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17. März 2009  | Klaus Trapp

Rufe aus dem Dunkel

Chorkonzert: Das „Vocalensemble Darmstadt“ unter der Leitung von Andreas Boltz singt Passionsmusik in der Stadtkirche in Babenhausen

BABENHAUSEN. Unter dem Motto „Tenebrae“ stand ein Konzert am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche in Babenhausen, das vom „Vocalensemble Darmstadt“ unter der Leitung von Andreas Boltz gestaltet wurde. Das lateinische Wort „Tenebrae“ bedeutet Finsternis, und es bezeichnet somit die dunkle Atmosphäre um die Passion Christi. Dass aus der Dunkelheit zugleich die Hoffnung auf Licht erwächst, haben Komponisten aller Epochen in ihren Passionsmusiken zum Ausdruck gebracht. „Tenebrae“ bezieht sich ursprünglich auf das liturgische Stundengebet, das am Karfreitag in der Dunkelheit vorgetragen wird. Dabei werden allmählich alle Kerzen ausgelöscht, um so die Todesangst Jesu intensiver nachempfinden zu können.

Das Programm des Ensembles stellte Werke aus dem 16. Jahrhundert solchen der Moderne gegenüber und machte damit die zeitübergreifende Bedeutung des Themas deutlich. Der etwa 30 Mitglieder zählende Chor beeindruckte durch die Sauberkeit des Singens, durch die Balance zwischen den Stimmen und die Gestaltungskraft, die Boltz mit seinem suggestiven Dirigat förderte.

Drei sechsstimmige Vertonungen der Jeremias-Lamentationen des Spaniers Luis de Victoria, der 1571 Nachfolger Palestrinas in Rom wurde, wirkten durch die Klarheit, mit der die polyphone Stimmführung nachgezeichnet wurde, wie durch die Intensität, mit der die Spannungsverläufe dargestellt waren. Zwei ebenfalls sechsstimmige Responsorien des Carlo Gesualdo da Venosa wurden in ihrem kühnen, durch chromatische Rückungen bestimmten Duktus besonders eindringlich gestaltet, wobei die engen Wort-Ton-Beziehungen erkennbar waren.

Ein zwölfstimmiges „Stabat mater“ von Palestrina gelang bei dreichöriger Aufstellung der Sängerinnen und Sänger raumfüllend und zugleich bewegend. Der französische Komponist Francis Poulenc, der sich 1935 nach einem religiösen Erweckungserlebnis der geistlichen Chormusik zuwandte, war mit zwei sechsstimmigen Motetten für die Passionszeit vertreten. Die geschmeidige, bildhafte Tonsprache, die Traditionelles mit Originellem verbindet, wurde sehr lebendig umgesetzt.

Das anspruchsvolle Programm enthielt außerdem eine Komposition des Chorleiters Andreas Boltz, den Karfreitagsgesang „Ecce lignum crucis“ für neun Stimmen. Die Anordnung der Sänger in Kreuzesform, die kunstvolle Verflechtung der Kyrie-Anrufungen mit zwei Quintkanons, die herbe Harmonik und die Raumwirkung ergänzten sich hier zu einem ganz eigenen, verinnerlichten Gesamteindruck. Es gab starken, lang anhaltenden Beifall für den Dirigenten und das Ensemble.

 


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