemfert: Die ersten Gespräche mit der Kasser/Mochary Family Foundation führte ich bereits im Jahr 2008. Mit der Katalogarbeit haben 2010 begonnen.
ECHO: Wie können die Opelvillen dieses erneut aufwendige Projekt finanzieren?
Kemfert: Es wurde erst durch die gewonnenen Tourneepartner und die erfolgreiche Akquise zahlreicher Sponsoren möglich. Die Ausstellung erhält Fördermittel von Unternehmen und Stiftungen, insbesondere von der Hessischen Kulturstiftung, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau.
ECHO: Der Katalog erscheint in Deutsch und Englisch. Warum?
Kemfert: Der Hauptsitz der Kasser/Mochary Family Foundation ist in den Vereinigten Staaten, so dass Englisch für die Leihgeber unerlässlich ist. Durch die Zweisprachigkeit kann der Ausstellungskatalog nicht nur im deutschsprachigen Raum vertrieben werden, sondern findet seinen Weg sicher auch auf die Büchertische in Europa und in Übersee.
Moderne, die Wohlgefallen auslöst
Opelvillen: Die Werke der Schau stammen aus der Sammlung Kasser/Mochary Family Foundation
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