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18. Juni 2010 Von Kerstin Fritzsche

Im Internet hat die Tröte genauso viele Fans wie Feinde

Internetkultur: Musiker surfen auf der Marketing-Erfolgswelle mit

| Vergrößern | Im Netz hat die Tröte genauso viele Fans wie Feinde. Foto: dpa
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Im Netz hat die Tröte genauso viele Fans wie Feinde. Foto: dpa


Im Internet sind in den letzten Wochen weltweit zahlreiche Menschen aktiv geworden, um der afrikanischen Nerv-Tröte den Trichter zu stopfen. Mit der deutschen Webseite ,,Gegen Vuvuzelas - Pro Stimmung!" streben die beiden Hamburger Stefan Watzinger und Bastian Fröhlig mit einer Petition ein Verbot der Vuvuzelas in Stadien an und haben dafür in Deutschland schon über 200 000 Unterschriften bekommen.

,,Die Terror-Tröte unterdrückt alle anderen Emotionen beim Fußball. Um in Stimmung zu kommen, braucht man sie nicht", so Fröhlig gegenüber dem ECHO. Bereits vor der WM hatten er und Watzinger sich an die FIFA gewandt. Ohne Erfolg. Nun ist ihr Ziel, mit der Petition in Europas Stadien ein Vuvuzela-Verbot zu erreichen.

Auch die Plattform www.antivuvuzela.org strebt eine Petition gegen das Instrument an und wirbt mit einem nicht ganz jugendfreien umgedichteten Musikvideo auf der Videoplattform Youtube für ihr Anliegen. Wohlgemerkt beschweren sich die Aktionisten aber nicht über die Lärmbelästigung im Alltag, sondern über die Beeinträchtigung des WM-TV-Genusses: ,,Das ist wie wenn man eine Millionen Bienen im Fernseher hat, den ärgerlichen Sound aber nicht herausfiltern kann."

Überhaupt kann man auf Y outube derzeit an der Vuvuzela nicht vorbei: Über 3000 Ergebnisse werden bei der Suche angezeigt, man wird aber auch direkt auf der Startseite schon mit der Tröte konfrontiert - es sind eben die derzeit am meisten geklickten Videos.

Darunter sind etliche Anti-Vuvuzela-Videos. Ein Spaßvogel aus England hat gut vier Minuten aus dem Film ,,Der Untergang" alternativ untertitelt, so dass er Hitler eine Tirade über die Vuvuzela als Manöver Sepp Blatters gegen die deutsche Elf halten lässt. In einem anderen Video hat er TV-Material so zusammengeschnitten, dass Obama sich scheinbar kritisch zum ,,Vuvu"-Lärm äußert.

Der Renner ist jedoch das Video ,,Lass die Finger von der Vuvuzela", umgedichtet zur Melodie von ,,Lass die Finger von Emanuela" der deutschen Rap-Combo Fettes Brot. Seit es vergangene Woche das erste Mal auf Youtube auftauchte, wurde es schon ein paar Mal wegen Verletzung der Urheberrechte gesperrt. Es wird aber immer wieder auf die Plattform oder in andere Netzwerke hochgeladen.

Bei Youtube, das kürzlich seinen fünften Geburtstag feierte, werden jede Minute 24 Stunden Videomaterial hochgeladen. Da ist es schon ein Erfolg, wenn sich ein Schlagwort international durchsetzen kann. Auch in sozialen Netzwerken haben sich zuhauf Anti-Vuvuzela-Gruppen gebildet. Die meisten gibt es - quasi analog zum Panini-Bilder-Tauschboom - auf Facebook.

Die erfolgreichste heißt ,,FIFA, ban the annoying Vuvuzela" (FIFA, verbanne die ärgerliche Vuvuzela). Sie wurde erst Ende Mai gegründet und hat schon über 230 000 Mitglieder.

Es gibt aber auch viele Internet-Nutzer, die mitsurfen auf der Erfolgswelle der Nerv-Tröte: Zahlreiche Youtube-Videos, vor allem irgendwelche Musikstücke, haben absolut nichts mit dem afrikanischen Instrument zu tun, aber das Schlagwort ,,Vuvuzela" im Titel erhöht natürlich die Chancen, gefunden zu werden. Ein Hamburger Musiker hat derzeit sogar in sein MySpace-Profil das Wort ,,Anti-Vuvuzela" eingebaut, um wahrgenommen zu werden. Geschmackssache, ob dann Electroclash in Manga-Optik weniger nervig ist als die ,,Vuvu".

Den größten musikalischen Erfolg - nicht nur im Netz - mit der Vuvuzela dürfte derzeit die Münsteraner Studentengruppe ,,Uwu Lena" erzielen, schlau gepaart mit dem anderen aktuellen, schrägen Phänomen, dem deutschen Eurovision-Sieg durch Lena Meyer-Landrut. Ihren Song ,,Satellite" haben die Studenten auf ,,Schland, oh Schland" umgedichtet, im Video dazu feiern deutsche Fans ausgelassen mit Flaggen und Vuvuzelas die Meisterschaft. Nach anfänglichem Ärger mit der Plattenfirma hinter ,,Satellite" darf der Cover-Song heute offiziell veröffentlicht werden, und die Jungs haben jetzt einen eigenen Musikvertrag in der Tasche.


 
 


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