Die heimlichen Stars des Abends sieht man erst nach achtzig Minuten beim kräftigen, wenn auch nicht enthusiastischen Schlussbeifall. Es sind die Musiker des kleinen, von Michael Erhard geleiteten Orchesters. Sie haben bei der Premiere am Freitagabend die Komposition von Tom Waits mal temporeich vorangetrieben, mal melancholisch ausgemalt: Die Musik ist es, die dieser Fassung von Büchners „Woyzeck“ ihren starken Charakter verleiht. Das Drama wird zum bitter getönten Musical, und die Songs fügen sich nicht schlecht zur expressiven Kraft der fragmentarisch überlieferten Szenen. Im Kleinen Haus des Darmstädter Staatstheaters hat Malte Kreutzfeldt das Konzept des Regisseurs Robert Wilson mit seiner Inszenierung sehr eigenständig ausgefüllt. Simon Köslich überrascht als Woyzeck, der im Laufschritt beständig auf der Flucht zu sein scheint, ein argloser Mensch in einem Panoptikum schräger Gestalten.
Büchner-Musical: Woyzeck auf der Flucht
DARMSTADT.
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