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30. November 2009  |  anne

Zu wenig hier, zu viel dort: Förderpreis an Andreas Stichmann

DARMSTADT. 

Andreas Stichmann hat am Samstag den mit 5000 Euro dotierten Kranichsteiner Förderpreis erhalten. Der Kür durch den Deutschen Literaturfonds ging ein Dreikampf im Darmstädter Glückerthaus voraus. Mitbewerber Clemens J. Setz war überrascht: ,,Drei Autoren, drei Juroren", das sei hart. Beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, bei dem er 2008 den Ernst-Willner-Preis gewonnen hatte, seien es immerhin 14 Autoren und sieben Juroren gewesen. So wettbewerbsgeprüft, konnte der 1982 geborene Autor die Jury jedoch mit seiner Erzählung ,,Der Prolog des Fotografen David Perlmann" nicht überzeugen.

Setz erzählt die peinliche Vorführung eines zehnjährigen Jungen durch den Fotografen Perlmann, mit dessen Tochter sich dieser Junge zuvor eine unschuldige körpernahe Rangelei geliefert hatte. Dagmar Leupold vom Vorstand des Literaturfonds, Gregor Dotzauer, Redakteur des ,,Tagesspiegel", und der Literaturkritiker Wend Kässens vermissten in Setz' Text die Ausgestaltung der Personen. Mit nicht unterfütterten Behauptungen fehle es dem Text an Aussagekraft.

Zu wenig hier, zu viel dort: Auch der Romananfang von Judith Schalansky (Jahrgang 1980) stieß nicht auf das Wohlwollen der Jury. Ihre Darstellung einer Biologie-Lehrerin in Vorpommern in dem Romanprojekt ,,Darwins Giraffen" leide an ,,Überdeterminierung", wie Leupold es ausdrückte. Dotzauer und Leupold bescheinigten der Autorin eine ,,hübsche" bis ,,sehr gute" Erzählweise, die Kässens seinerseits zu bieder und brav fand.

In der Diskussion um die Erzählung ,,Nachts im Hertie" des 1983 in Bonn geborenen Autors Andreas Stichmann, wurde deutlich, wem die Sympathien der Jury gehörten. Stichmann erzählt von einem traumatisierten Flüchtling aus dem Iran, der seinen Kollegen in einer Reinigungskolonne immer wieder die Umstände seiner Flucht berichtet. ,,X-mal haben wir die Geschichte schon gehört, aber Stichmann versteht es, sie uns nahe zu bringen", urteilte Gregor Dotzauer. Im Anschluss an diesen Wettbewerb verlieh der Literaturfonds zwei Reisestipendien: Der Darmstädter Kurt Drawert wird zehn Wochen in New York verbringen. Nach London wird Kay Weyand geschickt.


 
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