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28. Juli 2010 job

Bürgerinitiative gegen Museum Sander am Südhang gegründet

Bürgerprotest: ,,SOS Mathildenhöhe" will den Museumsbau am Alexandraweg verhindern

| Vergrößern | Der umstrittene Sieger-Entwurf von Benedikt und Ansgar Schulzaus Leipzig. Archivfoto: Günther Jockel
DARMSTADT. 

Darmstadt hat eine neue Bürgerinitiative. Die Gruppe ,,SOS Mathildenhöhe Darmstadt" will den Bau des Museums Sander am Südhang der Mathildenhöhe verhindern. Das verabredeten rund 40 Darmstädter am Montagabend in einer Gaststätte, in die das Treffen am vorgesehenen Bauplatz wegen des schlechten Wetters verlegt worden war.

Sprecher der Gruppe ist Stefan Zitzmann, der in der Internet-Gemeinschaft Facebook die Gruppe ,,Kein Museum Sander auf der Mathildenhöhe!" gegründet und in kurzer Zeit fast 550 Mitglieder gewonnen hatte. An der Organisation des Bürgerprotests ist auch Sabine Crook beteiligt, die schon den Widerstand gegen den Bau der Nordostumgehung mitorganisiert hat.

Die Bürger wenden sich gegen eine Veränderung der Mathildenhöhe, die bereits beschlossene Sache ist. Zwischen Alexandraweg und Museum Künstlerkolonie, an der Stelle des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses Christiansen, bauen die Stifter Gisa und Hans-Joachim Sander ein Museum, in dem sie einen Teil ihrer Sammlung zeigen wollen, vor allem Darmstädter Kunst der vergangenen drei Jahrhunderte.

Der an dieser Stelle Ende der fünfziger Jahre errichtete Ernst-Ludwig-Brunnen soll an einen anderen Ort versetzt werden. Nach dem Tod der Stifter soll dieses Museum in das Eigentum der Stadt Darmstadt übergehen. Im Gegenzug überließ die Stadt den Stiftern das Grundstück in Erbpacht.

Alle großen Fraktionen des Darmstädter Stadtparlaments hatten im September 2009 der Grundstücksübertragung in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt, ,,zur Wiederherstellung der städtebaulichen Ordnung von 1901 nach Joseph Maria Olbrich", wie es in der Vorlag hieß. Wenige Monate zuvor war von der Stadt die Rahmenkonzeption zur Mathildenhöhe veröffentlicht worden, in der die Bebauung des Grundstücks ausdrücklich empfohlen wird. Mehrmals sprach sich auch der Denkmalbeirat für den Museumsbau aus. Er empfahl allerdings Änderungen am Entwurf, mit dem das Leipziger Büro Schulz und Schulz den Wettbewerb für den Neubau gewonnen hatte. Wie schon die Wettbewerbsjury empfahl auch der Beirat, die Höhe des Baus, seine Fassadengestaltung und seinen Abstand zum Museum Künstlerkolonie zu überprüfen.

Die Initiative hingegen hat das Ziel, einen Bau an dieser Stelle komplett zu verhindern. Die Stiftung eines Museums werde begrüßt, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung, Architektur und Standort für das neue Gebäude seien jedoch unpassend. Die ausführliche Diskussion machte deutlich, wie unterschiedlich die Motive des Protestes sind. Sie reichen von der direkten Betroffenheit der Nachbarn über historische und ästhetische Erwägungen bis hin zum Argwohn der Stifterfamilie gegenüber, der man zutraut, sie werde sich über Vorgaben hinwegsetzen; die Rede war vom ,,Ausverkauf der Mathildenhöhe an die Familie Sander". Zudem wurden vielerlei Mutmaßungen angestellt, wie sich der Neubau auf die Bewerbung Darmstadts für die Unesco-Welterbeliste auswirken könnte.

Neben dem Ziel eint auch der Unmut über das Vorgehen der Stadt die Initiative. Der Weg der Entscheidung soll juristisch überprüft werden. Die Gründungsmitglieder stimmten überein in der Einschätzung, dass die Bürgerbeteiligung an den Plänen zu gering oder gar unmöglich gewesen sei. Das wollen sie nun nachholen - mit Infoständen und Unterschriftenlisten, in Gesprächen mit Stadtverordneten und durch Informationen auf einer Internetseite. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob ein Bürgerbegehren noch möglich ist; in jedem Fall öffneten die juristischen Wege ,,ein breites Feld an Möglichkeiten", kündigte Zitzmann an.

Den Initiatoren ist vor allem die Sachlichkeit der Argumentation ein Anliegen und auch das maßvolle Vorgehen. ,,Sponti-Aktionen mit Trillerpfeifen" wünscht sich Stefan Zitzmann ausdrücklich nicht. Und auch Sabine Crook freute sich bei der Gründungsversammlung: ,,Hier sind ja nicht die üblichen Krawallmacher."


 
 


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