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Die glockenhelle Stimme des Barock

Residenzfestspiele: Countertenor Doron Schleifer singt am Sonntag Liebeslieder und Arien aus dem 16. und 17. Jahrhundert

DARMSTADT. Countertenor wird ein Mann nicht einfach so. Auch beim 29 Jahre jungen Sänger Doron Schleifer war es ein langer Weg, bis er herausfand, dass es ihm wesentlich
DARMSTADT. Countertenor wird ein Mann nicht einfach so. Auch beim 29 Jahre jungen Sänger Doron Schleifer war es ein langer Weg, bis er herausfand, dass es ihm wesentlich leichter fällt, in den weiblichen Stimmlagen Alt und Sopran zu singen. Von seinem Können gibt der in Jerusalem geborene Israeli am Sonntag (26.) bei den Darmstädter Residenzfestspielen im Kollegiengebäude eine Kostprobe, wenn er in seinem Programm „Vedrò il mio sole!“ barocke Liebeslieder und Arien aus Italien vorträgt.

Seine Liebe zur Musik reicht bis in Kindertage zurück: Als Junge war er bereits Solist in verschiedenen Jerusalemer Chören. Dann machte ihm erst einmal der Stimmbruch einen Strich durch die Rechnung. Also belegte er an der High-School der Jerusalemer Akademie für Musik und Tanz zunächst das Fach Klavier. Mit 18 wurde Schleifer für vier Jahre in die israelische Armee eingezogen. Danach tauchte jedoch die unvermeidliche Frage wieder auf: Wie geht es mit der noch jungen musikalischen Karriere weiter?

Ein Gesangslehrer, der viel mit Doron Schleifers Stimme experimentierte, fand die Lösung: „Am Ende stellten wir fest, dass sich meine Stimme ideal für einen Countertenor eignet, weil Sopran für mich viel leichter zu singen ist als Tenor“, erinnert sich der junge Mann mit der hellen, kristallklaren Sprechstimme. Dass Schleifer schon immer ein Faible für die Alte Musik des Barock und der Renaissance hatte, war ein glücklicher Zufall – für Gesangspartien aus dieser Zeit werden am häufigsten Countertenöre eingesetzt.

Es folgte ein Studium an der Jerusalemer Akademie für Musik und Tanz, in dessen Verlauf Schleifer unter anderem einen Gesangswettbewerb gewann und an verschiedenen Musik-Projekten mitwirkte.

Seit zwei Jahren belegt er ein Aufbaustudium an der Schola Cantorum Basiliensis, einer Hochschule für Alte Musik in Basel, wo er sich als Countertenor weiter spezialisiert. „Hier sind die ganzen Inhalte auf Barock- und Renaissance ausgerichtet – wir lernen beispielsweise alles über Notationen, Faksimiles und den Basso Continuo“, erklärt Schleifer, der außerdem Mitglied des israelischen Männer-Vokal-Ensembles „Profeti della quinta“ ist.

Mit seinen vier Kollegen nahm er auch seine erste CD auf: eine Sammlung jüdisch-italienischer Barock-Musik von Salomone Rossi, teilweise auf hebräisch gesungen. Eine weitere CD mit Francesco Feos „Passio secundem Joannem“ spielte Schleifer erst kürzlich mit dem Barock-Ensemble „La Divina Armonia“ ein.

Dass es derzeit im klassischen Genre relativ viele junge Countertenöre gibt, führt Doron Schleifer einerseits auf die Entwicklung der Alten Musik Szene zurück. Aber auch erfolgreiche Vorbilder wie der deutsche Countertenor Andreas Scholl machten es den jungen Sängern leichter, sich selbstbewusst für diese musikalische Richtung zu entscheiden. Der Engländer Alfred Deller, der vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren auftrat, habe es da noch schwerer gehabt: „Heute muss man sich nicht mehr für seinen Gesang schämen.“

Selbstbewusst will Schleifer auch in Darmstadt auftreten, wenn er Lieder und Arien vom frühen bis zum Hochbarock vorträgt: Stücke von Francesco Turini, Salomone Rossi, Giulio Caccini, Gian Paolo Cima, Girolamo Frescobaldi und Henry Purcell sind ebenso vertreten wie Sonaten und Kantaten von Händel, die seinerzeit vermutlich von Kastraten gesungen wurden. Sein Favorit, gesteht Schleifer, sei „Gentle Morpheus son of night“ von Händel – „Das passt so gut zum Festspielmotto ,Sternstunden‘“.

Gegen das Lampenfieber hat Doron Schleifer ein ganz eigenes Rezept: „Ich versuche, vorher so ängstlich wie möglich zu sein. Dann kann mich der Auftritt selbst nicht mehr schocken.“

 

Artikel Text Laenge: 3810

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  • 25. Juli 2009
  • Von babs
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