DARMSTADT.
Auch Lärm machen will gelernt sein. In den Tagen vor der Fußball-WM ist die Vuvuzela ein Verkaufsschlager. Die Plastik-Trompete, angeblich unverzichtbare Ausstattung jedes Fußballfans, wird in Bau- und Supermärkten, in Spielwarengeschäften und Sportläden angeboten - eigentlich überall dort, wo die Bereitschaft da ist, schnell ein paar Euro extra zu verdienen.Kaufen und loströten? Mancher Vuvuzela-Besitzer stellt schnell fest: So leicht ist das nicht. Wer einfach hineinpustet, hört nur sein Anblasgeräusch und womöglich das Gelächter der Um stehenden. Je nachdem, wie die Mensur der Vuvuzela ausfällt, das Verhältnis von Länge zu Weite der Röhre, ist es mehr oder weniger anspruchsvoll, sie zum Klingen zu bringen.Dabei ist die Vuvuzela Spross einer etablierten Familie, wie Markus Wagemann (32) erklärt: ,,Es ist ein Signalinstrument", sagt der seit 2006 am Darmstädter Staatstheater verpflichtete Posaunist, ,,und damit im Grunde ein Klassiker". Richard Wagner verlange für seine ,,Meistersinger" ein im Prinzip ähnliches Nachtwächterhorn, in der Praxis werde der Part einer Posaune überantwortet. Bei der Fortsetzung von Wagners Ring-Zyklus nächste Saison könne das Darmstädter Publikum ein Stierhorn im zweiten Akt der ,,Walküre" hören - gewissermaßen die Vuvuzela der Nibelungen.Aber warum ist es schwer, aus einer konischen, das heißt sich weitenden, Plastikröhre einen Ton hervorzubringen? Nun, erläutert Profi-Bläser Wagemann, das Mundstück kennzeichne die gut 60 Zentimeter messende Vuvuzela als nahen Verwandten der Blechblasinstrumente, und da seien Grundkenntnisse auch für Fußball-Musiker hilfreich.Die Tröte, die im Handel zwischen 1,50 und fünf Euro kostet, dient nach Angaben des Fachmanns lediglich als Resonator, also als Körper zur Veränderung und Verstärkung der Töne einer Schallquelle. Letztere, der sogenannte Generator, ist aber nicht das Mundstück der Vuvuzela, wie etwa bei Klarinette oder Oboe. Der Spieler selbst erzeugt mit seinen Lippen den Ton; die Plastikröhre macht ihn laut und ziemlich tief.Und das geht so: ,,Man schließt die Lippen und lässt sie schwingen, als ob man einen Traktor nachmacht", lauten die Anweisungen von Markus Wagemann.Er demonstriert es und sorgt für Erstaunen auf dem Platz vor dem Staatstheater. Zu hören ist nicht nur ein sauberer, gar nicht so übel klingender Ton, genauer: ein kleines b. Der Bläser entlockt der Vuvuzela, die für viele eher ein Terror- als ein Musikinstrument ist, gleich drei Töne. Sie erinnern tatsächlich an das Werk eines Blechbläsers.,,Das ist eine Naturtonreihe", sagt er. Naturtöne sind diejenigen Töne, die ohne Verlängerung oder Verkürzung der Schallröhre durch Löcher, Klappen oder Ventile auf einem Blasinstrument erzeugt werden können. Alles geschieht durch die Art des Anblasens. Erhöht Wagemann die Lippenspannung, tönen aus der Vuvuzela neben dem kleinen b auch das eine Oktave höhere eingestrichene b und das f darüber.Das Verhältnis dieser drei Töne entspricht dem der sogenannten Teiltöne, die bei jedem Ton - kaum einzeln wahrnehmbar - mitklingen. Auf der Grundlage der Naturtöne werden etwa Naturtrompeten und Fanfaren gespielt.Wie diese wurden wohl auch die in den neunziger Jahren in Südafrika populär gewordenen Vuvuzelas ursprünglich aus Blech hergestellt, weiß das Internet-Lexikon Wikipedia. ,,Ihr Klang ähnelt dem Trompeten eines Elefanten, ist aber lauter", heißt es dort lapidar. Kein Wunder: Das Wort Vuvuzela könnte aus einer Bantusprache stammen und ,,Krach machen" bedeuten. Der Welt wurde dies schlagartig bewusst, als bei den Übertragungen vom ,,Confederations Cup" 2009 in Südafrika ein massenhaftes ,,Booooo" der Fan-Vuvuzelas aus den Fernsehern quoll.Markus Wagemann ist dennoch überrascht, als er erstmals die WM-Tröte bedient: ,,Die ist extrem laut", sagt der Mann, der dem Monster Musik entlocken kann. ,,Das hätte ich nicht erwartet."
Wie man in Südafrika mit den Vuvuzelas traditionell Musik macht, zeigt dieses Video von einem Auftritt des "Vuvu Orchestra" in Soweto:
Ein englischsprachiger Beitrag zum Confederations Cup 2009 zeigt, wie man Vuvuzela spielt:

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