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26. Juni 2010 wow

„Heusers Eichbaumtresen“ in Darmstadt

Restaurantkritik: Ein gemütlicher Biergarten mit sorgfältiger Küche, großen Portionen und zivilen Preisen - Leider etwas laut

| Vergrößern | Bessunger Biergarten-Idyll: Der Garten der Gaststätte „Heuser“, auch als „Eichbaumtresen“ bekannt. Foto: Günther Jockel

Neben den Biergärten an der Kastanienallee und an der Dieburger Straße gebührt Heusers Eichbaumtresen in Bessungen mindestens der dritte Platz in Darmstadt; leider trübt der Verkehrslärm der Heidelberger Straße den durchweg erfreulichen Gesamteindruck. Zumindest in der ersten Reihe geht das Tischgespräch gelegentlich im Röhren der Motoren lebensfroher Jungspunde unter. Drinnen, in der kleinen und ganzjährig geöffneten Gaststube, herrscht natürlich Ruhe, doch nur jetzt, in der warmen Jahreszeit, läuft der Betrieb auf Hochtouren und zieht nicht nur Bessunger in Massen an.

An einem x-beliebigen lauen Sommerabend mitten in der Woche ist der Biergarten jedenfalls rappelvoll.Unter mächtigen Ahornbäumen sitzt man wunderbar zwischen mit Efeu berankten Mauern und hat die Qual der Wahl unter diversen Möblierungen: Entweder bevorzugt es der Gast klassisch, mit Bierbank und Biertisch oder auf dem Klappstuhl am rotweißkariert eingedeckten Lattentisch. Oder er mag es verträumt in der Laube, am Bistrotisch oder auf dem Sofa mit den bunten Kissen. Gewaltige grüne Schirme versprechen halbwegs Schutz vor plötzlichen Regengüssen, Glühbirnenketten und moderne Lichtschläuche schaffen Atmosphäre, und irgendwo lugt aus dem Geäst eine pausbackige Engelsfigur hervor und schlägt die Laute. Ganz hinten in der Ecke, an der Ziegelmauer zum Nachbargrundstück, hält ein Sandplatz mit allerlei Spielgerät die lieben Kleinen wenigsten eine Weile von den geplagten Eltern fern.

Junge, schwarz gekleidete Damen wuseln wieselflink durch den Biergarten und behalten auch bei größtem Andrang den Überblick und ihre Freundlichkeit. Die Bestellungen werden zeitnah gebracht, ohne dass der Verdacht aufkommt, hier werde mit Fertigprodukten gearbeitet. Die Speisekarte konzentriert sich vor allem auf Spezialitäten aus Spätzle und Schnitzel, daneben gibt es Kleinigkeiten und Salate. Aus dem wechselnden Tagesangebot gefiel uns die ,,Kleine Ziege" (5,90 Euro), ein zylindrischer Ziegenfrischkäse, von Kräutern und geschrotetem roten Pfeffer umhüllt, auf Tomaten in einer würzigen Olivenölvinaigrette. Der Lieferant der labberigen Baguettescheiben dazu sollte sich indes schämen.

Am knackigen, wiederum einwandfrei angemachten Beilagensalat sorgten ein paar Kürbiskerne - die Wirtin stammt aus Österreich - für ein wenig Pfiff. Die Kerne, nun leicht geröstet, zieren auch das Zucchinipfännchen mit Tomaten (7,90 Euro), das auch mit etwas weniger cremiger Soße über dem Gemüse ausgekommen wäre. Da das Gericht vor dem Servieren mit Käse scharf überbacken wird, muss man die brodelnde Lava erst eine Weile betrachten, ehe der erste Bissen ohne Verbrennungen in den Mund geschoben werden kann.

Überhaupt leistet der Grillofen bei Heusers Schwerstarbeit. Auch die Schnitzel bekommen darin den letzten Schliff. Zwei haben wir probiert - und angesichts der gigantischen, beidseits weit über den recht großen Teller ragenden Fleischfladen sofort festgestellt: Nicht zu schaffen. Das weiß man auch bei Heusers, denn beim Abräumen bringt die Bedienung die Alufolie zum Einpacken der Reste gleich mit.

Das Odenwälder Schnitzel (12,80 Euro) ist mit Kochkäse überbacken und wird von zwei Apfelscheiben ,,mit etwas Scharfem" gekrönt, wie es auf der Karte geheimnisvoll heißt. Das graugrüne Relish treibt auch hartgesottenen Testessern die Tränen in Augen, harmoniert aber mit der leichten Süße der Äpfel und der Wucht des Kochkäses. Das Greyerzer Schnitzel (13,10 Euro) ist mit dem gleichnamigen Schweizer Käse überbacken, dem das deutlich besser bekommt als dem Kochkäse, der dabei etwas ledrig wird. Beide Riesenschnitzel sind fest und zart, die Panade umschließt das Fleisch vollständig und ist nirgendwo matschig, nirgendwo verkohlt. Da versteht einer sein Handwerk. Die Bratkartoffeln dazu kommen ein Stück weit heran an das Ideal der legendären Frau Schmidt, die einst im Nachbarhaus die Bessunger bebrutzelte.

Große Sorgfalt verrät auch der - Ehrensache bei einer Österreicherin - hausgemachte Apfelstrudel (3,80 Euro) mit cremiger Vanillesoße, der verführerisch nach Zimt duftet und nach - ja nach was? Kardamom? Piment? Verführerisch eben.

Das Getränk der Wahl im Biergarten ist natürlich Bier, das es in großer Auswahl vom Fass (Eichbaum Ureich Pils, Guinness, Kilkenny, Schmucker Schwarzbier) oder aus der Flasche gibt (Radler, Weizen alkoholfrei, Hefeweizen und vieles mehr). Die Flaschenbiere gibt's zum Einheitspreis von 3,20 Euro, Gezapftes (0,4 Liter) kostet 2,90 bis 3,50 Euro.

Große Erwartungen an die Weinauswahl sollte man in einem Biergarten nicht hegen. Auch im Eichbaumtresen ist sie schmal, verrät aber wieder die Handschrift der österreichischen Wirtin. Auf anonyme liebliche Spätlese und halbtrockenen Veltliner verzichten wir zwar gern, doch der Blaufränkisch (3,60 Euro für 0,2 Liter) ist ein angenehm weicher, aromatisch-vollmundiger Rotwein, mit dem man einen ganzen Abend verbringen könnte. Gern auch im Freien, unter Bäumen, mitten in der Stadt.

Visitenkarte

Heusers Eichbaumtresen
Heidelberger Straße 93
64285 Darmstadt
Telefon: 06151 64544

Geöffnet täglich ab 17 Uhr.

Raucherbereich: nein,
Barrierefrei: nicht ganz.

Schönes Biergartenlokal mit sorgfältiger Küche. Deftige Speisen mit Pfiff, gewaltige Portionen, zivile Preise.

 
 


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