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09. Februar 2010  | Von Jens-Jörg Wannemacher

Unnötiges Scharmützel

Die heile Welt in der Otto-Fleck-Schneise 6 in Frankfurt ist gehörig durcheinander geraten. Der Deutsche Fußball-Bund mit Theo Zwanziger an der Spitze liefert sich mit der Führungsriege der Nationalmannschaft vier Monate vor der Weltmeisterschaft ein unnötiges Scharmützel, das nichts von der Professionalität hat, mit der sich der größte Sportverband der Welt sonst so gerne schmückt.

Der Sachverhalt ist banal und alltäglich: Es geht um eine Vertragsverlängerung, die beide Seiten prinzipiell anstreben. Soweit, so gut. Aber in Details gibt es unterschiedliche Auffassungen. Auch nichts Außergewöhnliches. Doch ohne Not ist das Gefeilsche aus dem Ruder gelaufen. Bundestrainer Joachim Löw sah sich durch das 48-Stunden-Ultimatum des DFB zur Vertragsunterzeichnung unter Druck gesetzt. Der DFB wiederum fürchtete, an Einfluss zu verlieren, wenn Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ein Vetorecht bei der Besetzung des Bundestraineramts eingeräumt würde. Die finanziellen Aspekte sind eher eine Randerscheinung. Es geht um die Macht und den Einfluss auf das Aushängeschild des deutschen Fußballs: die Nationalmannschaft.

Gegenseitige Vorwürfe und Unterstellungen, allesamt öffentlich geäußert, haben die Chancen auf erfolgreiche Verhandlungen binnen kürzester Zeit zunichte gemacht. Denn es dürfte kaum gelingen, sich nun noch so anzunähern, dass beide Seiten die Unterschrift unter einen Vertrag setzen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Vieles deutet darauf hin, dass nach der WM die Amtszeiten von Löw und Bierhoff enden.

Nun zu befürchten, damit sei für die deutsche Mannschaft keine erfolgreiche Weltmeisterschaftsendrunde mehr möglich, ist weit hergeholt. Auch vor der WM 2006 war klar, dass Jürgen Klinsmann wieder seinen Hut nehmen und nach Kalifornien zurückkehren würde. Die Mannschaft ließ das vor vier Jahren unbeeindruckt - für Nationalspieler sind Trainerwechsel Alltag.

A
m Rande dieses Grabenkampfes brachte sich ein anderer fast unbemerkt in Stellung. Bayern Münchens Trainer Louis van Gaal ließ durchblicken, dass er sich durchaus den Posten des deutschen Nationaltrainers vorstellen könne. Klingt nach einer unverbindlichen Bewerbung. Aber Säbelrasseln gehört zum Profigeschäft - wie auch Vertragsverhandlungen. Von daher ist der Aufschrei, der den Poker um Löws Vertragsverlängerung ausgelöst hat, völlig überzogen.

 
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