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09. Februar 2010  | Von Brigitte Scholtes

Programmfehler

SAP-Gründer Hasso Plattner hat aus der Not eine Tugend gemacht. So schnell war im Konzern wohl niemand zu finden, der Léo Apotheker als alleinigem Vorstandschef von SAP hätte nachfolgen können. Und so wurden es wieder zwei, der Amerikaner und Betriebswirt Bill McDermott, jetzt und auch künftig Vertriebsvorstand, und der Däne Jim Hagemann Snabe, Vorstand für Produktentwicklung. Plattner greift nun wieder stärker in die Unternehmensentwicklung ein - und vorübergehend ist das gut so.

Denn im vergangenen Jahr war einiges schief gelaufen. Die Kunden rebellierten gegen SAP, weil ihnen recht rüde eine happige Erhöhung der Wartungsgebühren zugemutet wurde. Und die Belegschaft murrte über den neuen Stil im Konzern, auch darüber, dass 2009 erstmals tausende Mitarbeiter ihren Job verloren hatten. Aber auch über die Tatsache, dass die Mittelstandssoftware ,,Business by Design" noch immer nicht beim Kunden eingeführt ist, dürften weder die Beschäftigten noch Plattner erfreut gewesen sein.

Warum aber die plötzliche Entscheidung? Noch vor zwei Wochen durfte Apotheker die SAP-Bilanz vorstellen und seine Strategie fürs laufende Jahr erläutern. Da hatte er sich noch recht zuversichtlich gegeben für die weitere Entwicklung. Aber wirkliche Antworten auf die größte Herausforderung für SAP, eine grundlegende Modernisierung nämlich, blieb er schuldig.

Dem Aufsichtsrat ist jetzt der Geduldsfaden gerissen. Da die Vertragsverlängerung anstand, war der Hebel gefunden, Apotheker loszuwerden - trotz seiner langen Zugehörigkeit zum Konzern. Der Umgang mit Kunden und Beschäftigten stimmte nicht mehr - vielleicht auch Zeichen einer allgemeinen Verunsicherung des erfolgsverwöhnten Konzerns.

SAP muss sich neu erfinden. Ob das die beiden Neuen schaffen, die erst sei eineinhalb Jahren dem Vorstand angehören, wird sich weisen. McDermott wird jedenfalls nachgesagt, im Vertrieb amerikanische Methoden zu pflegen, also die Kunden ebenfalls eher ruppig zu behandeln, während Hagemann Snabe allgemein anerkannt ist. Sollten sie das Ruder bei SAP nicht herumreißen können, indem sie neue Produkte an den Markt bringen und gleichzeitig auf ihre Kunden zugehen, dann dürfte der Stern des einstigen Vorzeigeunternehmens rasch sinken. So weit darf es Plattner gar nicht kommen lassen. Eine Schlappe hat er jetzt schon erlitten. Eine weitere kann er sich nicht leisten. Denn sonst ist sein Lebenswerk in Gefahr.

 
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